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Kultur Weltweit „Ready Player One“: Eskapismus ist auch nicht alles
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06:02 05.04.2018
Waisenjunge Wade Watts alias Parzival (Tye Sheridan): In der virtuellen Welt wird er zum Helden – und womöglich auch in der Wirklichkeit. Quelle: Warner Bros.
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Hannover

Gerade erst hat Steven Spielberg mit „Die Verlegerin“ ein viel beachtetes Journalistendrama in die Kinos gebracht, da ist er schon mit dem nächsten, ganz anders gearteten Film zurück: In die Welt des Science-Fiction führt „Ready Player One“, wo sich Spielberg zuletzt in „A. I. Artificial Intelligence“ (2001), „Minority Report“ (2002) oder auch „War of the Worlds“ (2005) aufgehalten hat. Als Vorlage diente der gleichnamige Roman von Ernest Cline, der unter Gamern Kultstatus genießt und in die dystopische Welt des Jahres 2045 entführt.

Die Menschheit der Zukunft hat sich mit Umweltverschmutzung, Überbevölkerung und grassierender Armut längst abgefunden. In Columbus, Ohio, stapeln sich die Wohnwagen der Getto-Bewohner auf riesigen Stahlgerüsten in den Himmel. In dieser Welt gibt es weder Hoffnung noch Lebensziele, und so streifen die Menschen die VR-Brille über, um sich in die virtuelle Realität zu flüchten. Oasis nennt sich das gigantische Digital-Universum, in das sich jeder einloggen kann, um zu sein und zu tun, was ihm im wirklichen Leben verwehrt bleibt. Es ist ein gesamtgesellschaftlicher Sieg des Eskapismus, der sich mit geballter medialer Verführungskraft entfaltet.

Auch die großen Konzerne sind hinter dem Spiel her

Für den jugendlichen Waisenjungen Wade Watts (Tye Sheridan) hat das Leben in der echten Welt nichts zu bieten, aber in Oasis hat er sich eine neue Identität aufgebaut. Hier heißt er Parzival und trifft seinen besten Kumpel Aech, der über beträchtliche körperliche Kräfte und eine riesige Hightechwerkstatt verfügt, sowie die coole Motorradfahrerin Ar3emis. Jeden Tag nehmen die drei an einem rasanten Rennen teil, bei dem niemand an Dinosauriern und anderen mörderischen Hindernissen vorbei zum Ziel zu gelangen scheint.

Als Belohnung warten die Schlüssel, die der kürzlich verstorbene Erschaffer der virtuellen Welt, James Halliday (Mark Rylance), in seinem Reich versteckt hat. Diese führen zu einem „Easteregg“, das dem Gewinner die kompletten Rechte an Oasis überträgt und ihn damit zum Multimilliardär macht. Neben den Einzelkämpfern sind aber auch Konzerne hinter der Macht über das Spieluniversum her und werfen eine ganze Armee von Gamern ins Rennen.

Zu Besuch in Kubricks Gruselhotel „Shining“

Um Hallidays Rätsel zu lösen, muss man nicht nur mit der Biografie des Schöpfers vertraut sein, sondern auch über profunde Kenntnisse der Popkultur verfügen. Spielberg öffnet die Tür zu einem wilden Dschungel an cineastischen und musikalischen Referenzen. Höhepunkt ist ein Ausflug in die Welt von Stanley Kubricks „Shining“, wo die Spieler sich im Gruselhotel neuen und alten Herausforderungen stellen müssen. Randvoll hat Spielberg sein fantastisches Universum mit popkulturellen Verweisen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren gefüllt und schreckt auch vor Selbstzitaten nicht zurück. Der Nostalgietrip wird in eine digitale Wunderwelt mit State-of-Art-Effekten verlegt und zielt so klar auf ein breites Publikum. Schließlich rebellieren die Gamer gegen die feindliche Übernahme ihrer Spielwelt durch habgierige Firmen und lernen allmählich den Wert der Realität wieder zu schätzen.

Auch wenn Steven Spielberg in seinem Film im Vergleich zur Buchvorlage den gesellschaftskritischen Kontext etwas herunterfährt und „Real Player One“ keinesfalls die intellektuelle Komplexität vergleichbarer Werke von Christopher Nolan erreicht, entwickelt die Angelegenheit als kreatives Dauerfeuerwerk dennoch eine ungeheuer unterhaltsame Wirkung.

Von Martin Schwickert / RND

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