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Kultur Weltweit „1000 Arten, Regen zu beschreiben“ – Seelische Enge
Nachrichten Kultur Kultur Weltweit „1000 Arten, Regen zu beschreiben“ – Seelische Enge
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19:46 28.03.2018
Verzweifelt und voller Wut: Der Vater (Bjarne Mädel) kommt nicht mehr an seinen Sohn heran. Die Familie zerbricht an dem Problem. Quelle: Filmkinotext
Hannover

In Japan nennt man das Phänomen „Hikkomori“, wenn Jugendliche sich total von der Gesellschaft abschotten und in ihr Zimmer einschließen, jegliche Kommunikation verweigern. Schon mehr als eine Million sollen sich dort auf diese Weise gegen Überforderung, Leistungsdruck oder der Angst vor dem Erwachsenenleben protestiert und sich dem stressigen Alltag entzogen haben.

Mike verlässt sein Zimmer nicht mehr

Diese auch in Westeuropa verbreitete Unsicherheit greift Isa Prahl in ihrem ersten Langfilm auf. Ihr Protagonist Mike, gerade 18 geworden, verlässt sein Zimmer nicht mehr, egal ob die Eltern (Bibiana Beglau, Bjarne Mädel) und die Schwester Miriam (Emma Bading) vor der Tür betteln und bitten oder lauthals schimpfen und drohen. Den Jungen sieht man nicht, er scheint das bereit gestellte Essen zu holen und schiebt nur Zettel mit Regenbeschreibungen unter der Tür durch.

Im Fokus steht die auseinanderbrechenden Familie und die verzweifelte Suche nach Antworten und der Schuldfrage. Die Mutter versucht den Sohn über Facebook zu erreichen und übernimmt die Rolle der Ersatzmama von Mikes Freund (Louis Hofmann), der die Zuneigung allerdings falsch interpretiert. Der Vater flüchtet sich in unkontrollierte Wut und seine Arbeit als Krankenpfleger. Und die Schwester erzählt in der Schule Lügen über eine Amerikareise des Bruders, um sich interessant zu machen und sein Verhalten zu vertuschen.

Ein Befreiungsschlag, aber kein Happy End

Jeder will raus aus der emotionalen Falle und bleibt darin hängen, leidet unter dem Ausgeschlossensein und funktioniert plötzlich nicht mehr. Einen Problemlösung oder ein Happy End gibt es nicht, auch wenn die drei eine überraschende Entscheidung treffen und einen Befreiungsschlag wagen.

Streckenweise irritiert das Drama durch Leerlauf, dann fasziniert die Intensität der Auseinandersetzung, das sinnlose Warten in klaustrophobischer Atmosphäre vor der Tür, die nicht nur räumliche, sondern auch seelische Enge. Man muss sich allerdings Geduld nehmen und auf die irritierende Familienkonstellation einlassen.

Von Margret Köhler / RND

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