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Kultur Weltweit „Climax“ – Höllenritt des Körperlichen
Nachrichten Kultur Kultur Weltweit „Climax“ – Höllenritt des Körperlichen
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14:00 05.12.2018
Exzess: David (Romain Guillermic) und Selva (Sofia Boutella). Quelle: Foto: Alamode
Hannover

Am Anfang ist alles weiß. Wir sehen eine Schneefläche aus der Vogelperspektive. Eine Frau läuft ins Bild, blutüberströmt, schreiend. Sie schleppt sich, stürzt und macht das, was sonst Kinder tun oder Liebende: Sie fällt in den Schnee und formt mit rudernden Armen die Silhouette eines Engels, kriecht weiter, bis sie liegenbleibt und die Beine anzieht zum Sterben.

Gaspar Noé bricht formal und inhaltlich mit den Konventionen

Dann kommt – schon nach zwei Minuten – der Abspann. Ein Sinnspruch, eine Widmung, der Hinweis auf die „wahren Ereignisse vom Winter 1996“ und die endlosen Listen der Mitwirkenden. Natürlich ist das ein formaler Witz des argentinisch-französischen Kinoprovokateurs Gaspar Noe („Irreversibel“). Nicht der Letzte.

Es geht also mit dem Ende los. In einem uralten Fernseher sieht man danach lauter junge Leute, die in Kurzinterviews erklären warum Tanz ihr Ding ist. Der Fernseher wird flankiert von Büchern über Nietzsche und Fritz Lang, von VHS-Horror-Tapes von „Zombie“ und „Suspiria“ (gerade ist ein Remake angelaufen). Ein Hinweis Noés auf seine Inspirationen und wahren Absichten. „Climax“ wird kein normaler Tanzfilm, obwohl die Darsteller im wirklichen Leben Profitänzer sind und zunächst in einer ausufernden schnittfreien Szene ihr Können unter Beweis stellen. Die Musik hört nie auf in diesem Film, sie liegt hinter alles Gesprächen und geht immer wieder nach vorn.

Kein klassischer Horrorfilm – eher eine Erfahrung

Patrick Hernandez‘ Disco-Kracher „Born to be Alive“ freilich verspricht zu viel. Jemand hat Drogen in den Sangria gemischt. Heftige Drogen. Die Musik wird finsterer. Die Gespräche über Liebe und Sex grimmiger. Gewalt, in Noes Filmen die ursprünglichste menschliche Ausdrucksform, bricht sich Bahn. Und es geht in diesem Gefängnis der Bewegung in Richtung Stillstand - geht ans Weinen, Kollabieren, Schreien, Sterben.

Ein kollektiver, exzessiver Horrortrip in einem Horrorfilm, einem Höllenritt der Körperlichkeit, der den Zuschauer benommen macht. Kein Film im klassischen Sinn, keiner mit Handlung, eher eine psychedelische Ko-Erfahrung, die der Zuschauer drogenfrei machen darf. Die Kamera taumelt bald, tanzt, steht Kopf als sei sie stoned. Die Frau vom Anfang liegt jetzt tot im Schnee. Der Kreis schließt sich. Zu „Angie“ von den Rolling Stones kommt dann die Polizei.

Von Matthias Halbig / RND

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