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Kultur Weltweit Der Menschenkenner: Ausstellungen zum Rembrandt-Jahr
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10:00 16.02.2019
Zur Feier des Rembrandt-Jahres hat das Amsterdamer Rijksmuseum nun alles aus dem Depot geholt, was dort vom Künstler lagert: 22 Gemälde, 60 Zeichnungen und über 300 Drucke sind dort seit dem 15. Februar zu sehen. Quelle: ANP
Berlin

In 350 Jahren lässt sich viel vergessen. 1669 sterben der italienische Komponist Antonio Cesti und der deutsche Staatsmann und Satiriker Johann Michael Moscherosch. Der deutsche Theologe Johann Christopher Jauch wird 1669 geboren, ebenso wie die Nonne Maria Renata Singer von Mossau.

Sie alle sind heute mehr oder weniger unbekannt, die Dunkelheit des Vergessens hat sich unerbittlich über sie gelegt. Anders als bei dem Lichtkünstler Rembrandt van Rijn. Bei ihm bedeuten 350 Jahre nicht viel. Dass er uns trotz der langen Zeitspanne vertraut erscheint, dafür hat er schon zu seinen Lebzeiten gesorgt. Rembrandt ist uns nah – weil er seine Figuren beinahe lebendig werden lässt.

In einer seiner Zeichnungen beschreibt sein fliegender, kalligrafischer Strich eine Pfannkuchenmacherin und ihre Kunden mit einer Unschärfe, die Bewegung imitiert, so anregend, dass man danach Hunger auf Pfannkuchen bekommt. Mit dem Finger hat Rembrandt oft die wilden Striche verschmiert, um einen changierenden Schatten zu imitieren. Gleichmäßigkeit war nicht Rembrandts Stil, sondern Bewegung, Unschärfe, Lebendigkeit.

Meister der Situation

Zur Feier des Rembrandt-Jahres hat das Amsterdamer Rijksmuseum nun alles aus dem Depot geholt, was dort vom Künstler lagert: 22 Gemälde, 60 Zeichnungen und über 300 Drucke sind dort seit dem 15. Februar zu sehen.

Rembrandt hat in jedem Werk, an dem er gearbeitet hat, alles getan, um uns einzubeziehen“, schreibt der Kunsthistoriker Jonathan Bikker in einer neuen Biografie. Rembrandt spreche uns an, weil er Menschen so ungeschönt darstelle, wie sie wirklich waren.

Rembrandt ist als Meister des Lichts bekannt. Mit Licht modelliert er seine Szenen inhaltlich – setzt Spotlights auf Figuren, um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu fesseln. Aber eigentlich muss man ihn als Meister des Kontextes, der Situation, sehen.

Eines der berühmtesten seiner knapp 100 Selbstporträts zeigt Rembrandt als jungen Mann. Quelle: C. Hofstede de Groot/Rijksmuseum/dpa

Mit den Begriffen „hell“ und „dunkel“ lässt sich auch seine Lebensgeschichte erzählen. Als Sohn eines Müllers, keineswegs eines armen, 1606 in Leiden geboren soll der jugendliche Rembrandt eigentlich studieren und Gelehrter werden. Doch statt philosophischen Unterricht an der Universität Leiden zu nehmen, lernt er bei Jacob Isaacsz van Swanenburgh, bekannt für seine Höllendarstellungen, die Geschicke eines Malers.

1624 eröffnet der junge Künstler sein erstes Atelier in Leiden, es folgen neben Auftragsarbeiten die ersten Selbstporträts, denen noch etwa 100 Stück folgen sollen – mal als gezeichnete Mimikstudie, mal staatstragend in Ölfarbe beim Verkleidenspielen im Renaissance-Kostüm.

Die Ölfarbe nutzt Rembrandt in seinen Bildern als dreidimensionales Material fast skulptural. In einem der ersten Selbstporträts 1628, in dem das Licht von hinten auf seine strubbeligen Locken fällt, kratzt er mit dem Pinselende in die nasse Farbe, unter der eine helle Farbschicht liegt. So sieht es aus, als würden die Haare leuchten.

Die Auftragsbücher waren voll

1631 folgt der Umzug nach Amsterdam, hier sind seine Auftragsbücher voll – nicht zuletzt wegen der Förderung durch den Amsterdamer Diplomaten Constantijn Huygens. Zunächst unterzeichnet er seine Bilder noch mit seinem Kürzel RHL (Rembrandt Harmenszoon Leydensis), später mit Rembrandt van Rijn, und ab 1632 – und hier kokettiert er – nennt er sich nur noch Rembrandt. Wie es die italienischen Meister tun. Tizian. Oder Raphael.

