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Kultur Weltweit Song-Diebstahl: Das sind die populärsten Plagiate
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19:01 04.07.2018
Die Jubellaune könnte Sängerin Netta vergehen, falls sie nachträglich vom ESC disqualifiziert werden sollte. Quelle: imago/ITAR-TASS
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Hannover

„Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen“ soll die Maxime von Pablo Picasso gewesen sein. In der Musikwelt jedenfalls scheint dieser Grundsatz selbst für einige der größten Welthits zu gelten. Aktuell stehen die Komponisten des ESC-Sieger-Titels „Toy“ unter dem Verdacht, sich bei „Seven Nation Army“ von den White Stripes bedient zu haben.

Musikwissenschaftler und Journalist Dr. Volkmar Kramarz plädiert dagegen für Nachsicht mit den israelischen Songschreibern. Denn die Ähnlichkeit zum White-Stripes-Titel beschränke sich nur auf das harmonische Muster, für das niemand die Urheberschaft beanspruchen könne. „Bestimmte Muster in der Harmonik sind so offen, dass darüber immer wieder neue Melodien möglich sind“, erklärt Kramarz. Das Blues-Riff der White Stripes sei auffällig und lasse eine gewisse Autorenschaft erkennen, stelle letztendlich aber auch nur ein Schema dar. „’Toy’ ist einen Halbton tiefer als der Vorgänger und das Charakteristische, der triolische Rhythmus ist weggelassen – alles in allem nicht die Gentleman-Art, aber auch nicht illegal“, meint der Experte.

Die Pflicht, zu gefallen

Wirkliche Originalität vermisst Kramarz auch bei den jüngsten österreichischen und deutschen ESC-Beiträgen sowie im Radio. „Die aktuelle Ballade der Toten Hosen basiert auf den gleichen vier Akkorden wie hunderte andere Lieder. Darüber beschwert sich auch niemand“, so Kramarz. Den monotonen Trend im Pop könne er den Künstlern aber nicht vorwerfen. „Es bleibt nicht viel Auswahl, wenn Sie die Masse nicht stören wollen. Erst die harmonischen Formeln öffnen das Gehör für neue Arrangements und individuelle Stimmen.“

Vom One-Hit-Wonder bis zur Rock-Legende haben es einige Größen der Musikgeschichte oft nicht allzu genau mit dem Urheberrecht genommen. Das blieb manchmal folgenlos, ging richtig ins Geld oder zog jahrelange Rechtsstreitigkeiten nach sich.

Keine Experimente

Wagemutig oder experimentell könnten professionelle Musiker dieser Tage kaum noch sein, weil sie es sich nicht mehr leisten können. Das Geschäftsmodell der Streaming-Dienste trimme Musiker immer mehr auf Massenklicks. Produzenten wie Max Martin oder „Dr. Luke“ dominierten das Geschäft mit extremer handwerklicher Qualität. „Wer akzeptiert werden will, muss nah im Windschatten dieses Erfolgs bleiben“, sagt Krammarz. Im Endeffekt sei der Publikumsgeschmack heute viel weniger polarisiert als früher.

Von RND/geb

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