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Kultur Weltweit Kai und Thorsten Wingenfelder über ihre Tour
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10:38 07.06.2018
Am Maschsee: Kai (links) und Thorsten Wingenfelder. Quelle: Wilde
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Hannover

2017 stand für die Wingenfelder-Brüder Kai (58) und Thorsten (52) ganz im Zeichen des 30-jährigen Bandjubiläums von Fury in the Slaughterhouse. 2018 ist ihre eigene Band dran: Am Freitag (8. Juni) erscheint das neue Wingenfelder-Album „Sieben Himmel hoch“. Im Herbst – nach einem weiteren Fury-Monat – folgt die Tournee. Wir trafen die beiden, die längst nicht mehr in Hannover leben, in ihrer alten Heimat, am Maschsee.

21 neue Songs – Sie mussten wohl eine Menge rauslassen, oder?

Thorsten: Das machst du ja nur, wenn du 21 Songs hast. Die Plattenfirma hätte lieber elf Songs gehabt und für die Limited-Version vielleicht noch drei mehr. Aber wir haben uns unglaublich schwergetan zu reduzieren.

Kai: Wobei wir anfangs durch das Fury-Jahr Sorgen hatten, dass wir das Album überhaupt schaffen. Anfangs dachten wir ja, wir machen nur ein oder zwei Fury-Shows, und dann ist das derartig explodiert. Das hat dann so viel Spaß gemacht, dass wir dachten, man könnte ja auch mehr machen. Und wenn man mehr macht, dann macht das auch mehr Arbeit ...

... und dann kam ja noch dieses kleine Fury-Akustik-Projekt.

Thorsten: Das war ja ein Liebhaberprojekt.

Aber ein aufwendiges Liebhaberprojekt.

Kai: Ja klar, musste gemacht werden. Und Promo musste gemacht werden. Irgendwann haben wir beide dann gedacht: Mist, was wird denn nun aus dem Wingenfelder-Album? und haben uns dann kleine Auszeiten genommen. Mal in Dänemark, mal in Schweden, immer da, wo wir eine günstige Unterkunft gefunden haben, und haben dort geschrieben. Das war äußerst ergiebig. Ende des Jahres hatten wir im Grunde 24 Nummern, von denen wir 21 fertig komponiert haben. Im Grunde haben wir ein Doppelalbum gemacht, nennen es aber nicht so ( lacht ).

Thorsten: Ganz unbescheiden: Eine Platte mit solcher Qualität des Songwritings machst du vielleicht zwei-, dreimal im Leben.

Hat das Fury-Jahr neue Kreativität freigesetzt?

Thorsten: Mit Sicherheit … Aber unser Team ist auch einfach gut, und Kai und ich waren gut. Wir hatten Fabian Schulz und Jan Loechel als Songwriting-Partner dabei.

Ann Kathrin Kramer war auch dabei ...

Thorsten: Das ist eine Freundin von uns, und es hat sich einfach ergeben. Wir sind da mit Jan und seinem portablen Studio zu ihr hingefahren und haben es einfach mal probiert. Wenn es nichts geworden wäre, hätten wir es gelassen. Es ist schön, wenn man das mit so einer Leichtigkeit machen kann. Wir sind alle in einem coolen Alter, haben alle ein Ego, haben es aber auch alle gut im Griff und haben dann halt wirklich abgeliefert.

Kai: Da half vielleicht wirklich das Fury-Jahr, bei dem wir ganz gelassen auf einer Erfolgswelle surften. Das hat sich möglicherweise auch auf uns übertragen.

Man hört diese Entspanntheit dem Album an.

Kai: Wir sind auch sehr stolz, dass wir das so hinbekommen haben. Das Songwriting auf diesem Album war extrem davon bestimmt, wann wir wo waren. Da sind die Themen einfach so angeflogen: mal ein Liebeslied, mal eine Partynummer, dann wieder etwas, worüber man nachdenken kann. Man kann das Album durchhören, und auf Position 17 kommt noch ein Song, mit dem man nicht gerechnet hat. Dieses Album stellt dar, wer wir sind.

Ein Album als Tagebuch?

Thorsten: Zumindest als definitive „Hier und jetzt“-Standortbestimmung mit ganz viel „Lass einfach mal machen“ und Risiko …

Kai: Dann sind nämlich auch solche Sachen drin wie: Lass’ uns mal nach Paris fahren, da treffen wir Rami Jaffee von den Foo Fighters, und der spielt mal schnell sechs Tracks ein. Man weiß nicht, was man kriegt, aber man macht halt einfach mal.

Wie schreiben Sie?

Kai: Viel zusammen, viel alleine, und dann haben wir auch Dreier-Teams, mit Fabi Schulz und Jan Loechel.

Thorsten: Vieles lief wirklich einfach von selbst … Aber natürlich hatte jeder von uns während der Produktion auch mal Phasen, in denen er gezweifelt hat, aber das hat sich immer schnell erledigt.

Als Brüder haben Sie wahrscheinlich auch ihre Methoden, dem anderen zu helfen.

Kai: Man muss sich halt immer wieder zusammenraufen und einen Kompromiss finden, der beide glücklich macht und ausfüllt. Dabei half: Viele Dinge, die uns sonst zu schaffen gemacht haben, fielen weg, weil wir inzwischen eben dieses Umfeld haben, in dem wir arbeiten. Da haben wir eine Maschine, die wenig redet, viel tut.

