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Kultur Weltweit „Klangraum Mitteldeutschland“ macht in Leipzig Station
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13:07 06.11.2018
Ausstellung " Klangraum Mitteldeutschland " im Bachmuseum in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Wie war das von 1600 bis etwa 1750 mit den Gattungen Sakral-, weltlicher und Instrumentalmusik? Die WanderausstellungKlangraum Mitteldeutschland“ gibt mit einem variablen Aufstellersystem und einer Online-Präsentation Basisantworten von beeindruckender Faktenfülle. Die von Christina Siegfried (Mitteldeutsche Barockmusik e. V.) und von Manuel Bärwald (Bach-Archiv Leipzig) seit 2012 zusammengetragenen Informationen bilden eine profunde Einführung in die überreiche und ausstrahlungsstarke Musiklandschaft von Dresden bis Eisenach und von Magdeburg bis zum Vogtland.

Erprobt wurde das Ausstellungsprojekt mit Lehrern und Schülern des Kreuzgymnasiums Dresdens in einer ausgedehnten Experimentierphase. Seither war die Schau unter anderem in Gera, Erfurt und Stuttgart zu sehen. Die beiden Kuratoren gestalten auch an zukünftigen Ausstellungsorten gerne Einführungsveranstaltungen und Workshops für verschiedene Alters- und Zielgruppen. Jetzt gastiert „Klangraum Mitteldeutschland“, für das Bach-Museum mit Exponaten aus den eigenen Beständen ergänzt von Henrike Rucker bis zum 6. Januar im Bosehaus.

Kostbare Leihaben und eigene Stücke geben Einblicke in den „Klangraum Mitteldeutschland“

Höfe, Residenzen, Städte

Die Ausstellung weist über die Darstellung der musikalischen Prägung des Thomaskantors und seiner Söhne in einer Musikerfamilie auf den ganzen Kulturraum Mitteldeutschland. Dieser Großraum, der nicht ganz bis in den Norden des heutigen Sachsen-Anhalt reicht, wird in seinen wirtschaftlichen, sozialen und künstlerischen Ausprägungen für das Musikleben in den einführenden Texten dargestellt: Gegliedert nach Höfen und Residenzen, Städten beziehungsweise Gemeinden, Schulen und Universitäten als Orten einer intensiven Musikausbildung und Musizierpraxis.

Das Bach-Museum steuert einige wertvolle Bestände bei: Zum Beispiel Johann Gottfried Walthers „Musicaslisches Lexicon“ aus dem Jahr 1732, das allererste Musiklexikon in deutscher Sprache, ein Hochzeits-Quodlibet direkt aus der Feder von Johann Sebastian Bach und eine Ausgabe von Erdmann Neumeisters „Fünffachen Kirchenandachten“ (1716). Neumeisters Texte wurden von Bach und seinen Zeitgenossen gerne als Kantaten vertont. In der Ausstellung wird auch die Leipziger Bürgertochter Christiana Mariana von Ziegler (1695–1760) vorgestellt. Sie war eine der wenigen Frauen, die Einfluss auf die Kirchenmusik ihrer Zeit hatten und von Bach in neun Kantaten vertont wurde.

Ansätze zum Starkult

Es werden Voraussetzungen der mitteldeutschen Barockmusik mit Abbildungen des ersten Dresdner Hoftheaters, einem der ersten Opernhäuser im deutschen Sprachraum, nahegebracht, ebenso wie Ansätze zum Starkult mit exorbitanten Gagen, aber auch in Gegenüberstellung die Vorteile eines höfischen oder städtischen Anstellungsverhältnisses vermittelt.

„Es geht“, so Christina Siegfried, „um mehr als Bach, Händel, Telemann. Durch die Reformation und die Kleinstaaterei wurden in der Region, die eigentlich erst seit 1989 als Mitteldeutschland eine neue Identität gewinnt, eine Musizier- und Kompositionspraxis begünstigt, die internationale Einflüsse ebenso neugierig aufsog wie sie ihre eigenen künstlerischen Errungenschaften nach Europa verbreitete.“ Kerstin Wiese, Leiterin des Bach-Museums ergänzt: „Unter den Ausstellungsstücken sind einige wertvolle Bachiana aus der Sammlung unseres Hauses.“ Ein Hinweis auf eigene Initiativen des Netzwerk-Vereins Mitteldeutsche Barockmusik, der über 60 institutionelle und private Mitglieder hat und mit vielen Erinnerungsorten und Sammlungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kooperiert, zeigt, dass es noch viele Schätze zu heben gibt.

Bis 6. Januar, geöffnet di bis so und an Feiertagen 10–18 Uhr, Eintritt: 8/6Euro bis 16 Jahre frei; www.mibamu.org

Von Roland H. Dippel

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