Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Zugang zur Arena von rechts
Nachrichten Kultur Kultur Regional Zugang zur Arena von rechts
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:36 16.04.2018
Die Band Frei.Wild spielt am Montag in der Arena Leipzig. (Archiv) Quelle: dpa
Anzeige
Leipzig

Sicher, eine riesige Halle wie die Arena bespielt man nicht mit ausgeklügeltem, stringentem Programm, sondern nur mit Acts, die tausende Besucher versprechen. Das kann zu solch bizarren Konstellationen wie jetzt führen – Freitag: Beatsteaks, Samstag: Schlagernacht, Sonntag: Handball-Bundesliga, Dienstag: David Hasselhoff, Mittwoch: Bob Dylan. Und mittendrin, am Montag, volkstümmelt sich Frei.Wild. Nur ist das Konzert weder auf der Homepage noch bei Facebook über die Arena zu finden. Dabei sind diese „liehben Onkelz“ aus Südtirol eine der erfolgreichsten Bands der letzten zehn Jahre. Wobei, war da nicht mal was?

Vor fünf Jahren bekam das bis dahin öffentlich kaum beachtete Quartett größere Aufmerksamkeit, als es nach Protest der Band Kraftklub vom Echo wieder ausgeladen wurde. Aber das ist lange her. Nach weiteren Nominierungen (u.a. mit dem großen Vorbild, den Böhsen Onkelz) gewann Frei.Wild 2016 den Echo – und ist jetzt auf großer Tour: Olympiahalle in München, Barclaycard-Arena in Hamburg, Velodrom in Berlin, dazwischen viel Osnabrück (und Riesa am 20.4.). Die Aufregung hält sich in Grenzen. Nur in Bremen fragte Kai Wargalla von den Grünen, ob das Konzert nicht Plattform für „nationalistisches, völkisches und rechtes Gedankengut“ sei. Sie wurde online beschimpft und im Senat zurückgepfiffen: Was nicht auf dem Index steht, ist erlaubt. Der Rollingstone sprach wortgewaltig von „Zensur“. In Leipzig regt sich derweil nichts, vielleicht, weil keine Plakate hängen – oder weil Frei.Wild doch eine ganz normale Band ist?

Sänger Philipp Burger bis 2001 Teil einer Rechtsrockband

Das Quartett aus Südtirol mit dem Hirschgeweih im Bandlogo röhrt seit 2001 brachial einfachen Rock und testosterongeschwängerte Hymnen auf die verlorene Liebe, die ewige Freundschaft und, ganz wichtig, die bedrohte Heimat. Das neue Album „Rivalen und Rebellen“ steht auf Platz 1, die elf Vorgänger brachten mehrere Goldene Schallplatten. Sänger Philipp Burger war bis 2001 Teil der Rechtsrockband Kaiserjäger und bis 2008 Mitglied der rechtspopulistischen Südtiroler Partei „Die Freiheitlichen“.

A propos: „Südtirol ist nicht Deutschland.“, sagt Burger. Stimmt natürlich. Aber wer „Sprache, Brauchtum, und Glaube sind Werte der Heimat / Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk“ singt, muss sich nicht wundern, wenn deutsche Neonazis, Identitäre und andere Rechte mitgrölen. Statt sich konsequent von diesen Leuten zu distanzieren, beschwert sich die Band lieber, dass die deutsche Öffentlichkeit mit „rechts“ oft nicht zwischen „konservativ“ und „rechtsextrem“ unterscheide, und suhlt sich mit ihren Anhängern im „Wir armen Ausgestoßenen“-Gefühl. Mit geschwollener Halsschlagader singt Burger: „scheiß Extremistenpack“, pro forma gegen links und rechts, bebildert aber doch nur mit linksextremer G20-Gewalt (in „Macht euch endlich alle platt“).

Im Sommer 2015 aber große Irritationen, Frei.Wild schreibt online: „Wer Menschen, die gerade mit knapper Not einem grausamen Krieg oder einer Verfolgung aus religiösen oder anderen Gründen entkommen sind, die ihrer Heimat (und ihr wisst wie viel Heimat uns bedeutet) entfliehen mussten oder auf der Flucht ihre Liebsten verloren haben, wer solche Menschen hier wieder bedroht und terrorisiert, der ist schlichtweg ein asoziales Arschloch ohne Verstand, und, viel schlimmer, ohne Herz und hassgesteuert.“ Wie passt denn das jetzt ins Bild?

Böhse Onkelz im Juni in Leipzig

Im Video zu „Wer weniger schläft, ist länger wach“ sehen wir Frauen als leichtbekleidete Objekte, nach denen ständig (natürlich männliche) Hände greifen. Auch im über 22 Millionen Mal geklickten „Weil du mich nur verarscht hast“ ist die Frau notorische Fremdgeherin, die zur Strafe alt und hässlich wird, während eine andere das Maximale als Frau erreicht, indem sie superheißes Model wird. Auch hier bedient die Band also stumpfe Testosteron-Bierlaune.

Neben Frei.Wild jetzt (Aftershowparty übrigens im Hellraiser) gastiert mit den Böhsen Onkelz im Juni eine zweite Band auf großer Bühne in Leipzig, die sich seit Jahren so nachlässig von Neonazis distanziert, dass sie weiterhin gern von Neonazis gehört wird – es gibt also wirklich keinen Grund, auf Kulturpalast-Bühnen zu treten und von ach so engen „Gesinnungskorridoren“ zu faseln.

Benjamin Heine

Rund 20 000 Kunstinteressierte besuchten am Wochenende den Frühjahrsrundgang der Galerien auf dem Spinnereigelände – dabei ist manches anders als gewohnt.

18.04.2018

Die Österreicher bescheren dem ausverkauften Haus Auensee reichlich Amore.

15.04.2018

Die Beatsteaks in der Arena: Das ist eine bodenständige Band, die live am besten funktioniert und als Zugabe einfach mal Deichkind aus dem Hut zaubert.

15.04.2018
Anzeige