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Kultur Weltweit Golden Globes: Es darf wieder gefeiert werden
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06:56 07.01.2019
Glenn Close gewann den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin in einem Drama. Quelle: NBCUniversal via Getty Images
Los Angeles

Erinnert sich noch jemand an die Golden Globes des Vorjahres? Da erschien Hollywoods Elite vornehmlich in dezentem Schwarz, und praktisch jeder hatte sich einen „Time’s up“-Sticker angeheftet. Oprah Winfrey hielt eine fulminante Rede, in der sie den Männern empfahl, einfach mal den Mund zu halten.

Mit solchen demonstrativen Bekenntnissen war es im Jahr zwei nach den sexuellen Enthüllungen um Harvey Weinstein vorbei. Lady Gagas lavendelfarbene Prachtrobe hätte auch einer Königin gut angestanden (sie zitierte damit ein Kleid, das Judy Garland 1954 in einer früheren Verfilmung von „A Star is born“ getragen hatte). An diesem Abend fiel es schon ins Auge, wenn Emma Stone und Laura Dern Schleifen mit der Aufschrift „Time’s Up x 2“ präsentierten. Gala-Gastgeberin Sandra Oh sprach eingangs vage von einem „Moment der Veränderung“.

Zum 76. Mal wurden Sonntagnacht die Golden Globes in Los Angeles verliehen. Hier gibt es die Highlights der dreistündigen Verleihung.

Die Botschaft bei der 76. Globe-Verleihung im Beverly Hills Hotel war klar: Welcome zur großen Party! Es darf wieder gefeiert werden nach all den selbstzerfleischenden Auseinandersetzungen rund um Belästigung, Benachteiligung und Missbrauch von Frauen in den eigenen Reihen.

Die beiden überraschenden Hauptpreise für „Bohemian Rhapsody“ fügen sich da ins Bild. Das Musical über Queen-Frontmann Freddie Mercury wurde als bestes Drama gekürt, Rami Malek als bester Hauptdarsteller. Für Lady Gaga blieb am Ende allerdings nur die Trophäe für den besten Originalsong „Shallow“.

Golden Globes: Frauen zumindest klagten ihre Rechte ein

Mit „Green Book“, prämiert als beste Filmkomödie, schob sich das auch in Hollywood immer noch virulente Thema Rassismus nach vorn, erzählt am Beispiel der gemeinsamen Reise eines italienischen Immigranten und eines schwarzen Pianisten in den Sechzigern in den Süden der USA. Christian Bale, ausgezeichnet für seine Rolle als US-Vizepräsident Dick Cheney in der Politkomödie „Vice“, hatte einen besonderen Dank parat: Er erwies dem Teufel persönlich die Ehre „für die Inspiration, wie ich diese Rolle zu spielen hatte“.

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Einige Frauen zumindest klagten ihre Rechte ein: Die 71-jährige Glenn Close, ausgezeichnet für ihren Auftritt im Drama „Die Frau des Nobelpreisträgers“ (gerade in den deutschen Kinos gestartet), rief unter Tränen aus: „Frauen müssen ihren Träumen folgen. Wir müssen sagen: Ich kann das. Ich muss das jetzt tun.“ Im Original heißt ihr Film „The Wife“ (Die Frau) – und das sei vielleicht der Grund, warum es 14 Jahre gedauert habe, ihn zu drehen, merkte sie spitz an. Die Britin Olivia Colman siegte mit ihrem Auftritt als englische Königin Anne in der Historienfarce „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (Kinostart: 24. Januar) – und das ist ein Film, in dem allein die Frauen das Sagen haben.

Sind die von gerade einmal knapp 100 Auslands-Filmjournalisten in Hollywood verliehenen Globes wirklich ein Testlauf für den Oscar, die am 24. Februar verliehen werden? Dann dürfte Netflix ein ganzes Stück vorangekommen sein bei dem schon länger währenden Versuch, die Oscar-Festung zu schleifen: Der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón gewann mit der sendereigenen Produktion „Roma“ als bester Regisseur. Mit dem Weltraumdrama „Gravity“ hatte er vor fünf Jahren schon einmal bei den Globes gesiegt – aber das war ein lupenreiner Kinofilm.

Deutsche gingen bei den Golden Globes leer aus

Cuarón heimste mit seinem von eigenen Kindheitserinnerungen inspirierten Familiendrama auch den Auslands-Globe ein, was zugleich bedeutete: Florian Henckel von Donnersmarck ging mit seiner deutschen Geschichtsstunde „Werk ohne Autor“ leer aus (so wie auch 2007 mit „Das Leben der Anderen“, da gab es aber wenig später den Oscar). Und auch Daniel Brühl, der zweite deutsche Globe-Kandidat mit der Fernsehserie „The Alienist“, hatte gegen den Konkurrenten Darren Criss („The Assassination of Gianni Versace“) das Nachsehen.

Von RND/Stefan Stosch