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Kultur Regional Wo ist der „Reporterturm“? Bildermuseum sucht Gemälde von Arno Rink
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10:00 21.12.2017
„Reporterturm“ nannte Arno Rink sein heute verschollenes Gemälde. Es ist ungefähr 120 mal 180 Zentimeter groß.  Quelle: privat
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Leipzig

 „Reporterturm“ hat Arno Rink (1940–2017) eines seiner Bilder genannt. 1967 hat er es gemalt. Ziemlich genau 50 Jahre später wird es gesucht. „Verschollen“ steht auf dem Repro, das Christine Rink, die Witwe des im September gestorbenen Malers besitzt. Es ist das Einzige, was ihr von dem Gemälde geblieben ist. Jetzt hätte es das Museum der bildenden Künste in Leipzig gerne für die große Retrospektive, die vom 18. April bis zum 22. Juli 2018 unter dem Titel „Arno Rink. Ich male!“ gezeigt wird.

Ihr Mann sei damals zu den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution unter anderem zusammen mit dem Künstlerkollegen Rolf Münzner eingeladen worden, erzählt Christine Rink. Dort fotografierte er die Vorlage für das ungefähr 120 mal 180 Zentimeter große Werk, das Reporter und Fotografen bei der Arbeit zeigt. „Gleich nach seiner Rückkehr hat er es gemalt. Es hatte noch keinen Titel, wir nannten es immer ,Reporterturm’. Rink malte es in der Coppistraße, wo er in einer ehemaligen Backstube im Souterrain sein Atelier hatte.

Rinks „Reporterturm“ mit seinem zwischen Geschäftigkeit und Wichtigtuerei agierenden Personal spielt durchaus ins Heute: Wie werden Ereignisse inszeniert, wie werden sie vermittelt? Welche Rolle haben die Vermittler – sollen sie das Geschehen nur neutral durchreichen, wie heute manche fordern? Oder sollen sie sich mit eigener Haltung in den Strom der Ereignisse stellen?

Beim Rat des Bezirks verschwunden

Noch 1967 kam das Bild zum Rat des Bezirks in der Karl-Liebknecht-Straße. „Seitdem haben wir es nicht mehr gesehen. Wir haben dazu schon mehrere Leute befragt – ohne Ergebnis.“ Es sei auch nicht in einer der Bezirkskunstausstellungen gezeigt worden, erzählt Christine Rink, die sich an das Bild noch sehr gut erinnern kann.

Im Dezember 1966 hatte das Paar geheiratet. Eineinhalb Jahre zuvor hatten sie sich im Haus Leipzig kennengelernt. Es ist der 17. Juni 1965. Sie, damals 19, will eigentlich zu einem Abiball, kommt aber zu früh und findet die gesamte Leipziger Schule beim Kegeln vor: Tübke, Mattheuer, Heisig und Co. Nur ein Student ist dabei: Arno Rink. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Und seit wann sind die beiden ein Paar? Christine Rink zögert keine Sekunde mit der Antwort: „Seit diesem Tag; wir waren wie vom Blitz getroffen.“

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Zurück in die Gegenwart und zur Suche nach dem verschwundenen Bild: In dem Gebäude, in dem ursprünglich die Oberpostdirektion, dann der Rat des Bezirks und bis 1995 das Regierungspräsidium Leipzig untergebracht waren, befindet sich jetzt unter dem Namen Lipsius-Bau ein Institut der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK). „Wir machen uns im Haus auf die Suche, nehmen Kontakt zu Personen auf, die vielleicht mehr darüber wissen, was aus dem Bild geworden ist. Das ist auch für uns eine hochinteressante Geschichte“, sagte HTWK-Pressereferentin Franka Platz der LVZ.

Film über Arno Rink Ende April bei Arte

Die Retrospektive im Bildermuseum ist für die Filmemacherin Nicola Graef Anlass, einen knapp 60 Minuten langen Film über Arno Rink zu drehen. Er soll Ende April 2018 bei Arte ausgestrahlt werden. Graef hatte den Kinofilm „Neo Rauch – Gefährten und Begleiter“ (2016) als Regisseurin und Produzentin realisiert – und sich dabei auch mit Rink beschäftigt. Im Fokus, so Graef, stehe seine Malerei, seine Rolle in der Hochschule für Grafik und Buchkunst und als Lehrer wichtiger Maler der Neuen Leipziger Schule. Im Januar beginnen die Dreharbeiten. Auch Graef richtet einen Aufruf an die Leipziger: „Ich wäre sehr an Videomaterial und Ähnlichem interessiert.“

Informationen zu dem verschollenen Bild von Arno Rink bitte per E-Mail an mdbk@leipzig.de, Telefonnummer: 0341 216990: Hinweise zu Videomaterial mit Arno Rink bitte an Kontakt@lonamedia.de

Von Jürgen Kleindienst

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