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Kultur Weltweit Superhelden mal lustig: „Ant-Man & The Wasp“
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06:01 24.07.2018
Kleiner Mann ganz groß: Scott Lang alias Ant-Man (Paul Rudd) nutzt bei der Autohatz durch San Francisco einen Pritschenlaster als Skateboard. Quelle: Marvel/Disney
Hannover

Kindergeburtstag bei Superdaddys. Papa Scott (Paul Rudd) und Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson) krabbeln auf dem Dachboden quietschvergnügt durch einen Actionparcours aus zusammengeklebten Pappkartons. Sie spielen Ant-Man und The Wasp, und müssen gefährliche Laserstrahlen überwinden, die hier freilich nur gespannte rote Bindfäden sind.

Ehemaliger Miniatur-Superheld macht jetzt in Familie

Am Ende kracht Scott nach einer Rutschpartie über die Außentreppe mit der Fußfessel durch den Bretterzaun. Und schon ist das FBI im Haus. Denn Scott hat staatlicherseits Hausarrest. Noch drei Tage steht Scott alias Ant-Man, Miniatur-Superheld im Ruhestand, unter der Staatsfuchtel, die ihm der ziemlich zerstörerische Auftritt am Leipziger Flughafen einbrachte (siehe „Avengers: Civil War“). Die FBI-Agenten sichern ihre Pistolen wieder. Hier ist nur ein liebender geschiedener Vater, der ein wenig Familie tankt.

Alles wäre wieder wie früher, hätte Scott nicht Träume, in denen er Janet van Dyme (Michelle Pfeiffer) hört, die vor 30 Jahren bei einer Weltrettungsmission in der Dimension des subatomar Kleinen verschollene Frau von Hank Pym (Michael Douglas), des Mannes, der einst die Schrumpf- und Wachstumstechnologie erfand. Pym und dessen Tochter Hope (Evangeline Lilly) kidnappen ihren alten Weggefährten Scott, weil sie hoffen, mit seiner Hilfe Jane aus dem Quantenreich bergen zu können.

Die witzigste und rasanteste Verfolgugsjagd seit „Is’ was, Doc?“

In die Quere kommt ihnen dabei der Schurke Burch (Walton Goggins), der Pyms Quantentunnel, gern rauben würde, um ihn an den Meistbietenden zu verscherbeln. Und Pyms ehemaliger Kollege Bill Foster (Laurence Fishburne) würde seinen Schützling Ava alias Ghost (Hannah John-Kamen) auch gern in den Tunnel schicken, eine junge Frau, deren atomare Struktur durch einen Superheldenstory-typischen Laborunfall desaströs zerrüttet wurde.

Die zornige Ava, die durch Wände gehen kann, will wieder stofflich werden. Und so wechselt Pyms Labor, ein klobiges Hochhaus, das sich bei Bedarf auf Rollkoffergröße (mit Henkel!) lilliputisieren lässt, in diesem Film den Besitzer wie einst die Reisetaschen in „Is‘ was, Doc?“ von 1972.

Und die Verfolgungsjagd ist auch die rasanteste, die auf den Straßen von San Francisco zu sehen war, seit sich damals Barbra Streisand und Ryan O’Neal auf einem Botenfahrrad abstrampelten. Auch sonst zitiert Regisseur Peyton Reed ausgiebig. Ghosts Kostüm erinnert an die Kutten der Sandleute im ersten „Star Wars“-Streifen. Und wenn Pym zu seiner Frau durch eine kreischend bunte Psychdeliksphäre reist, um plötzlich in einer Art Wohnzimmer zu stehen, fühlt man sich an das Ende von Kubricks „2001“ erinnert.

Der Tod ist hier bis zum Abspann mit der Gummisense unterwegs

Sprachwitz und Slapstick versichern den Zuschauer dabei stets, dass nichts wirklich Tragisches bevorsteht, dass der Tod hier nur mit der Gummisense ausgerüstet ist. Außer vielleicht für zwei Flugameisen, die sich im Hafen von Frisco als Insekten-Pegasusse für Ant-Man bereithalten, aber, bevor der aufsitzen kann, von Möwen weggefressen werden. Reed und seinen Autoren (darunter Rudd) ist viel eingefallen, um „Ant Man 2“ zum vergnüglichsten Film aus dem Marvel Cinematic Universe zu machen.

Völlig bekloppt und absolut verzaubernd. Ein Superheldenfilm darüber, wie super Familie ist. Evangeline Lilly als The Wasp lässt romantische Fantasien hoch fliegen. Sie kämpft auch gut. Unzweifelhaft ist sie der Star dieses Films. Ähem, is was, Scott?

All das ist so wonnig, dass man sich fühlt wie damals, als man beim Studium der ersten Comics davon träumte, wie es wäre, sich selbst mal an reißfesten Fäden durchs Dorf zu schwingen oder sich auf superklein oder supergroß zappen zu können. Träume vom großen Plan und der eigenen Bedeutsamkeit waren das. Die man später doch anders angehen musste.

Wenn dann Scott, Hope und Cissie im Miniatur-Autokino „Formicula“ anschauen, den Ameisenschocker aus den Fünfzigerjahren, sollte man jedoch mit den Kindern das Kino verlassen. Denn wenn im Abspann die erste der Marvel-üblichen Ausblicke auf kommende Ereignisse auftaucht, und Reed seinen Film mit „Avengers: Infinity War“ verlinkt, ist ziemlich plötzlich Schluss mit lustig.

Von Matthias Halbig / RND

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