Sein Leben wendet sich der Sonnenseite zu: Er verlobt sich mit Saskia van Uylenburgh, die er drei Tage nach der Verlobung euphorisch mit Hut skizziert. Die beiden heiraten 1634 und ziehen in die schicke Nieuwe Doelenstraat. Rembrandt verdient gut – doch steckt er sein Einkommen in eine kuriose Exotensammlung und hochwertige Kunstsammlung.

1642 dann die Krönung des Erfolgs: Er vollendet sein Monumentalwerk „Die Nachtwache“. In dem Bild ergänzt er mit geschickter Licht- und Schattensetzung das Gruppenbild um mystische Figuren und lässt die Wachtmeister in der Tradition der Musketiere auftreten. Das weltberühmte Gemälde wird im Rijksmuseum ab Juli 2019 öffentlich restauriert.

In „Saskia sitzt am Fenster“ hat Rembrandt im Jahr 1638 seine erste Frau verewigt. Quelle: C. Hofstede de Groot/Rijksmuseum/dpa

Doch kurz vor der Enthüllung der „Nachtwache“ zieht das Dunkel in Rembrandts Leben: Saskia stirbt. Nach ihrem Tod schaut er wohl nicht lange genug in einen Spiegel, um aus dem, was er sieht, ein Selbstporträt zu gestalten. Erst nach zehn Jahren wird er wieder eins zeichnen. Auch nimmt er kaum mehr Auftragsarbeiten an. Finanziell wird es schwierig – und er muss für seinen Sohn Titus sorgen. Rembrandt meldet Konkurs an, zieht in eine ärmere Gegend. Mit dabei: seine Geliebte Hendrickje Stoffels.

Sein Pinselstrich wird mit zunehmendem Alter gröber. Die Unschärfe, die er in seinen Skizzen beschreibt, übernimmt er im Umgang mit den Ölfarben. Den leuchtend roten Umhang des Kunstsammlers Jan Six – das Por­trät fertigt er 1654 an – beschreibt er mit breiten Farbstrichen. Das Gesicht hingegen formt er vollkommen aus. So entsteht ein Fokus, fast schon wie bei einem Foto.

Seine Technik hat den Effekt, den auch später die Bilder der Impressionisten haben: Geht man sehr nah heran, dann erkennt man nur den Farbauftrag, aber kein Objekt. Erst mit etwas Entfernung stellt sich das Bild scharf.

Rembrandts Figuren scheinen der Leinwand zu entfliehen

Rembrandt interessiert sich für den Menschen, und deswegen interessiert Rembrandt die Menschen heute noch. Vor Bildern seines Malerkollegen Rubens bleibt man im Vergleich bewundernd stehen, weil die Kompositionen so kühn sind, alles so erhaben aussieht. Aber ein Bild von Rembrandt ist dem Betrachter nah.

Dieser erkennt die Mimik im Gesicht wieder, die Art, wie jemand den Kopf neigt. Rembrandt versteht es, keine oberflächliche Wirklichkeit abzubilden, sondern Situationen. Bei Rubens sind die Figuren auf die Leinwand gebannt, bei Rembrandt versuchen sie zu entfliehen. Das Malergenie stirbt am 4. Oktober 1669 verarmt nach dem Tod von Titus und Hendrickje in Amsterdam und hinterlässt seine Tochter Cornelia.

Besucher schauen auf Rembrandts "Die Nachtwache" im Amsterdamer Rijksmuseum. Zum ersten Mal in seiner Geschichte zeigt das Amsterdamer Rijksmuseum alle Werke von Rembrandt aus der eigenen Sammlung. Quelle: Peter Dejong/AP/dpa

Im Rembrandt-Jahr 2019 sind die Werke des Barockmalers nicht nur in Amsterdam zu sehen: Das Dresdner Kupferstichkabinett zeigt ab dem 14. Juni „Rembrandts Strich“. Bei „Inside Rembrandtim Wallraf-Richartz-Museum in Köln ist dem bewegten Leben Rembrandts eine Schau ab dem 1. November gewidmet. Und ab dem 30. August werden in der Hamburger Kunsthalle die Rembrandt-Schätze aus der Sammlung präsentiert.

Das letzte vollendete Werk ist ein Selbstporträt 1669 – die Locken sind weiß und noch ebenso strubbelig. Der Blick ist klar, aber skeptisch. Es ist, als würde er den Betrachter noch immer ängstlich, vorsichtig um ein Urteil bitten.

Von Geraldine Oetken

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