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Kultur Regional Zehn Jahre Schkeuditzer Kreuz: Echte Gefühle für die Sünder
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00:34 25.04.2018
Zum Zehnjährigen der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz sind Hauke von Grimm, Kurt Mondaugen, Max Rademann, Julius Fischer, Michael Schwesinger, Andre Herrmann und Franziska Wilhelm (v.r.) mit ihren Texten dabei. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Zehn Jahre sind im Live-Lese-Zirkus eine verdammt lange Zeit. Wie lange, zeigt sich im Falle des „Schkeuditzer Kreuzes“, wenn man bedenkt, dass die Lesebühne bereits zwei frühere Auftrittsorte überlebt hat. „Wärmehalle Süd“ in der Eichendorffstraße und „Plan B“ sind Geschichte, immerhin existiert das „Horns Erben“ noch, wo 2008 alles begann.

Und an die Anfänge im „Horns“ erinnert auch Julius Fischer zu Beginn am Freitagabend im Kupfersaal - wo sich seit dem vergangenen Jahr die erste feste Spielstätte von „LSK“ befindet, wie sich die Lesebühne kurz nennt. Die Halle ist zum kleinen Jubiläum restlos gefüllt, zur Feier des Tages unterstützt das Ensemble um Fischer, André Herrmann, Kurt Mondaugen, Michael Schweßinger, Hauke von Grimm und Franziska Wilhelm noch der Dresdner Literat Max Rademann von der dortigen Lesebühne „Sax Royal“ – von Fischer präsentiert als „einzigen Mann in Dresden, der nicht rechtsradikal ist“.

Freudetränen mit Fingerzeig

Und der Gast sorgt auch für den ersten Höhepunkt nach den einführenden Lesungen von Mondaugen (mit „Im Auge des Hurrikans“), Fischer (der aus der Fortsetzung seines Erfolgsromans „Ich hasse Menschen“ liest), Herrmanns „Jumanji“-Geschichte über ein Seminar bei der Arbeitsagentur sowie einer BWLer-mäßigen Powerpoint-Präsentation samt Management-Analyse aller LSK-Mitglieder von Wilhelm. Rademann dagegen liest nicht nur einfach vor, sondern setzt sich ans Piano und gibt seinen Song „Ich will echte Gefühle sehen“ zum Besten. Eine Pointe jagt darin die nächste, nur getoppt vom Refrain, in dem es heißt: „Ich bohre dir den Finger ins Auge, damit du vor Freude weinst.“

Nach so vielen Lachern ist es Zeit für eine kleine Pause, in der dem Abend angemessen eine Tötöö-Torte und 200 Herz-Lollis serviert werden. Danach begibt sich Hauke von Grimm ans Pult, um ein zweites Highlight darzubieten. Im Stile eines Predigers nimmt sich der 42-Jährige seine sündigen Schäfchen im Publikum vor und liest ihnen etwa aus „Hesekiel 25,17“, bekannt aus „Pulp Fiction“ vor. Auch aus dem 2. Buch Mose und dem Markus-Evangelium hat Grimm einige Weisheiten anzubieten, natürlich immer mit einem ironischen Augenzwinkern. Das Onanieren befürwortet Pfarrer Grimm ebenfalls ausdrücklich. „Liebe deinen Nächsten, heißt es ja in der Bibel“, verkündet er. „Und wer ist einem näher als man selbst?“ Schließlich sollen alle Besucher aufstehen, sich an die Hände fassen und ausrufen: „Ja, ich bin ein Sünder.“

Neue LSK-Hymne mit Piano

Für die Übeltäter gibt es zum Abschluss noch Texte von André Herrmann über Maik, Mirko und Sandy sowie von Michael Schweßinger über die Romantik seiner fränkischen Heimat. Franziska Wilhelm trägt sieben dreizeilige Gedichte vor (“Claus Kleber“: „Oh/ dein Kopf knickt ab im Rampenlicht/ Nein, das ist mein Gesicht“) und Max Rademann referiert in breitem Erzgebirgisch über eine Reise mit zwei Kumpeln nach Indien. Schließlich spielt Julius Fischer noch eine neue LSK-Hymne am Piano. So kann es auch die nächsten zehn Jahre weitergehen!

Von Christian Dittmar

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