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Kultur Weltweit „Early Man“: FC Primitivo gegen FC Bronzio
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00:17 29.04.2018
Wo geht’s denn hier zum Match? Steinzeitmensch Dug. Quelle: Studiocanal
Hannover

England gilt als Mutterland des Fußballs. Schließlich haben die Insulaner 1888 die erste Profiliga der Welt gegründet. Doch die Wurzeln des Sports reichen viel weiter zurück. Glaubt man den Knetkünstlern der selbst ziemlich traditionsreichen Aardman-Studios („Wallace & Gromit“, „Shaun das Schaf“), dann reichen sie sogar bis ins frühe Pleistozän zurück.

Da beendet „nahe des heutigen Manchester“ ein herabstürzender Meteorit ein Gerangel zwischen Höhlenmenschen. Mit dem noch glühenden runden Überrest des Himmelskörpers als Ball kommt es nach einigen Verbrennungen zum ersten Kick der Menschheitsgeschichte. Das Ereignis wird sogleich auf Fels verewigt.

„Ein paar Zeitalter später“ können sich die Nachfahren der Fußballpioniere allerdings keinen Reim mehr auf die Kritzeleien machen. Wozu auch? Ihr Hauptinteresse gilt der Kaninchenjagd. Doch mit der steinzeitlichen Idylle ist es vorbei, als ein Trupp hochgerüsteter Krieger unter Lord Nooth (deutsche Stimme: Kaya Yanar) auftaucht, die Bronzezeit ausruft und die Sippe vertreibt, um auf ihrem Land Erz zu schürfen.

Wahres Mammutprojekt

Aber einer will sich das nicht einfach gefallen lassen. Teenie Dug (Friedrich Mücke) schmuggelt sich in die Stadt der Usurpatoren. Als er hautnah mitkriegt, dass dort Fußball hoch im Kurs steht, weiß er plötzlich die Felsenmalereien zu deuten. Und so schlägt er Nooth ein Match vor. Sollte sein Stamm gegen die Stars des FC Bronzio gewinnen, kriegt er sein Land zurück. Siegesgewiss willigt der Lord ein – unter einer Bedingung: Verlieren Dug & Co., müssen sie bis an ihr Lebensende in den Erzminen schuften.

Einmal mehr haben die Aardman-Leute ein wahres Mammutprojekt gestemmt. Schließlich ist die Stop-Motion-Technik, bei der die Figuren für jedes einzelne Bild minimal verändert werden, extrem arbeitsintensiv. Allein die Dreharbeiten zogen sich über eineinhalb Jahre hin. Die Vorbereitungen dauerten noch länger. Ein so hübsch zusammengeknetetes Werk strahlt schon mal per se viel Charme aus.

Leider steht dem aufwendigen Produktionsprozess eine schlichte Story gegenüber. Vieles davon, etwa den Appell an den Teamgeist, kennt man aus konventionellen Sportfilmen. Und wie der Kampf David ( = die sympathischen Steinzeit-Rumpelfüßler) gegen Goliath (= „die besten Spieler, die man für Bronze kaufen kann“) ausgeht, weiß man bereits aus der Bibel. Das wäre aber alles kein Problem, hätten die Autoren im Verbund mit Regisseur Nick Park das erzählerische Drumherum einfallsreicher gestaltet. Zumindest haben sie mit der fußballverrückten Goona (Palina Rojinski), die sich aus Ärger darüber, dass sie als Bronzezeit-Mädel den „heiligen Rasen“ nicht betreten darf, dem FC Primitivo anschließt und die Gurkentruppe trainiert, auch einen starken weiblichen Charakter geschaffen.

Telekommunikationstaube

Was der Geschichte selbst an Originalität und Witz abgeht, findet sich glücklicherweise reichlich im Detail. Beispielsweise in Gestalt einer Telekommunikationstaube, die mit ausholenden Gesten auch alles übermittelt, was gar nicht für die Ohren des Adressaten bestimmt war. Oder in Form eines kleinen Figurentheaters, das eine anschauliche Wiederholung wichtiger Spielszenen ermöglicht.

Zumindest in die deutsche Version hat sich ein feiner ironischer Verweis auf die berühmte „Was erlauben Strunz“-Wutrede des ehemaligen Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni eingeschlichen. Eine andere naheliegende Pointe wird indes beinahe sträflich liegen gelassen: ein Verweis auf das umstrittene Wembley-Tor, das England 1966 im Finale gegen Deutschland zu seinem bislang einzigen WM-Titelgewinn verhalf.

Von Jörg Brandes / RND

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