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Kultur Weltweit Zweite Kasse, bitte!
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07:30 04.11.2018
Wer den magischen Satz sagt, dem ist der Jubel der Zahlungswilligen sicher. Quelle: Lazarev/iStock
Hannover

Gäbe es den Satz des Jahrzehnts, einen Satz, der exemplarisch steht für eine Epoche, einer wie „I have a dream“ oder „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu erreichten“ oder „Ich bin schwul, und das ist auch gut so“, dann wäre ein aussichtsreicher Kandidat für die jetzt langsam auslaufenden Zehnerjahre: „Zweite Kasse, bitte!“

Ein Satz, der kurz ist, aber prägnant, höflich, aber bestimmt, ein Staatsmann könnte ihn gesagt haben, ein Finanzminister oder Uli Hoeneß. Aber es ist der Satz eines unbekannten Kassierers. Zweite Kasse, bitte!

Er wird der Nachwelt künden von der Dekade der Dienstleistung, in der in Supermärkten noch echte Kassierer kassierten, Kassierer mit dem sogenannten Barcode-Tinnitus, mit dem es nicht mehr möglich ist, elektronische Musik zu hören, weil bei jedem Kraftwerk-Song Schinkengriller, Kichererbsen und Schmand in völlig unlogischer Reihenfolge am geistigen Auge vorbeiziehen.

Applaus von Kasse eins

Zweite Kasse, bitte! Ein Satz, der wie kein anderer für eine Zweikassengesellschaft steht. Mit Kunden, die schon zwei Menschen hintereinander für eine Schlange halten und als dritter Mensch dahinter demonstrativ das Smartphone rausholen und eine Partie „Angry Birds“ spielen. Mit Ton.

Zweite Kasse, bitte! Ein Satz, der eine gehetzte Gesellschaft symbolisiert, die es verlernt hat, beim Warten die schroffe Schönheit der Tiefkühlregale zu entdecken und zu sinnieren, ob der „Pizzaburger Salami“ in echt auch nur annähernd so aussehen kann wie auf dem Karton und ob das dann gut oder schlecht wäre.

Stattdessen stellen sich Menschen zweiter Kasse spekulierend an die unbesetzte Kasse und breiten ihre Waren auf dem Band aus. Um Druck aufzubauen, um den Satz der Sätze zu erzwingen. Kann auch schiefgehen. Dann gibt’s Applaus von Kasse eins.

Vom Dienstleister zum Erlöser

Zweite Kasse, bitte! Ein Satz, der Dienstleister für einen Moment zum Helden macht. Zum Erlöser. Zum Popstar. Gesprochen in ein Mikrofon, übertragen im ganzen Laden und hörbar auch für die hinteren Wartenden. Mal als schlichte, nüchterne Nachrichtenvariante, mal mit bebendem dramatischen Pathos.

Wie „Wir sind zu ihnen gekommen, um ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise ...“ in der Hoffnung, dass das Schlüsselwort „Kasse“ wie das Schlüsselwort „Ausreise“ wirkt und das „bitte“ schon im Jubel der Zahlungswilligen untergeht. Und das alles nur, um ein Kunde zweiter Kasse zu sein.

Von Uwe Janssen

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