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Kultur Weltweit „The Hate U Give“ – Amandla Stenberg wechselt zwischen den Welten
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06:25 26.02.2019
Überleben in einer Welt, in der Schwarze verdächtig sind: Starr Carter (Amandla Stenberg) in einer Verkehrskontrolle, die eskaliert. Quelle: Foto: Fox
Hannover

Gerade einmal neun Jahre alt ist Starr, als sie von ihrem Vater aufgeklärt wird. Dabei geht es nicht um Bienen, Schmetterlinge oder die menschliche Fortpflanzung, sondern darum, wie man sich in einer Polizeikontrolle verhält: Beide Hände gut sichtbar auf das Armaturenbrett! Folge genau den Anweisungen des Polizisten! Keine Widerrede! Für einen Menschen schwarzer Hautfarbe in den USA sind dies essenzielle Überlebenshilferegeln. Eine falsche, verdächtige Bewegung bei einer Verkehrskontrolle kann schnell dazu führen, dass von der Dienstwaffe Gebrauch gemacht wird – allzu oft mit tödlichem Ausgang.

Die Heldin wechselt professionell zwischen den Welten hin und her

In „The Hate U Give“ lotet George Tillman das Thema Polizeigewalt in Form eines herzergreifenden Jugenddramas aus. Der Film folgt der sechzehnjährigen Starr (Amandla Stenberg), die von ihrer Mutter jeden Tag aus dem schwarzen Ghetto heraus zu einer Privatschule am anderen Ende der Stadt kutschiert wird, weil die Bildungseinrichtungen in der eigenen Nachbarschaft eine lebensgefährliche Angelegenheit sind.

Starr wechselt mit professioneller Wandlungsfähigkeit zwischen weißer und schwarzer Welt hin und her. Während die weißen Mitschüler sich in coolem Hip-Hop-Slang üben, achtet Starr als einzige Schwarze in der Klasse genau darauf, dass sie sich ohne Ghetto-Attitüde artikuliert. Ihre Schulfreundinnen geben sich im Gegenzug aufgeschlossen und begegnen ihr ohne sichtbare Vorurteile. Zuhause in der Familie und auf der Straße schaltet Starr dann wieder um, denn in der wenig privilegierten Nachbarschaft herrschen ganz andere soziale Codes.

Nach einer Verkehrskontrolle ändert sich Starrs Leben

Das geschmeidige Wechselspiel zwischen den verschiedenen Welten gerät für das Mädchen aus der Balance, als sie nach einer Party mit ihrem Freund aus Kindertagen in eine Verkehrskontrolle gerät. Anders als Starr ist Khalil (Algee Smith) nicht mit dem Prozedere vertraut. Als er nach einer Haarbürste greift, wird er von dem Polizeibeamten erschossen, der glaubt eine Waffe erkannt zu haben. Als einzige Zeugin der Ereignisse soll Starr nun vor Gericht aussagen und gerät dadurch zwischen die Fronten.

Eine schwarze Bürgerrechtsorganisation will sie zur Zentralfigur ihrer Kampagne machen. Khalils kriminelles Umfeld setzt die Zeugin unter Druck. Ihre Freundinnen in der Schule scheinen sich zunehmend von ihr zu distanzieren.

Das stark pochende Herz des Films ist die junge Amandla Stenberg

Dem Roman von Angie Thomas folgend entwirft Tillman ein packendes Coming-of-Age-Drama, das seine junge Heldin in einen forcierten Selbstfindungsprozess hinein treibt und die rassistischen Grenzziehungen präzise aufzeigt. Das stark pochende Herz des Films ist Amandla Stenberg, die die widerstrebenden Gefühle ihrer Figur nuanciert und kraftvoll auf die Leinwand bringt. „The Hate U Give“ überzeugt durch seinen wachen Blick auf gesellschaftliche Spaltung, in deren Tiefen die junge Heldin hineingezogen wird – und setzt die Hoffnung in eine Jugend, die sich mit dem Status Quo nicht mehr abfinden will.

Von Martin Schwickert / RND

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