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Kultur Weltweit Kovacs – Pomp und Doppelpomp
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17:47 11.09.2018
Viel erlebt, daran gewachsen: Sharon Kovacs, Niederländerin mit Abgrundtimbre, die es auf „Cheap Smells“ mit glamourösem Soul versucht. Quelle: Warner
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Eindhoven

„Du hast mir keine Diamanten gekauft, du gabst mir soviel mehr“. Das muss eine Idealistin sein, die sowas singt, ein gierbefreiter Gegenentwurf zu Marilyn Monroe, die Diamanten ja in den Fünfzigerjahren als beste Freundin aller Mädchen besang.

Dazu klingen die Streicher aber völlig monroesk - wie akustischer Sternschnuppenregen. Mondäner Hollywood-Soul glitzert und klunkert hier, als wär dieser Sound für Shirley Bassey und einen großen Agentenfilm gemacht. „Priceless“ heißt der Song, und man meint in dieser Nummer die Leidenschaft und Phrasierung der jungen Amy Winehouse herauszuhören.

Soullady Sharon: Der Winehouse-Vergleich drängt sich wiederholt auf

Die Sängerin heißt Sharon Kovacs, das ist die junge Frau mit der Fellmütze, die man für ulkig und irgendwie verdüstert hielt. Die dunkle Balladen für umwölkte Abende machte.

Und die es jetzt ohne Mütze und auch songweise heller versucht. Der Winehouse-Vergleich ist nicht gerecht, gewiss, und doch drängt er sich beim Hören von „Cheap Smells“, Kovacs‘ zweitem Album nach „Shades of Black“, immer wieder auf – auch beim folgenden „Adickted“ mit seinem doppeldeutigen Titel.

Kovacs, die ihren Vornamen weglässt, und mit der eigenwillig androgynen Fastglatze ein Hingucker ist, singt aber nicht etwa über Sexsucht und das Hauptattribut der Männlichkeit sondern über die Kokainabhängigkeit, an die sie ihren Liebsten verloren hat. Großes Drama. Die Musik aber – diesmal Reggae – ist sonnig.

Kovacs erzählt in „Mama & Papa“ ihre schwierige Familiengeschichte

Das Pathos, das auf diesem Album aufzieht, muss man aushalten können, die 28-Jährige bewältigt in ihren Songs eigene Lebenskrisen mit Pomp und Doppelpomp. Die Mutter zog Sharon allein groß, mit elf Jahren wurde sie in ein Heim verfrachtet. Jetzt kommt die Quittung. In „Mama & Papa“ stellt sie vor allem ihrem Vater, der die Familie verließ, und neulich, als die Tochter in den Scheinwerfern des Popgetriebes Eindruck machte, wieder Anschluss suchte, ein schlechtes Zeugnis aus.

Als Evangelist habe er ihr sogleich den Teufel austreiben wollen, den Radikalchristen ja schon immer in den Köpfen und Herzen von Popmusikern vermuteten. Kovacs‘ Stimme klingt auch dabei so elegant wie ein schwarzer Abendhandschuh. Wobei im Abschwung der einzelnen Strophen ein Hintertreppenvibrato zu hören ist – Kovacs ist immer auch „dirty“ und verrucht: „Er war nicht gut für dich, Mama.“

In manchen Songs ist auch noch die düstere Kovacs zu finden

Auch das mit dem Kokain ist nicht etwa erfunden, sondern autobiografisch. Eine Handvoll Songs sind allein dem abgeliebten Freund gewidmet. Therapieren hat sich Kovavs lassen, es geht ihr gut. Und dennoch ist die Neigung zu schrägen Sounds nicht verloren gegangen.

Die alte Sharon, die ihr erstes Werk unter Regie des Metal-Produzenten Oscar Holleman aufnahm, ist nicht ganz verschwunden – sie steckt im burlesken „Freakshow“, in den quietschigen Synthesizern von „Black Spider“ und im taumelnden, fiebrigen „Oblivion“, das klingt wie ein Musik gewordenes Geisterhaus.

Und dann besingt sie einfach mal ganz unschuldig das Wochenende, lacht zwischendrin und singt „rap-ba-bap-ba“ und „lalala“, während im Hintergrund die ganze Musiktapete karibisch auf und nieder schwappt.

Kovacs: „Cheap Smells“ (Warner), bereits erschienen; live am 15. Oktober in München (Muffatthalle), am 16. 10. in Berlin (Huxley’s Neue Welt, a, 17. Oktober in Hamburg (Grünspan), am 18. Oktober in Köln (Gloria-Theater).

Von Matthias Halbig

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