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Kultur Regional Von fremden Welten hören und träumen beim Leipziger Hörspielsommer
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22:47 08.07.2018
Der Hörspielsommer Leipzig im Richard-Wagner-Hain läuft bis Sonntag, den 15. Juli. Quelle: Kempner
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Leipzig

Zum Glück kommt die Abendsonne am späten Freitagnachmittag doch noch zum Vorschein und taucht den Richard-Wagner-Hain in wohlig warme gelbe und rötliche Farben. Obwohl das Gras von den heißen Sommertemperaturen der vergangenen Wochen schon längst ausgetrocknet ist, findet sich hier zwischen den Gebäuden der Sportfakultät der Uni und dem Elsterflutbecken im wahrsten Sinn eine kleine Oase. Eine Oase für Hörspielkunst und Klangkultur bestehend aus einer kleinen Bühne, ein paar Pavillons und den wichtigsten Utensilien: mehreren Lautsprecherboxen, die exotische Klänge und das gesprochene Wort übertragen.

Am Freitag ist die 16. Ausgabe des Leipziger Hörspielsommers auf dem Richard-Wagner-Hain offiziell eröffnet worden. Wie schon in den Jahren zuvor ist der Hörspielsommer programmatisch in drei Teile gegliedert: Neben dem Hörspielprogramm für Kinder und Erwachsene sowie der Ausrichtung dreier Hörspielwettbewerbe gibt es auch diesmal wieder Live-Programm.

Familien haben es sich zwischen Bühne und Pavillons auf ihren Decken bequem gemacht. Es läuft das Kinder- und Nachwuchsprogramm. Die kleinen Zuhörer erfahren, wie drei liebe Hexen ihrem bösen Pendant das Handwerk legen wollen oder was Kaspar und sein Opa mit einem Monsterhecht zu tun haben. Während die Eltern mit Bier oder Wein die schöne Szenerie genießen und einfach nur entspannen, verlässt viele der Kleinen zum Ende hin die Konzentration. Sie haben noch genug Energie um fangen oder Fußball zu spielen.

Skadi Jennicke (Linke) eröffnet wenig später den Hörspielsommer. Die Kulturbürgermeisterin, die früher auch schon mal als Radiojournalistin gearbeitet hat, ist Schirmherrin für das Festival. „Ich komme nicht mehr viel dazu Fernsehen zu schauen, aber ohne Radio würde ich nicht gut klarkommen“, erklärt sie ihr Verhältnis zum Medium.

Götz Naleppa ist der zweite Schirmherr der Veranstaltung. Der preisgekrönte Hörspielregisseur und Klangkomponist findet sogar noch stärkere Worte: „Ich bin wirklich beeindruckt“, antwortet er unumwunden auf die Frage, welchen Eindruck er von seinem ersten Besuch des Hörspielsommers hat. In einem der nächsten Sätze zieht er einen hübschen Vergleich heran, spricht vom „Woodstock des Hörspiels“.

Natürlich ist das ein bisschen übertrieben, aber die Atmosphäre trifft das dennoch irgendwie. Sie lädt dazu ein, beim Zuhören mit den Gedanken in fremde Welten zu entfliehen. „Fremde Welten“, genau das ist das Motto des abendlichen Auftaktprogramms. Schirmherr Naleppa stellt unter anderem sein Werk „Popol Vuh“ vor, das 2008 mit dem in der Szene bedeutenden Gold Award des New York Festivals ausgezeichnet wurde. In der Klangkomposition lesen Maya-Sprecher in Originalsprache die zum Teil grausamen Texte zum Ursprung der Zivilisation vor. Sie werden dabei von prähispanischen Instrumenten begleitet. Auf einer weiteren Klangebene wird das Gesprochene ins Deutsche übersetzt.

Direkt im Anschluss wird das Hörspiel „Mondglas“ von Stefan Wilke aufgeführt, das die fiktive Geschichte des Raumschiffs Centaurus nachzeichnet, das in ferner Zukunft Kontakt mit außerirdischem Leben bekommt. Bis zum Ende des darauffolgenden Features „Mission Mars“ über das reale Raumfahrtunternehmen „Mars One“ und sein Ziel, bis 2032 eine bemannte Kolonie auf dem roten Planeten, ist die Sonne längst untergegangen. Die ersten Sterne werden am Nachthimmel sichtbar. Wer jetzt nicht von fernen Welten träumt, hat keine Fantasie.

Viel davon hat auch der Hörspielmacher Carsten Schneider, der am Samstag live seine einzigartige Hörcollage „Die Familie eines Tages im Deutschlandfunk“ moderiert und kommentiert. Sie besteht aus akribisch auseinandergepflückten und neu kombinierten Textelementen von Deutschlandfunk-Beiträgen.

Der Leipziger Hörspielsommer läuft noch bis zum 15. Juli; das komplette Programm: www.hoerspielsommer.de

Von Edgar Lopez

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