Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Wie Claudia Herold dazu kam, von der Kunst zu leben
Nachrichten Kultur Kultur Regional Wie Claudia Herold dazu kam, von der Kunst zu leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:13 25.07.2018
Cellistin, Konzertveranstalterin im Theater, dreifache Mutter: Claudia Herold. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Über Düfte, Gegenstände und Bilder ist es möglich, in die Vergangenheit abzutauchen, man kann aber genauso gut über die Musik zurückliegende Erlebnisse wachrufen. Mit der im Neuen Schauspiel angesiedelten Talkshow „My Favourite Tracks“ demonstrierte Claudia Herold das eine Zeit lang. Der jeweilige Gast hatte die zehn Lieblingslieder seines Lebens dabei und holte mit den Geschichten, die er dazu erzählte, Verschüttetes aus der Versenkung.

Musik und Erinnerungen kombiniert die Lindenauerin gerade wieder, bis Ende kommender Woche ist sie im Freiluftstück „Die Sommer Deines Lebens“ auf der Menckestraßenseite des Gohliser Schlösschens zu sehen. Auf der Poetenwegseite kämpfen bis Ende Juli parallel dazu Robin Hood und Pinocchio gegen den Tod, angeleitet von Tilo Esche. Unter dessen Regie spielte Claudia Herold vor zwölf Jahren schon einmal Sommertheater.

Mit ihren Kolleginnen von Rada Synergica, Sylke Jilani und Stefanie Koch, brachte sie damals an der Pferderennbahn „The International Women’s Songcontest“ auf die Bühne. Die drei Frauen stellten nacheinander eine russische, eine französische und eine amerikanische Band dar, und jede von ihnen mimte mal die Moderatorin, mal die Assistentin und auch die Bandchefin, was zu wilden Kostümwechseln und kuriosen Wieder- beziehungsweise Neuerkennungseffekten führte.

Normalerweise aber spielt Claudia Herold Cello. Da kommt ihr die starke musikalische Ausrichtung im Sommerstück am Schlösschen gerade recht. Über Michael Kreft ist sie nach Jahren zurück ans Theater geraten, obwohl sie im Gegensatz zu ihm und Bühnenpartnerin Antje Poser nur über wenige Promille Kabarett im Blut verfügt. Dafür schwimmt man auf einer Wellenlänge.

Und es passte

Es wird schon irgendwie passen, dachte sich die Cellistin im Vorfeld der Aufführungen – und es passte. Claudia Herold empfindet es als anregend, mit Leuten zu arbeiten, die sie bis dahin nicht kannte, was auf Antje Poser zutrifft sowie auf den vierten Beteiligten, den Schlagzeuger Lars Müller. „Man verhält sich anders“, beobachtete sie sich selbst, „und wird auch anders gefordert“.

Genau das möchte sie nun ausbauen und fährt darum noch im August zum Workshop „Lebendige Stimme“ mit Juri Wassiljew. „Ich brauch mal wieder ein bisschen Input“, erklärt sie, und dass der Hinweis von ihrem Sohn kam, welcher Schauspiel studiert. Der war von dem russischen Schauspieler, Regisseur und Dramaturgen so fasziniert, dass er seine Mutter, die neben ihm zwei Töchter hat, von denen eine Kunst studiert und die andere ebenfalls Schauspiel, damit ansteckte.

Drei Kinder – drei Künstler/innen. Die Musikerin und Nachwuchs am Cello Unterrichtende muss also ein Vorbild, ein Leitstern gewesen sein, ihr Leben jedenfalls schreckte das Trio nicht ab, im Gegenteil.

Claudia Herold hatte einst ähnlich familienfortführend geplant und ihren Eltern gleich Pfarrerin werden wollen. Aufgewachsen in Röderau bei Riesa machte sie in Moritzburg bei Dresden, dort, wo das weihnachtsmärchenbekannte Aschenbrödelschloss im Wasser steht, an einer kirchlichen Schule Abitur.

Bandgründung per Kleinanzeige

Im Anschluss daran kam sie zum Theologiestudium nach Leipzig und gab sich dem „wilden Großstadtleben“ hin. Um Pastorin zu werden, so denkt sie heute, hätte sie lieber einen Weg über die Praxis nehmen sollen, denn das Studium wurde ihr bald zu trocken. Die junge Frau lernte nicht nur Leute, sondern auch ihr bis dahin unbekannte Einstellungen kennen und verschob den Schwerpunkt von der Religion immer weiter in Richtung Musik.

Mit Hilfe einer zusammenführenden Kleinanzeige entstand die Band Rada Synergica, Claudia Herold belegte einen Existenzgründerkurs zur Ausarbeitung einer realistischen Geschäftsidee und absolvierte eine Ausbildung zur Musikpädagogin. „Zu Hause in meinem Ordner hab ich ein Zertifikat“, sagt sie.

Mittlerweile sind die Kinder ausgezogen, mütterliche Aufgaben weggefallen, neue Freiräume entstanden. Claudia Herold fühlt sich dadurch ein bisschen wie einst mit 20, denkt gleichzeitig jedoch über den nun folgenden Lebensabschnitt nach. Die im Neuen Schauspiel für Konzerte Verantwortliche möchte zum Beispiel selbst wieder mehr Konzerte geben, vielleicht auch die ruhende Lieblingslieder-Talkshow neu beleben. Zumindest schließt sie eine Neuauflage nicht aus. Viele hätten nach der letzten Ausgabe gemeint: „Was, du machst Schluss? Oh, schade, bei der nächsten wäre ich dabei gewesen!“ Hätten die sich das doch alle mal einen Termin früher überlegt ...

Claudia Herold ist noch von 25 bis 29. Juli sowie 1. bis 4. August, jeweils 20 Uhr, am Gohliser Schlösschen, Menckestraße 23, in „Die Sommer Deines Lebens“ als Cellistin zu erleben; Abendkasse 19,50/15 Euro.

Von Bert Hähne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Aufgrund von Arbeiten für Verbesserung der klimatischen Bedingungen der Ausstellungsräume bleibt das Leipziger Völkerkundemuseum im August geschlossen.

26.07.2018

Das Museum der bildenden Künste Leipzig hat viel DDR-Kunst im Bestand. Die will der neue Direktor auch zeigen – und beginnt 2019 mit Werken aus der Umbruchzeit.

31.07.2018

Das diesjährige Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig wird mit dem filmischen Porträt „Meeting Gorbachev“ von Werner Herzog und André Singer eröffnet.

24.07.2018
Anzeige