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Kultur Weltweit „Marvin“: Befreiung durchs Theater
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14:02 04.07.2018
Schicksalhafte Begegnung: Marvin (Finnegan Oldfield) trifft in Paris Isabelle Huppert, die sich selbst spielt. Quelle: Foto: Salzgeber
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Hannover

Eine glückliche Kindheit sieht anders aus. Von einigen Mitschülern wird Marvin Bijou (Jules Porier) oft fies drangsaliert und als „Schwuchtel“ beschimpft. Und in seiner Proletarier-Familie findet der Junge mit den zarten, fast femininen Gesichtszügen kaum Halt: der Vater ist arbeitslos und trinkt, die Mutter ist resigniert, der Umgangston ruppig. An solchen Gegebenheiten kann man verzweifeln.

Ein Junge entkommt dem dumpfen Familienleben

Marvin tut das nicht. Als junger Mann (Finnegan Oldfield) verlässt er die Provinz Richtung Paris. Dort freundet er sich mit dem Autor Abel Pinto (Vincent Macaigne) an, der ihn ermuntert, seine Geschichte aufzuschreiben.

Über seinen reichen Lover Roland (Charles Berling) lernt er schließlich Isabelle Huppert (ja, die) kennen, die ihm hilft, ein autobiografisches Bühnenstück auf die Beine zu stellen. Da nennt sich Marvin Bijou bereits Martin Clément – nachnamentlich angelehnt an eine Lehrerin, die in ihm den Keim der Begeisterung fürs Theater säte.

Anne Fontaine („Coco Chanel“) erzählt diese Story einer queeren Selbstermächtigung, die sich an Édouard Louis’ autobiografischen Debütroman „Das Ende von Eddy“ anlehnt, nicht chronologisch.

Anne Fontaines Held kehrt am Ende noch einmal nach Hause zurück

Ihr Film präsentiert sich als Collage, in der Vergangenheit (Marvin als Schüler in prekären Verhältnissen) und Gegenwart (Marvin als Student im Pariser Intellektuellenmilieu) produktiv miteinander verschränkt werden. Das funktioniert nicht zuletzt auch deshalb so gut, weil sich die beiden Marvin-Darsteller in ihrem Äußeren verblüffend ähneln.

Zu den stärksten Momenten des Films zählen die, in denen Marvin Szenen aus seiner Kindheit nachspielt. Da merkt man richtig, welch befreiende Wirkung das auf ihn hat. Aber trotz der augenscheinlichen Diskrepanz zwischen den beiden unterschiedlichen Lebenswelten erhebt sich die Regisseurin nie über die Provinzproletarier. Das wird besonders deutlich, als der nach seinem Debüt gefeierte Marvin/Martin in sein einstiges Zuhause zurückkehrt, um ein paar Dinge zu klären.

Von Jörg Brandes / RND

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