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Kultur Weltweit Vorspiel der Natochenny-Schüler in Frankfurts Alter Oper
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14:44 30.11.2018
Blick ins Innenleben eines Flügels. Quelle: Leipzig report
Frankfurt / Main

Martin Stadtfeld ist vielleicht nicht sein bester, gewiss aber sein hierzulande bekanntester Schüler – und Ausweis genug, dass Lev Natochenny zu den großen Pianisten-Machern unserer Zeit gehört. Dennoch wollte die Musikhochschule in Frankfurt, wo der Russe bis zu seiner Emeritierung 2015 als Professor unterrichtete, den Pädagogen nicht über seinen 65. Geburtstag hinaus beschäftigen, wogegen der klagte, unterlag – und nun also im Namen der privaten Schweizer Kalaidos-Hochschule weiterhin erstklassige Studenten aus aller Welt anzieht und vervollkommnet.

Natochenny blieb in Bad Homburg bei Frankfurt wohnen und

Lev Natochenny Quelle: privat

auch über das Ende seiner hessischen Anstellung hinaus einer wunderbaren Tradition treu: Noch immer mietet er einmal im Jahr den Mozart Saal der Alten Oper an, um seine Schüler im repräsentativen Umfeld vorspielen zu lassen. Gerade ist die 18. Ausgabe dieses sehr besonderen Klassen-Vorspiels durch. Und wieder füllten Klavier-Freunde den Saal bis zum letzten Platz. Denn auf Natochenny ist Verlass.

Allerdings nicht in der Beziehung, dass der große Natochenny viele kleine Levs heranzöge, die seine pianistische Ästhetik perpetuierten. Vielmehr stattet dieser begnadete Lehrer seine begnadeten Zöglinge neben der hieb- und stichfesten Technik der guten alten russischen Schule mit der Fähigkeit aus, eigene Wege zu finden und zu gehen. Und so wird auch das 2018er Vorspiel wieder zur Sternstunde des Klavierspiels, zum Kaleidoskop des Möglichen an den 88 Tasten, die die Welt bedeuten.

Da

Anastasia Vorotnaya Quelle: privat

spielt beispielsweise Anastasia Vorotnaya, geboren 1988, César Francks monumentales Prélude nebst Choral und Fuge aus h-moll mit größtem Ernst und sinnlicher Hingabe. Zwar instrumentiert sie den eher komplexen als dankbaren Satz virtuos, färbt ihn mit ihrem großartigen Anschlag immer wieder neu ein – dennoch bleibt ihre Herangehensweise auch bei diesem allzu oft allzu langatmigen, weil beinahe abstrakten Stück Musik zutiefst pianistisch. Die Kunst, am Klavier Geschichten zu erzählen, beherrscht auch Natalia Sokolovskaya (Jahrgang 1989). Sie bringt Liszts Bearbeitung von Isolde Liebestod zum Glühen, lässt Schuberts Erlkönig durch den Saal reiten und greift mit „Auf dem Wasser zu singen“ (beides ebenfalls fürs Klavier bearbeitet von Liszt) ans Gemüt.

Distanzierter, fast ein wenig unterkühlt vor Beherrschung entledigt sich Sergey Korolev (geboren 1983) der unfassbar vielen Töne von Rachmaninows zweiter Klaviersonate, während der 22-jährige Nuron Mukumi, der bereits auf eine ausgedehnte Wunderkind-Karriere zurückblicken kann, mit Liszts „Bénediction den Dieu dans la solitude“ und der zweiten „Légende“ mit sicherem Stilempfinden und höchster Gestaltungsmacht den religiösen Rausch des vormaligen Salonlöwen pianistisch elegant und schlüssig abbindet. Sergey Belyavski (geboren 1993) schließlich beeindruckt mit überaus kraftvollen und differenzierten „Bildern einer Ausstellung“ und schickt als Rausschmeißer noch Vladimir Horowitz’ aberwitzige Carmen-Variationen hinterher.

Zweineinhalb Stunden auf dem Gipfel der Klaviermusik, zweieinhalb Stunden mit fünf unterschiedlichen Handschriften, aber auf dem selben, dem höchsten, dem Natochenny-Niveau.

Von Peter Korfmacher

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