Da haben Sie aber auch einen Prozess durchgemacht. Als wir nach der Fury-Auflösung, zum ersten Wingenfelder-Album miteinander sprachen, waren Sie noch ganz stolz darauf, alles alleine zu stemmen.

Kai: Das Selbermachen war für uns wichtig. Wir mussten erst einmal raus aus der ganzen Fury-Kiste, mussten sehen, was wir überhaupt wollen. Und da war es gut, alleine zu sein, denn man ist für alles – ob für die Fehler oder für das, was läuft – selber verantwortlich. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Aber es war eben auch sehr viel Arbeit.

Thorsten: Wir machen immer noch sehr viel selber, von den Videos über die Grafiken bis zu den Social Media-Sachen, aber heute halt viel entspannter. Wir haben das Gefühl von permanenter Vorwärtsbewegung, und das ist in dem heutigen Musikgeschäft selten.

Wie ist es, nach dem Fury-Jahr zu Wingenfelder zurückzukehren?

Thorsten: Wunderbar. Zum einen haben sich in diesem Jahr alle Unstimmigkeiten aufgelöst. Fury ist heute irgendwie rund für mich. Alles, was da noch kommt, ist eine Zugabe. Noch näher am Herzen ist aber Wingenfelder.

Kai: Es steckt einfach drin, was draufsteht. Das sind mehr wir als Fury. Fury ist eine chemische Substanz. Da schüttet man Wasser drauf, es macht „Bumm!“, und das ist magisch. Bei Wingenfelder haben wir die Möglichkeit, das, was uns bewegt, umzusetzen.

Viele Songs sind darauf, „Vom Suchen und Finden“ zum Beispiel, die man auch erst in einem bestimmten Alter schreibt.

Thorsten: Wir schreiben Songs aus unserer eigenen Westentasche für Leute im selben Alterssegment plus/minus. Da sind Geschichten dabei, die wird ein 21-Jähriger nicht so empfinden.

Kai: Aber es ist auch lässig, dass man einfach mal ’ne Partynummer machen kann. Das Leben, dieses Land und diese Welt sind so vielschichtig, dass man, glaube ich, beides abdecken muss. Man kann ja nicht nur ein Betroffenheitsalbum machen.

Es ist im Gegenteil eher ein Album, das von Hoffnung getragen ist.

Kai: Ja, genau.

Thorsten: Wir waren neulich mit jemandem bei uns aus der Nähe im Studio, der sagte: „Du, wenn wir ehrlich sind, befinden wir uns mit unserem Alter jetzt am Anfang des letzten Drittels.“ Das muss man so hinnehmen. Und dann kriegst du einen anderen Blick. Und das zu benennen, ist auch ein bisschen unser Auftrag. Es gibt nicht viele andere Künstler, die solche Beobachtungen mit Popmusik verbinden, dass man das leicht verständlich mitnehmen kann. Natürlich ist das manchmal etwas blutig im Abgang (lacht).

Kai: Es gibt ja Ausnahmen, KIZ, Casper, Kraftklub und so. Wo ich auch nur sagen kann: Jau, Fahnen hoch. Im Popsegment haben wir da nicht so viel.

Thorsten: Da haben wir auch keine Kultur. Nehmen wir Reinhard Mey: Wäre der Amerikaner, der wäre eine Ikone. Auf den würde man sich beziehen.

Kai: Da haben wir unsere Nische gefunden. Und mit diesem Album wissen wir, wo wir hinwollen. Nämlich genau dahin.

Wir wird das live ausschauen?

Thorsten: Wir werden wie immer unsere zwei Stunden fünfzehn spielen, eine feine Mischung aus altem und neuem. Und wenn wir es dann schaffen, die Zeit anzuhalten und die Leute mit wunderschönen Songs und Gedanken zum Lachen, Tanzen und Weinen zu bringen, ist schonmal alles richtig.

Kai: Wir werden einige Nummern so umarrangieren müssen, das wir sie live spielen können. „ Bis nach Berlin“ wird man so nicht spielen können.

Und der Monat Fury zwischendurch ist wie Urlaub ?

Kai: Ach, ein paar Nachzügler und Shows die ich immer schon mal spielen wollte. Auf die Loreley freue ich mich sehr, und „ A Summer’s Tale “ ist mein Lieblingsfestival. Und nach diesem Monat ist dann auch erst mal Pause mit Fury. Dann kommt die Wingenfelder-Tour, dann kommen Festivals, dann noch eine Wingenfelder-Akustik-Tour.

Thorsten: Und dann sind auch schon zehn Jahre Wingenfelder rum. Unfassbar, oder? Am 28. 4. 2020 ist es soweit.

Kai: Wir haben alles durchgetaktet bis 2022.

Und dann muss auch wieder Fury gefeiert werden.

Kai: Genau. Und zwar genau da (lacht und zeigt auf die HDI-Arena).

Thorsten: Das wäre doch mal eine Geschichte: Die kleine Kellerband aus den Glocksee-Katakomben ins Stadion.

Wingenfelder live: am 5. Oktober im Capitol in Hannover. Karten (37,30 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops. Weitere Tourtermine: 21.09. Kiel, Pumpe; 22.09. Rostock, MAU-Club; 25.09. Schwerin, Speicher; 04.10. Hamburg, Grünspan; 30.10. Berlin, Franz; 02.11. Leipzig, Werk 2 Halle D; 04.11. Göttingen, Musa

Von Stefan Gohlisch

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