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Kultur Weltweit „Goodbye Christopher Robin“: Vater, Sohn und Bär
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07:02 07.06.2018
Plüschige Freunde: Christopher (Will Tilston) in seinem kleinen Zoo. Quelle: Foto: Fox
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Hannover

Pu, der Bär ist ein Geselle von schlichtem Gemüt und heiterem Naturell, der mit seinen Freunden Ferkel und Esel I-Aah im idyllischen Hundertmorgenwald kleine Abenteuer erlebt. Seit seiner literarischen Geburt vor mehr als 90 Jahren hat der von A. A. (Alan Alexander) Milne erdachte und von Ernest Howard Shepard illustrierte Petz – im Original „Winnie-the-Pooh“ genannt – unzählige Kinderherzen höherschlagen lassen.

Das gilt zuerst für Christopher Robin Milne, den Sohn des Autors. Dessen Plüschtiere standen Pate für Pu und seine Gefährten. Doch ausgerechnet für den Erstadressaten der Bärengeschichten war deren Erfolg kein ungetrübte Freude, wie der Film von Simon Curtis („Die Frau in Gold“) zeigt.

Erstmals als Vater gefordert

Schon vor der Veröffentlichung des ersten Pu-Bandes war A. A. Milne (Domhnall Gleeson) ein namhafter Schreiber. So trat er unter anderem als Autor heiterer Bühnenstücke in Erscheinung. Doch aus dem Ersten Weltkrieg kehrt er mit einem posttraumatischen Belastungssyndrom heim. Ihm fällt es schwer, wieder Fuß zu fassen. Um Ruhe zu finden und ein Anti-Kriegsbuch zu schreiben, zieht er mit Frau Daphne (Margot Robbie) und Sohn von London aufs Land nach Sussex.

Während die Eltern meist anderweitig beschäftigt sind, kümmert sich Kindermädchen Olive (Kelly Macdonald) fürsorglich um den kleinen Christopher (Will Tilston). Als die Nanny aus familiären Gründen verreisen muss und die mit der ländlichen Gesamtsituation unzufriedene Daphne mal wieder in London weilt, ist der Autor als Vater gefordert. Das klappt besser als erwartet. Pu der Bär wird geboren – und stößt nicht nur bei Christopher auf Begeisterung. Doch der Ruhm hat seinen Preis.

Die anrührende Annäherung zwischen Vater und Sohn ist das Herzstück des Films. Zudem gelingt es Regisseur Simon Curtis mit kleinen inszenatorischen Kabinettstückchen, die Magie der bezaubernden Kinderbücher heraufzubeschwören. Das wunderbare Setting mit dem Landhaus, seinem verwunschenen Garten und dem angrenzenden Wald tut ein Übriges. Will Tilston schaut als sechsjähriger Christopher so natürlich unschuldig in die Welt, wie ein Kind nur gucken kann.

Mahnende Worte einer Nanny

Der Charakter des von Domnhall Gleeson verkörperten Erfolgsautor scheint indes nicht ganz rund. Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass sein Kriegstrauma instrumentalisiert wird. Zudem wirkt er arg naiv bis unbeteiligt, wenn der Medienhype über seinen Sohn hereinbricht. Da bedarf es schon der mahnenden Abschiedsworte der von Daphne gefeuerten Nanny, um Milne ins Grübeln zu bringen.

Im letzten Akt sehen wir, wie der nun ältere Christopher (Alex Lawther) erst wegen seiner frühen Berühmtheit im Internat gemobbt wird und dann in Opposition zu seinem Vater in den Zweiten Weltkrieg zieht. Von nun an wird man Pu den Bären mit etwas anderen Augen betrachten. Mal sehen, ob sich das Bild hält, wenn im August Marc Forsters Christopher-Robin-Film in die Kinos kommt – produziert vom Hause Disney, bei dem auch die Rechte an Pu & Co. liegen.

Von Jörg Brandes / RND

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