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Kultur Regional Umstrittener DOK-Film: So lief die Aufführung von „Lord of the Toys“
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08:51 01.11.2018
Max Herzberg in Pablo Ben-Yakovs Film „Lord of the Toys“. Quelle: DOK Leipzig
Leipzig

Dieser Dokumentarfilm wurde viel diskutiert, war schon Thema vor der Aufführung: „Lord of the Toys“ von Pablo Ben-Yakov wurde am Mittwochabend im Rahmen des 61. Dokfilmfestivals im Leipziger Cinestar gezeigt – und wohlwollend vom Publikum aufgenommen. Der Film ist der Versuch einer filmischen Studie über ein entwurzeltes Milieu, das man früher wohl Lumpenproletariat genannt hätte. Es geht um eine hysterische Gruppe junger Dresdner, die säuft, stottert, schwafelt, rülpst, lallt, Videos mit Masken dreht, von Schlägereien schwärmt, dumpfe Reden führt, die wohl stark und witzig klingen sollen, sprayt und – wenn der Humor grenzenlos wird – einem Wahlplakat-Kopf einen dicken Schnauzer anmalt. Das Plakat wirbt für Die Linke.

Was man als alkoholisierten Dauer-Jux ansehen könnte, vor dem sich „Lord of the Toys“ gnadenlos und abstandsfrei in den Staub wirft, hat sich nun allerdings als Kuckucksei im Nest der diesjährigen Dokwoche entpuppt. Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ hatte die seltsame Produktion als „ein kleines bisschen Nazi“ bezeichnet und für die Premiere am Mittwochabend zum Protest aufgerufen. Tatsächlich blieb es ruhig im Kino. Bei der anschließenden Gesprächsrunde stellten sich der Regisseur und André Eckardt von der DOK-Auswahlkommission den Fragen des anscheinend wohlwollenden Publikums - ohne Zwischenfälle.

Grund für den Wirbel ist Youtuber Max Herzberg, einer aus der gefeierten Dauersuff-Gruppe. Der poste „immer wieder neonazistische Parolen und steht in engem Kontakt zu den verfassungsfeindlichen Identitären und organisierten Nazis im Umfeld der Freien Kräfte Dresden. Herzberg trägt zur Etablierung von neonazistischen Gedankengut bei und unterhält Beziehungen zur gewaltaffinen neonazistischen Szene.“

Im letzten Jahr gab es heftige Kritik an der Dokwoche, weil „Montags in Dresden“ von Sabine Michel lief. Zu Unrecht. Die Regisseurin war tatsächlich neugierig bemüht, über das Anhören von drei Pegida-Aktivisten zu den sozialen, psychologischen und politischen Wurzeln ostdeutscher Wutbürger vorzudringen. Von solchen Bemühungen ist „Lord of the Toys“ weit entfernt. Da wird nicht Anarcho und Dada gehuldigt, sondern nur Dumpfheit und Dummheit.

Blind bewundert wird „Lord of the Toys“ im Katalog der Dokwoche: „Das Fäustchen des Ostens riskiert auch mal die Nazilippe und Cybermobbing, das im Realen eskaliert.“ Okay, so kann man es auch sehen. Der Autor des krausen Satzes war ebenfalls Eckardt, der die Animations-Abteilung der Dokwoche betreut.

Von Norbert Wehrstedt / jhz

Wirbel um einen Film beim Leipziger Dok-Festival: In „Lord of the Toys“ über den Dresdner Youtuber Max Herzberg werde ein „menschenverachtendes Weltbild“ gezeichnet, kritisiert Leipzig nimmt Platz. Zur Premiere hat das linke Netzwerk Proteste angekündigt.

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