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Kultur Weltweit Nach 17 Jahren: Rüdiger Pusch gibt Leitung im Leipziger Krystallpalast ab
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15:27 07.10.2018
Rüdiger Pusch und Peter Matzke vor dem Krystallpalast Varieté in Leipzig. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Vor zwei Jahren hatte Rüdiger Pusch, heute 59, schon einmal seinen Rückzug vom Leipziger Krystallpalast-Varieté angekündigt, das er seit mittlerweile 17 Jahren leitet. Daraus wurde nichts, weil es mit der designierten Nachfolge nicht recht klappte.

Nun scheint es anders zu sein: Peter Matzke beerbt Rüdiger Pusch, wurde bereits offiziell ins Amt eingeführt und führt die Geschäfte einstweilen mit seinem Vorgänger gemeinsam. Peter Korfmacher sprach mit den beiden.

LVZ: Sie waren beide Programmchefs der Moritzbastei ...

Peter Matzke: Ja, das war eine gute Schule!

Rüdiger Pusch: Darum (lacht) sollten wir vielleicht nur noch Leute aus der mb nehmen, die haben’s drauf.

Im Gegensatz zum letzten Versuch, ist es nun immerhin gelungen, einen neuen Geschäftsführer zu benennen und einzuführen. Der alte ist allerdings immer noch da. Wie teilen Sie sich in die Aufgaben?

PM: De jure ist es ganz klar: Ich bin der Geschäftsführer, Rüdiger Pusch ist Prokurist. Was die Zeichnungsberechtigung anbelangt, sind wir also gleichrangig.

Und wie sieht die Arbeitsteilung de facto aus?

PM: De facto sind wir eine Doppelspitze. Ich werde den Teufel tun, gegen Rüdigers Willen etwas zu entscheiden.

RP: Das ist unsere ganz große Stärke, war es immer schon. Wir haben eine gemeinsame Vergangenheit und eine gemeinsame Aufgabe. Aber Peter hat eine ganz andere Sicht als ich, und oft hat er einfach recht – und selbst wenn ich gar nicht seiner Meinung bin, ist es gut, sie zu hören. So einen Sparringspartner habe ich mir schon lange gewünscht. Fast ist es schade, dass das jetzt keine Dauerlösung ist

PM: Für mich ist es wichtig, dass wir einvernehmlich zu Lösungen kommen. Natürlich wäre es manchmal einfacher, einfach zu entscheiden, aber ich bin sicher, dass der längere in diesem Fall auch der bessere Weg ist.

Wie lange soll denn die Lösung Bestand haben, die keine Dauerlösung ist?

RP: Noch maximal drei Jahre, bis zu meinem 62. Geburtstag. Dann soll Schluss sein. Wenn es früher klappen sollte, wäre es schick. Und dann sollten wir darüber nachdenken, wieder einen zweiten Mann zu holen. Anders ist die Arbeit kaum zu schaffen.

In welcher Position? Wieder als Prokurist?

PM. Da ist noch nichts entschieden.

RP: Vielleicht auch ein besonders smarter Assistent des Geschäftsführers. Damit hat es ja noch Zeit. Einer alleine jedenfalls kann die Fäden der drei Geschäftsteile kaum noch in der Hand halten.

Sie sind also nun nicht nur Geschäftsführer des Krystallpalast-Varietés, sondern auch für die Dinnershow „Gans ganz anders“ und die zahlreichen Aktivitäten am Störmthaler See letztinstanzlich verantwortlich?

PM: Ja, für das gesamte Unternehmen, dessen Teile so unterschiedlich sind, aber dennoch so ineinandergreifen, dass sie nicht zu trennen sind. Dazu kommt künftig noch die Marktmusik.

RP: Und vielleicht noch mehr.

Was denn?

RP: Ach da gibt es so einiges. Bald wird ja der Burgplatz wieder bespielbar.

Wann denn?

RP: Wahrscheinlich ab 2020. Da wäre es beispielsweise denkbar, mit einem kleinen Spiegelzelt zu den Anfängen von „Gans ganz anders“ zurückzukehren und auf den Leuschnerplatz einen wertigen Weihnachtszirkus zu stellen. Warten wir mal die Ausschreibungen für den Burgplatz ab.

PM: Und dann sieht man ja vom Leuschnerplatz aus immer das Oktogon der alten Bowlingbahn. Die Investition, die zu seiner Sanierung nötig ist, können wir nicht stemmen. Aber wenn sich jemand fände, der das Geld hat – wir hätten die Ideen dazu. Dass wir so was können, haben wir mit der Marktmusik bewiesen. Zukunftsmusik ...

... dann also zurück ins Hier und Jetzt und in die Magazingasse: Wie wollen Sie dem ja ziemlich erfolgreichen Unternehmen Krystallpalast-Varieté Ihren Stempel aufdrücken?

