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Kultur Regional Zeitboys und Fangirls: Haiyti im Täubchenthal
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00:35 15.03.2018
Die klassischen Rap-Arm- und Handbewegungen in Richtung Publikum sitzen: Die Hamburger Rapperin Haiyti war am Sonntagabend im Täubchenthal zu Gast. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Sie hatte es ihren Fans vor dem Konzert via Instagram angekündigt. „Heute Leipzig. Bitte leicht bekleiden“ war dort unter einem Beitrag der Hamburger Rapperin Haiyti zu lesen. Denn statt wie von vielen Besuchern erwartet, führt die Einlassschlange am Sonntagabend nicht in den großen Ballsaal, sondern nur in den Clubraum des Täubchenthals. „Das wird kuschlig“, murmelt ein junges Fangirl in Trainingsjacke.

Mit ordentlich Verspätung kommt die Rapperin 21.45 Uhr im legeren Outfit ganz in schwarz und weiß auf die Bühne. Entweder gilt die alte Regel, kein Konzert ohne Verspätung zu beginnen auch zum Sonntag, oder die technischen Probleme, für die sich ihr DJ, Asad John, vor dem Auftritt entschuldigt, haben tatsächlich Überhand genommen. Sei es drum: Wie so oft wird die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen.

Elf Stationen hält die Tour bereit. Nach Leipzig folgt nur noch Berlin und der Tour-Abschluss in ihrer Heimatstadt Hamburg. Haiyti spielt in Leipzig viel von ihrem offiziellen Debütalbum „Montenegro Zero“, aber auch Tracks der „White Girl mit Luger“-EP oder des „Nightliner“-Mixtapes.

Bevor die Synthie-Bässe knallen und das hyperaktive Hi-Hat zum mit Autotune-Effekt verfremdeten Sprechgesang startet, ruft ihr DJ ins Mikrofon: „Seid ihr bereit für die Trap-Queen?“ Der fast volle Clubraum ist es. Nach den ersten fünf Liedern, darunter „Kate Moss“, „Bahama Mama“ oder „100.000 Fans“ folgt zu „Mafioso“der erste Moshpit. Die Rapperin blickt ins Publikum und lächelt. Oft sind die Auftritte in kleineren Clubs die besseren. Dieser zählt dazu.

Auffällig ist allerdings das Halb-Playback, über das Haiyti ihre Zeilen in den Hooks singt. Wäre gar nicht nötig gewesen. Mit den Backing-Vocals von Asad John und der Unterstützung des Publikums kämen die Refrains auch ohne Stimmen vom Band aus.

Da ihr ursprünglicher Album-Feature-Gast Joey Bargeld nicht mit auf Tour ist, fragt die Rapperin kurzerhand, ob jemand aus dem Publikum seinen Part übernehmen und als ihr Boy auf Zeit für das Lied „Zeitboy“ einspringen könnte. „Gestern in Wien hat das nicht geklappt“, setzt sie die Erwartungen noch eine Latte höher und fragt mehrmals, ob sich der Aushilfs-Rapper sicher ist. Ist er. Und er bringt seinen Part erstaunlich gut rüber. Haiyti kann halt nicht in jeder Stadt einen anderen haben – doch in Leipzig klappt das.

Die Hamburgerin begnügt sich mit kargen Zwischenansagen. Das passt zu ihrem Image als Unbekannte. Denn viel ist über sie nicht bekannt, in den wenigen Interviews verrät sie zudem kaum etwas. Schon beim Alter wird es schwierig. Irgendwas um die 23 Jahre soll sie sein. Nur ihre Texte geben einen Einblick in das Leben der Ronja Zschoche alias Haiyti. Ihre ersten Werke handeln von Luxus-Wagen, Ghettos und Drogen. Auf dem aktuellen Album gesellen sich Jachten und Edel-Mafiosi hinzu. Ohne Frage: Sie spielt mit dem Gangster- und Szene-Prinzessinen-Image, zeigt sich aber wie in „Plus One“, „Crime Life“ und „Haubi“ auch von der verletzlichen Seite. Dass diese Themen beim Leipziger Publikum besonders gut ankommen, bemerkt auch die Künstlerin: „Ihr wollt doch die Depri-Songs. Ich hab’s gewusst.“

Nach vier Zugaben und etwas über einer Stunde ist Schluss. Damit der Abschied leichter fällt, verteilt sie zu „American Dream“ noch ein paar rote Rose ans Publikum. Die Leipziger Rap-Szene wird die Trap-Queen ganz sicher wiedersehen. Dass das Konzert nicht im Ballsaal, sondern im Clubzimmer des Täubchenthals stattfand, spricht zwar derzeit gegen den schnellen großen Durchbruch und das Motto ihrer Tour „Die Kleine macht jetzt Kasse“. Aber Haiyti müsste in Zukunft schon sehr oft auf den falschen Zeitboy setzen, um nicht bald auch große Hallen vollzubekommen.

Von Mathias Schönknecht

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