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Kultur Weltweit So geht es mit dem Movimentos-Festival weiter
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10:02 03.04.2018
Das Kraftwerk des Volkswagen-Werks war lange Kulisse des Movimentos-Festivals in Wolfsburg Quelle: dpa
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Sie haben Movimentos in der Autostadt Wolfsburg zu einem der wichtigsten Festivals in Deutschland aufgebaut. Wie wichtig, glauben Sie, sind Movimentos heute für die Autostadt und darüber hinaus?

Ich „glaube“ nicht nur, dass die Movimentos für die Autostadt wichtig sind, ich bin mir dessen auch ziemlich „sicher“, dass sie es sind. Bekanntlich existiert dieses Festival ja seit 2003 und der Autostadt ist sehr wohl bewusst, dass die Movimentos nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland hoch beachtet und hoch anerkannt sind. Allen Gesprächen, die ich geführt habe, konnte ich zudem entnehmen, dass das Festival der Autostadt sehr am Herzen liegt.

Durch die Abgas-Affäre kam VW ins Trudeln, der Festival-Etat sank um 20 Prozent. Ließ und lässt sich das ohne Substanzverlust auffangen?

Den Einschnitt haben wir ja schon vor zwei Jahren vornehmen müssen, und Sie haben ja gesehen, dass er ohne Qualitätsverlust möglich war. Ich habe übrigens an allen Orten, an denen ich gearbeitet habe, ob Hannover, Weimar, Schloss Neuhardenberg oder sonstwo immer wieder einmal mit Haushaltssperren und Etat-Kürzungen zu tun gehabt. Wenn die eintreten, beginnt die Kunst, die Sparnotwendigkeiten – wenn irgend möglich – so zu vollziehen, dass das Publikum es fast nicht bemerkt. Ich denke, dass diese „subkutane Kostenreduzierung“ trotz eines kleinen „Zurückfahrens“ auf der Programmschiene ziemlich gut gelungen ist.

Es sind Dinge geschehen, die bedauert wurden

Der neue Autostadt-Chef Roland Clement kündigt ein „schlüssiges Zukunftskonzept“ an, was bedeutet das für Sie?

Wie heißt es so schön: „Alles fließt.“ Ja, die Welt verändert sich und das Festival damit sicher auch. Ich denke aber, dass die Ausrichtung der Movimentos und ihres Konzepts, also das Umkreisen aller menschlichen Bewegungsformen und insofern der „movimentale Geist“ im Blick auf die Welt erhalten bleibt. Die Autostadt hat mit diesem Festival auch etwas kulturpolitisch Hochbeachtliches geleistet: denn sie „subventioniert“ nicht irgendetwas Kulturelles, nein, sie „konstituiert und realisiert“ Kultur durch ein Festival, das alle Formen der menschlichen Mobilität umfasst.

In diesem Jahr steht als Leitbegriff „Würde“ über dem Festival. Können die Movimentos angesichts jüngster VW-Vorfälle in Sachen Abgas-Versuche mit Affen dem Begriff gerecht werden?

Würde ist kein Konjunktiv. Würde ist eine Haltung und ebenso eine Tugend, die dem Menschen mit seiner Geburt geschenkt ist. So gesehen ist Würde der „Achtung gebietende Wert“ dem Menschen und der Schöpfung gegenüber. Ja, vor einiger Zeit sind Dinge geschehen, die von den Verantwortlichen bei Volkswagen deutlich bedauert wurden und die auch nicht richtig waren. Gerade wegen dieser Vorfälle der jüngeren Zeit ist es umso wichtiger, sich dessen, was Würde bedeutet, neuerlich zu versichern. So gesehen ist Würde auch ein Scharnier unserer Moral. Wir machen alle Fehler, und es ist unsere Aufgabe, daraus zu lernen und dann die Dinge besser zu machen.

Das Kraftwerk ist ein besonderer Ort

Angeblich will Volkswagen das ehemalige Heizkraftwerk, Ihre attraktivste Spielstätte, wieder in Betrieb nehmen.

Dazu kann ich Ihnen nichts sagen. Das ist nicht meine Entscheidungsebene, das ist Sache des Veranstalters, das heißt der Autostadt und von Volkswagen. Ich hoffe, dass das Festival weitergeht – darüber haben wir ja gesprochen. Das Kraftwerk ist natürlich ein besonderer Ort. Wir haben auch in Weimar, wo ich lange tätig war, immer wieder historische Räume als Spielorte entdeckt, und es gibt Produktionen, die durch diese suggestiven Räume einen besonderen Gewinn und eine ganz besondere Aura entfaltet haben. Aber wie gesagt, ich kann zu alledem nichts Entscheidendes sagen.

Gibt es eine Veranstaltung, auf die Sie sich in diesem Jahr besonders freuen?

Als erstes auf das Ballett BC aus Vancouver. Diese Company tritt seit ihrem Bestehen zum ersten Mal in Deutschland auf und zeigt zum ersten Wochenende drei hinreißende Choreografien. Wenn ich noch eine Veranstaltung bzw. Company etwas hervorheben darf, dann ist das die am 10. und 11. April auftretende Company Wayne McGregor. Dieser Choreograf ist ein geradezu genialer Wanderer zwischen dem „analogen Sein“ des Menschen und seinem „digitalen Werden“. Wenn Sie so wollen, ist Wayne McGregor ein „deus digitalis“ oder ein „deus algorithmus“ der immer wieder aufs Neue fragt, ob wir am Ende nicht alle vorhersehbare oder sogar berechenbare Wesen sein werden, denen das, was wir Zufall oder auch Gnade nennen, abhanden zu kommen droht. McGregor war wiederholt auf den Movimentos, 2009 bekam er hier den internationalen Movimentos Tanzpreis, und ich bin einfach glücklich, dass er wiederkommt.

Von Hans-Martin Koch

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