PM: Das muss ich erst einmal gar nicht. Und ich bin heilfroh, dass es hier keine Löcher gibt, die ich stopfen müsste. Darum habe ich auch der Belegschaft klar gesagt, dass ich jetzt nicht als der große Ruder-Rumreißer komme, der möglichst schnell möglichst große Veränderungen herbeiführen will. Nein. Ich übernehme ein bestens funktionierendes Unternehmen, komme aber mit einem frischen Blick von außen. Und hier und da gibt es schon Stellschrauben, an denen man drehen kann.

Zum Beispiel?

PM: Bei der Außenwahrnehmung.

Was stimmt mit der nicht? Die Hütte ist schließlich meistens voll.

PM: Ja, aber die, die nicht kommen hängen immer noch dem Klischee nach, Varieté erschöpfe sich seit den 20ern in Federboa und Pudel-Dressur. Dabei sind wir längst viel weiter. Viel moderner. Viel vielseitiger.

Bleibt die Premieren-Schlagzahl erhalten?

RP: Einstweilen ja: Drei Premieren im Sommer, Winter und Frühjahr, dazu die Dinner- im Winter und die Newcomer-Show im Sommer.

PM: Die müssen wir auch deutlich aufwerten.

Warum?

PM: Weil sie stärker wahrgenommen werden muss.

Wird sie das nicht? die Vorstellungen sind doch auch immer ausverkauft.

RP: Darum haben wir sukzessive auch die Zahl der Vorstellungen erhöht.

PM: Das Publikum ist aber nicht das Problem.

Sondern?

PM: Die Wahrnehmung in der Stadtverwaltung, auch bei Kollegen. Was Urs Jäckle hier seit 2000 auf die Beine gestellt hat, ist das bedeutendste Branchentreffen für ganz Deutschland.

RP: Und darüber hinaus. Dabei waren die Anfänge ganz klein: Es war ein Studentenprojekt, das Urs damals als Praktikant gestemmt hat. Wahnsinn, was daraus geworden ist. Und diesen Wandel müssen wir spätestens bis zum 20. Geburtstag der Newcomershow auch kommunizieren.

PM: Genau. Wir sind das wahrscheinlich internationalste Theater Leipzigs. Mit diesem Pfund kann man ruhig noch ein wenig mehr wuchern.

RP: Überhaupt ist es großartig, was Urs Jäckle alles bewegt hat am Haus. Auch als Regisseur. Darum werde ich ihm auch ganz gewiss nicht in künstlerische Entscheidungen hereinreden.

Wie geht es denn jetzt künstlerisch weiter am Haus?

PM: Derzeit läuft ja noch erfolgreich unsere Herbst-Show „Junge Junge! Die Männershow“. Am 7. November feiert dann „Showtime – Varieté der 20er Jahre“ Premiere. Ein Programm, das auf Leipzigs Varietégeschichte im Allgemeinen und auf die des historischen Krystallpalastes im Speziellen Bezug nimmt.

Also Pudeldressur und Federboa?

RP: Na ohne Federboa werden wir da wohl nicht auskommen.

PM: Unser Timing ist übrigens erstklassig: Die 20er stehen seit der Ausstrahlung von „Berlin Babylon“ ja wieder voll im Fokus. Aber wir waren die Ersten. Wir haben schon viel früher an dieser Show gearbeitet. Dann steht ab 15. November die Dinnershow im Spiegelzelt auf dem Leuschnerplatz an. Volker Insel entführt die Festgesellschaft diesmal in die Welt der Piraten. Und im Frühjahr gibt es das „Comeback“ von Housch-ma-Housch, auf das wir wirklich sehr stolz sind.

RP: Der hat seine Karriere bei uns in der Newcomer-Show begonnen, ist dann aber schnell international an den ganz großen Adressen durchgestartet. Urs Jäckle hat Jahre gebraucht, ihn zurückzuholen. Toll, dass ich das noch erleben darf!

Shows

„Junge Junge! Die Männer-Show“ (bis 3. November); „Showtime – Varieté der 20er Jahre“ (7. November bis 2. März); „Gans ganz anders“ Dinenrshow im Spiegelzelt auf dem Leuschner-Platz (15. November bis 31. Dezember); „Comeback: Paris – Monte-Carlo – Leipzig“ (6. März bis 29. Juni); Newcomershow 2019 (4. bis 7. Juli); Tickets u.a. in der Ticketgalerie im LVZ Foyer, Peterssteinweg 19, im Barthels Hof, Hainstr. 1 oder in den Geschäftsstellen dieser Zeitung. Außerdem an der gebührenfreien Ticket Hotline (0800) 2181 050 und unter www.ticketgalerie.de, unter Tel. (0341) 140660 oder über www.krystallpalastvariete.de

Interview: Peter Korfmacher

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