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Kultur Weltweit „Liebe bringt alles ins Rollen“ – Einer dreht am Rad
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06:01 05.07.2018
Bald muss er gehen: Jocelyn (Franck Dubosc) gaukelt Florence (Alexandra Lamy) eine Behinderung vor. Quelle: Jerome Prebois
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Hannover

Die Wandlung vom Saulus zum reuigen Paulus, vom coolen Womanizer zum sensiblen Liebhaber – solche herzergreifenden Legenden rühren im Kino. Trotz aller Vorhersehbarkeit. So ist auch in der romantischen Komödie „Liebe bringt alles ins Rollen“ die Zielrichtung bald klar: Nach vielen Hindernissen winkt das Happy End.

Jocelyn (Franck Dubosc), erfolgreicher Geschäftsmann und charmanter Verführer, wechselt seine Frauen wie andere ihre Krawatten, sie zählen nur als schmückende Trophäen für sein Ego. Als er es sich im Haus seiner verstorbenen Mutter in deren Rollstuhl bequem macht, steht plötzlich die Nachbarin vor ihm, eine hübsche Krankenschwester, die glaubt, er sei körperlich beeinträchtigt. Was den Ehrgeiz des rasanten Porschefahrers weckt, sie als „Rolli“ auf die Mitleidstour herumzukriegen.

Ein gefälliges Märchen – weit entfernt von der Wirklichkeit

Bei der Einladung in die Familie stellt sie ihm ihre Schwester Florence (Alexandra Lamy) vor, die nach einem Unfall wirklich an den Rollstuhl gefesselt ist. Die Liebe bricht aus, es wird kompliziert. Immer mehr verstrickt er sich in Lügen und laviert sich feige durch ein Doppelleben – privat und im Beruf mit beiden Beinen auf dem Boden, für das Objekt der Begierde weiter halb gelähmt im Rollstuhl. Bis die Wahrheit ans Licht kommt und der Casanova vor einem emotionalem Scherbenhaufen steht.

Den aktuellen französischen Drang zur Populärkomödie nutzt Franck Dubosc redlich aus. Der durch Standup-Shows auf der Bühne und im Fernsehen bekannte Schauspieler und Comedian inszeniert in seinem boulevardesken Regiedebüt fürs Kino ein gefälliges und schönes Märchen, weit weg von der Wirklichkeit.

Regisseur und Hauptdarsteller Dubosc schrammt am Kitsch vorbei

Dabei schrammt er bei dem Fokus auf Behinderung manchmal haarscharf an Peinlichkeit und Kitsch vorbei, verschweigt aber auch nicht alltägliche Probleme von Behinderten und persifliert tüchtig den Männlichkeitswahn. Alexandra Lamy rettet die manchmal witzige, trotz Gags eher riskante Geschichte als selbstbewusste und kluge Strahlefrau, die Stärke beweist und dem Schicksal die Stirn zeigt.

Von Margret Köhler / RND

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