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Kultur Weltweit Edles Kunsthandwerk und originelle Ideen im Grassi-Museum
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16:43 25.10.2018
GRASSIMESSE LEIPZIG 2018.Die Verkaufsmesse für angewandte Kunst und Design im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig geht vom 26.10-28.10.2018. Messer von David Kaiser. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Die Messe geht schon vor dem Eingang los. Der auf eine Sperrholzhütte aufgebrachte, etwas verunsichernde Hinweis, dass Änderungen bezüglich des Designs vorbehalten sind, weist auf die Präsentationen des Gastlandes Südkorea hin. Die altehrwürdige Grassimesse ist eigentlich für hochwertige Produkte bekannt, gemacht für die Ewigkeit. Natürlich sind auch diese wieder zu finden. Doch neben der Traditionspflege ist der Anspruch der ständigen Veränderung nicht zu übersehen, nicht allein bei den asiatischen Gästen.

So steht mitten in der dekorativen Pfeilerhalle ein Geschirrspüler. Solch ein Gerät erwartet man nun wirklich nicht im Grassi. Es gehört zur Sonderschau, die Preisträger und Nominierte des Bundespreises Ecodesign vorstellt. Dieser Preis wird seit 2012 durch das Umweltministerium und das Umweltbundesamt vergeben. Dass die Ausstellung nun erstmals Bestandteil der Grassimesse ist, kann als Zeichen verstanden werden. Nachhaltigkeit ist ein Leitfaden der ganzen Veranstaltung, sogar das Einweggeschirr der Cafeteria besteht aus nachwachsenden Rohstoffen.

Glas und Filz, Metall und Keramik, Textiles und Kristallines, Sperrholz und Silber – wie die Fantasie bei der Verarbeitung kennen auch die Materialien keine Grenze bei der Grassi-Messe 2018.

Die Haushaltsmaschine von Miele gehört ebenso zu den diesjährigen Preisträgern wie Mode, die Natascha von Hirschhausen entwirft, oder ein Internetportal namens kaputt.de, das nach Reparaturmöglichkeiten für diverse Geräte sucht.

Neben der üblichen Vorstellung studentischer Arbeiten, diesmal aus Hildesheim und Idar-Oberstein, ist anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung der Tschechischen Republik eine weitere Sonderschau zu sehen. Die Mährische Galerie Brno hat dafür Arbeiten des Keramikers Milan Pekas und einiger Kollegen ausgewählt.

Bei den eigentlichen Messeständen sind unter den rund 100 Ausgewählten alte Bekannte dabei wie Ulla und Martin Kaufmann mit ihrem edlen Goldschmuck, die zu den Urgesteinen der in den 1990er Jahren wiederbelebten Grassimesse gehören. Auch Preisträger vergangener Jahre lassen sich finden. Doch es passiert ziemlich viel Neues.

Dass die Messe sogar Start Ups beflügeln kann, demonstriert Jil Köhn aus Hannover. Im Vorjahr war sie noch bei einer Hochschulpräsentation dabei. Nun zeigt sie eine eigene Kollektion kristallin erscheinender Schmuckobjekte. Zu den Neulingen gehört auch die Leipziger Werkstatt Kumi Mood, betrieben von Cäcilia Holtgreve und Benno Sattler. Sie produzieren fantasievolles Holzspielzeug. Ebenfalls ortsansässig ist Claudia Opitz, die unter dem Label Kioto Schuhe von schlichter Eleganz entwirft. Produziert werden sie aus zertifiziertem Leder in einem portugiesischen Familienbetrieb.

Immer wieder Überraschungen

Nicht ganz neu, doch immer wieder Überraschungen bietend, ist der Kontrast von solidem Kunsthandwerk und originellen bis skurrilen Ideen. Manchmal vereint sich dies sogar bei einer Marke. Schmitthut zum Beispiel, wie Susanne Schmitt ihre Darmstädter Marke nennt. Filzhüte gehören nicht gerade zu den Innovationen auf dem Markt. Doch sie benutzt Gegenstände wie Sektkorken oder Legosteine für die Formgebung und erreicht damit ungewöhnliche Resultate. Ergänzend darf dann auch mal ein Wackeldackel auf der Krempe spazieren.

Witzig sind ebenfalls die Szenerien, darunter das Letzte Abendmahl, die Heike Roesner aus Papiermaché bastelt. Der Gebrauchwert spielt hier keine Rolle. Das trifft auch auf manche Objekte von Margit Jäschke zu, die Fliegenklatschen oder Metalldetektoren sein könnten, in Wirklichkeit aber die Freude an Form und Material ausdrücken.

Manche Materialien müssen, zumindest in der manuell verarbeiteten Form, fast schon behütet werden. Das Glashandwerk sei in Deutschland auf dem Rückzug, betont Sabine Epple, die Organisatorin der Messe. Somit ist die Präsentation von Cornelius Reér aus Nürnberg so etwas wie Artenschutz. Dennoch kosten seine schönen Gefäße kaum mehr als industrielle Massenware.

Schwerpunkt Korea

Der Schwerpunkt Korea ist am kompaktesten an einer imaginären Wohnung eines Designers zu erleben, nachgebaut im ersten Stock. Sie ist natürlich dicht an dicht mit Exponaten von Büchern über Plakate bis zu T-Shirts bepackt. Ansonsten sind die Vorstellungen einzelner Designer und einer Galerie in die Hauptausstellung integriert. Die Ausschreibung habe einen Motivationsschub ausgelöst, sagt Sabine Epple. 12 Bewerbungen gab es, viel mehr als sonst. Doch auch über die sechs auserwählten hinaus ist Korea präsent mit Gestaltern, die hier leben oder auch asiatischen Inspirationen bei deutschen Kunsthandwerkern. Der interkulturelle Austausch ist seit jeher eine Stärke der Grassimesse. Design ist in der Veränderung begriffen, das muss aber keinen beunruhigen.

Grassimesse 2018: Grassi Museum für Angewandte Kunst, Johannisplatz 5-11; 26.-28. Oktober, Fr und Sa 10-19 Uhr, So 10-18 Uhr

Von Jens Kassner

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