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07:30 16.12.2018
Schnelles Internet ist ja gut und schön, aber an jeder Milchkanne muss man doch nun wirklich keinen Empfang haben, meinen manche Politiker. Quelle: iStockphoto
Hannover

Das mit dem Voranbringen hat immer häufiger auch damit zu tun, dass Menschen miteinander kommunizieren. Gern auch über mehr als zehn Meter und noch moderner als per Wählscheibentelefon. Das findet Anja Karliczek auch. Grundsätzlich.

Wer aber auf dem Land wohnt und dazu noch eine Milchkanne besitzt, die er jeden Morgen für den Pferdewagen der Molkerei an die Straße stellt, hat bei Anja Karliczek relativ schlechte Karten. Denn der Mobilfunkstandard 5G soll ihrer Ansicht nach, wenn überhaupt, erst einmal handverlesen verteilt werden. An jeder Milchkanne sei das nicht nötig.

4G wär doch auch schon was

Wer etwa aus Ostfriesland kommt, wo das Internet bekanntlich noch mit Holz befeuert und an Sonn- und Feiertagen nur im Notdienst betrieben wird, sollte bis zum Jahr 2022 erst mal nicht mit dem Gedanken spielen, Youtube-Videos im Stück sehen zu können. Zwischen Norden und Emden gilt nach wie vor: Einzelbilder ausdrucken und als Daumenkino angucken.

Der Standard 4G geht für Karliczek vor. Wenn 4G in Deutschland flächendeckend verteilt werde, dann sei das doch schon was, sagt die Ministerin. Für 4G bekommt man im Ausland auch billig Ersatzteile, weil es dort nicht mehr gebraucht wird.

Vielleicht ist es ganz gut, dass jemand anderes Verkehrsminister ist und war, sonst wären Autos in Milchkannengegenden nicht mit Airbags ausgestattet, sondern mit Aldi-Tüten.

Brettspiele und „Wetten, dass ...?“

Natürlich muss man Verständnis haben. Schließlich sind wir ja in Deutschland und nicht in hoch entwickelten Ländern wie Island, wo man selbst im vulkanischen Hochland seinen Kaffee auf der Laderampe des Lkw-Kiosks mit Kreditkarte zahlen kann und natürlich einen lückenlosem Empfang hat.

Aber wer braucht einen derartigen Luxus schon, gerade in ländlichen Gegenden, wo man eine Nachricht nicht über dieses anonyme Internet übermitteln muss? Oder ganz verrückte Dinge wie ein Foto. Da setzt man sich doch viel lieber aufs Fahrrad mit den Milchkannenhaken und bringt es persönlich vorbei.

Freuen wir uns auf dem Land also erst mal auf 4G. Irgendwann. Bis dahin: Brettspiele und samstags „Wetten, dass ...?“.

Von Uwe Janssen

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