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Kultur Regional „Von Party zu Party“: SXTN treiben ihre Fans im Täubchenthal zum Exzess
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Von Party zu Party“: SXTN treiben ihre Fans im Täubchenthal zum Exzess
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00:16 31.10.2017
Gern auch mal politisch unkorrekt: Juju (links) und Nura im Täubchenthal. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

„Wir sind friedlich, was seid ihr?“, brüllt es am Freitagabend durch das tropisch feuchte und randvolle Täubchenthal. Für einige Eltern, die ihre Töchter zum SXTN-Konzert begleiten und die mit der Diskografie des Rap-Duos offensichtlich nicht vertraut sind, scheint die Zeile keine treffende Beschreibung für das soeben Erlebte zu sein.

Die Berlinerinnen Juju und Nura haben zu diesem Zeitpunkt schon knappe eineinhalb Stunden ohne Rücksicht auf Verluste provoziert. Drogen, Sex, Alkohol und Beleidigungen härtester Gangart stehen auf dem Programm. Politische Korrektheit ist hier kein Maßstab. Verpackt werden die Rap-Strophen in brachiale Hip-Hop-Beats und Pop-Melodien zum Mitsingen.

Es ist angerichtet.

SXTN fordern Exzess und das überwiegend junge Publikum gehorcht aufs Wort. Ohne die Musik, wären die ersten 30 Reihen des Publikums nicht von dem eines Punk-Konzerts zu unterscheiden. Vollkontakt vor und auf der Bühne. SXTN feuern zum Auftakt 40 Minuten, ohne Luft zu holen, Hits aus den Boxen. Spätestens bei „Er will Sex“ scheint die Stimmung schon nicht mehr steigerungsfähig.

Binnen 26 Tagen sind 21 dieser Shows geplant. Leipzig ist bereits der drittletzte Halt auf der Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Anzumerken ist SXTN dieser Marathon nicht. Die beiden sind schonungslos, zu anderen, aber auch zu sich selbst. Dazu passt der rasante Aufstieg des Duos.

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Nach der Gründung 2014 geht es Schlag auf Schlag. 2016 erscheint mit „Asozialisierungsprogramm“ die erste EP und schlägt in der Szene eine wie eine Bombe. Das von ihren Fans heiß erwartete Album „Leben am Limit“ kommt im Juni 2017 und schafft es bis in die Top Ten der deutschen Charts.

Die aktuelle Tour „Kann sein, dass Scheiße wird“ ist nahezu ausverkauft. Die Konzerte sind – und da macht Leipzig keine Ausnahme – auf Party getrimmt. Juju und Nura schwimmen auf der Welle ihres Erfolgs und baden in dem Bewusstsein, dass gesellschaftliche Normen in der aktuellen Phase für sie außer Kraft gesetzt sind. Joints auf der Bühne und Bier-Trichter für die Fans sind nur die Spitze des Eisbergs.

Doch wer SXTN auf Party und Provokation reduziert, irrt. Die beiden Rapperinnen können auch anders. Nura, Tochter eines Marokkaners, jongliert in „Ich bin schwarz“ mit rassistischen Klischees und schickt bei der Ankündigung für das Lied ein paar deutliche Worte an die AfD. Im Bundestagswahlkampf hatte die Partei Anzeige gegen die Rapperin erstattet, weil sie ein Plakat der Kandidatin Sibylle Schmidt abgerissen und die Aktion in den sozialen Medien geteilt hatte.

Denkwürdige Feier

Mit „Made 4 Love“ folgt kurz darauf der düsterste Song des Albums. Juju berichtet darin eindrücklich und emotional aus dem tragischen Alltag einer Prostituierten. Dem Konzert schenkt der Titel einen kurzen Augenblick zum Durchatmen.

Diese Momente werden jedoch leider fast vollständig verdeckt. Leise Töne finden in den durchgetakteten eineinhalb Stunden, in denen ein Mitgröl-Refrain den nächsten hetzt, nur wenig Platz. Das Publikum scheint daran nichts auszusetzen zu haben und folgt ohne Widerspruch. Nura und Juju sind ohnehin über jede Kritik erhaben. Für die Intention des Konzerts sind sie die Idealbesetzung, auch weil sie musikalisch auf den Punkt abliefern und das angelegte Tempo ohne Probleme halten können.

Texthänger? Erschöpfung? Wackelige Stimmen? Fehlanzeige. Ihre Fans bekommen eine denkwürdige Feier geliefert, die mit „Von Party zu Party“ als letztem Song vor der Zugabe ihren treffenden Höhepunkt erlebt – diesmal auch für die Eltern in den letzten Reihen.

SXTN kehren am 22. Dezember, 20 Uhr, zu einer „Weihnachtsshow“ nach Leipzig zurück. Karten für das Konzert im Haus Auensee (Gustav-Esche-Straße 4) gibt es unter anderem für 29,15 Euro bei der Ticketgalerie, in den LVZ-Geschäftsstellen, unter der gebührenfreien Ticket-Hotline 0800 2181050 und www.ticketgalerie.de.

Von Anton Zirk

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