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Kultur Weltweit 30.000 Fans feiern Billy Joel in Hamburg
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11:00 01.07.2018
Billy Joel in Hamburg. Quelle: dpa
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Hamburg

„Freude schöner Götterfunken“ spielt der Pianomann zu Beginn. Er beschränkt sich auf die Beethoven-Noten, Schillers Worte vom Jubel dessen, der ein „holdes Weib errungen“ hat, lässt er weg. Kein Wunder, geht das Intro doch in „My Life“ unter, den Popsong über einen, der von seinem holden Weib genug hat. Die 30.000 im Volksparkstadion sind, um bei Schillers Ode zu bleiben, vom ersten Moment des Konzerts an freudentrunken. Billy Joel ist zurück.

Vor mehr als 20 Jahren beschloss der New Yorker, einer der weltbesten Songwriter überraschend, es sei nun gut mit der Popmusik. Der Amerikaner mit deutschen Wurzeln hat seither keine Alben mehr herausgebracht (von einem eher missglückten Versuch in der E-Musik abgesehen). Von der Bühne aber hat er nicht lassen können. Einmal pro Monat spielt er im Madison Square Garden. Und ab und zu unternimmt er kleine Konzertausflüge in alle Welt. Dieser blaubehimmelte Sommerabend in Hamburg ist sein einziger Deutschlandtermin.

Schon 1994, auf seiner „River of Dreams“-Tour, hatte Joel verkündet, er sei „too old for Rock’n’Roll“. Und den damals noch überaus beeindruckenden Handstand-Überschlag vom Deckel seines Flügels lässt er am Sonnabend auch tunlichst bleiben. Deutlich breiter ist Joel seither im Kreuz geworden, der Schädel ist massig und kahl wie der von Brando in „Apocalypse Now“. „Ich bin 69. Ich bin ein alter Mann“, verkündet Joel.

Pop mit Weltgetriebe in den Zeilen

Und beweist spielend das Gegenteil. Nicht nur seine zahllosen Singlehits reicht er über die Rampe, sondern auch Albumgemmen, die der fantastischen Begleitband Freiraum geben. Carl Fisher lässt sein Flügelhorn bei „Zanzibar“ flirren, das Pianospiel erinnert jetzt an Kurt Weill. „Das spielen wir normalerweise beim Montreux Festival“, feixt Joel. Der zwei seiner Leute sogar ans Mikrofon bittet: Rhythmusgitarrist Mike DelGuidice lässt die Puccini-Arie „Nessun Dorma“ ins Stadion strahlen, Joels Gitarrenroadie Chainsaw bollert den Song raus, den Joel als „Spiritual“ ankündigt - AC/DCs krachendes Bluesmetal-Gewitter „Highway to Hell“-

Das Publikum steht auf das Besondere ebenso wie auf die Evergreens. Viele hier waren in den Siebziger- und Achtzigerjahren jung, als Joel in Hits wie „Allentown“ vom Niedergang einer Industriestadt sang und in „Leningrad vom Ende des Eisernen Vorhangs. Das ist Pop mit Weltgetriebe in den Zeilen. Und es sind Joels Balladen, die am besten ankommen: „New York State of Mind“, seine Jazz-versetzte Liebeserklärung an den Big Apple oder „She’s Always A Woman“, seine soulige Hommage an das Weibliche. „She can kill with a smile, she can wound with her eyes …“ – Zeile für Zeile begleitet das Publikum Joel hier. Dessen Stimme ist deutlich dunkler geworden, – er hat die Bluesröhre drauf, steigt aber mühelos in ein Himmelsfalsett à la Frankie Valli. Sein britisches Pendant Elton John bekommt das nicht mehr ganz so gut hin.

Vor den Zugaben kommt noch der „Piano Man“, Joel autobiografisch gefärbter Walzer über den Barpianisten, der die einsamen Barbesucher vorstellt. Joels Mundharmonika malt zwischen den Strophen, und wie in der Bar des Songs sind auch in Hamburgs Arena alle bereit für eine große Melodie. Und für das gemeiname „La La la, di da da ...“ braucht‘s nicht einmal Englischkenntnisse.

Hamburg liegt Billy Joel zu Füßen

Deutschland liegt ihm in Hamburg zu Füßen. Für Joel waren Konzerte hier anfangs schwierig, seine jüdische Familie väterlicherseits hatte in der Nazizeit ihr Versandhausimperium an die arischen Neckermanns quasi verschenken müssen. Inzwischen spielt er gerne hier, die Deutschen von damals und die von heute hält er auseinander. Und verbeugt sich nach Beethoven auch vor Bach, dessen „Air“ aus der 3. Suite für Orchester zu einer Coverversion von Procol Harums „A Whiter Shade of Pale“ wird.

Für den Rock’n’Roll ist Joel dann doch noch jung genug, aber er behält ihn den Zugaben vor. Bei „We didn’t start the Fire“ werden die Vignetten der Nachkriegsjahrzehnte im rasanten Stakkato ausgeworfen – von Harry Truman und Doris Day bis zu den Cola-Kriegen der Popmusik in den Achtzigerjahren. „You May Be Right“ ist der Rauswerfer. Dass er das Lied in Led Zeppelins „Rock and Roll“ überblendet, ist programmatisch. Es handelt von einem Rabauken, der sich nicht mehr ändern will. Soll er auch gar nicht. Aber ein, zwei Altersalben wären dann doch schon schön.

Von Matthias Halbig

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