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Kultur Regional Webers bravouröses „Caboom“
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11:13 03.12.2017
Probe von Sebastian Webers Stück " Caboom " im Lofft in Leipzig Foto: Andre Kempner Quelle: Kempner
Leipzig

Fast vollkommene Dunkelheit herrscht im Saal, als der erste Schlag eines grandiosen Abends einsetzt: „Caboom“, das neue Stück der Sebastian Weber Dance Company, feiert am Freitagabend im Lofft Premiere und wird so ziemlich jedes Bild über den Haufen werfen, das man im Vorhinein von Steptanz haben könnte.

Die Augen gewöhnen sich langsam an das spärliche Licht, das vom Notausgangsschild ausgeht und können die minimalen Fußbewegungen ausmachen, mit denen die fünf Tänzer den Rhythmus erzeugen. Hypnotisch und fesselnd, bis der erste ausbricht. Sebastian Weber, Kopf der Truppe, Choreograph und preisgekrönter Tänzer, legt zuerst ein Solo hin, bei dem der Mund offen stehen bleibt, wegen seiner einzigartigen Kombination von Körperspannung und Schlaksigkeit.

Ab und zu beweist er Mut zum Unorthodoxen, schüttelt sich auf der Tanzfläche, lässt die Arme grotesk umherschlenkern und geht ab wie Schmitz‘ Katze. Währenddessen schaffen die Tänzerinnen Janne Eraker und Andrea Alvergue einen Kontrapunkt: So ein Duo, das mit Pantomime und exakten Bewegungen Geschichten erzählt, funktioniert nur in vollkommen abgestimmter Präzision. Währenddessen liefern Nik Kemeny und Helen Duffy immer noch den Grundbeat.

Chaos ist das Leitmotiv des Abends. Und Chaos kann man hier überall finden – in der verrückten Mischung verschiedener Stile, im Übereinander der Choreografien, die jeder Tänzer zu einer Musik tanzt, die nur er hören kann und im Kopf des Zuschauers, wenn ihm schon vom Zuschauen schwindlig wird bei so viel Schnelligkeit und Überdrehtheit.

Erst als die Musik zum ersten Mal einsetzt, fällt auf, dass die Tänzer zuvor zu vollkommener Stille getanzt haben und die Instrumente mit ihren Füßen und Schuhen selbst ersetzen können. Electro-Swing mit zackigem Beat macht den Anfang und feuert die Motivation der Tänzer nochmal neu an. Jeder tanzt mit seiner ganz eigenen Energie, interpretiert die Choreografien von Weber auf individuelle Art; trotzdem fällt niemand aus den Ensembleteilen heraus. Es ist die pure Freude an Bewegung, die aus den Gesichtern strahlt, und dazu braucht auch es keine glamourösen Bühnenoutfits. Bequem muss es sein und die gedeckten Farben grau oder schwarz lenken nicht von den Bewegungen ab. Ensemble- und Soloteile wechseln sich ab, gewisse Choreographie-Sequenzen tauchen im Lauf des Abends immer wieder auf und bieten dem Auge einen Ruhepunkt, wie zum Beispiel eine Szene kunstvollen Auf-der-Stelle-Laufens mit Zurückfallen, Überholen und Gas geben. Der Rhythmus muss raus, das merkt man ihnen allen an. Sie sind sich selbst Instrument – egal ob mit Stepschuhen oder ohne, mit Fingern und Handflächen entsteht genauso ein Feuerwerk der Taktschläge.

Auch komische Elemente tauchen auf, wenn sich Nik Kemeny mit seinem hypnotischen Tap-Rhythmus so in Trance tanzt, dass ihn eine Kollegin mit einem Handtuch bewerfen muss, damit er wieder ansprechbar wird. Und die Handtücher sind wichtig: Bei all dem Schweiß, der auf die Bühne tropft, muss der Boden von Zeit zu Zeit getrocknet werden, was meist humoristisch in Putz-Sequenzen und zwischenzeitlich in einer kleinen Handtuch-Schlacht verbaut wird.

Gegen Ende schließt sich der Kreis: Die Bewegungen der fünf werden kleiner, die Schläge leiser, langsam weicht das Licht wieder der Dunkelheit, bis das Publikum die Stille mit langanhaltendem und verdientem Applaus durchbricht.

Nächste „Caboom“-Termine im Lofft am Sonntag (3. 12.) sowie vom 8. bis 10. März 2018.

Von Katharina Stork

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