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Kultur trifft Konsum

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Jeder Gang in ein Museum führt in ihn hinein oder zumindest an ihm vorbei: dem Museumsshop. Inwiefern lassen sich Kulturerlebnis und Konsum aufeinander abstimmen? Ist der Laden für die Besucher eher lästiges Beiwerk oder Fundgrube? Wir haben in den Museen Leipzigs nachgeschaut und nachgefragt.

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Kerstin Prescher vom Grassi-Shop mit einem der wenigen tragbaren Schuhmodelle, die derzeit in der Sonderausstellung gezeigt werden.

Quelle: Katharina Schultz

Die Ergebnisse werden in loser Reihenfolge vorgestellt: heute der Grassi-Shop.

 Schuhe können kleine architektonische Meisterwerke sein, haben Sybille Mau und ihre Tochter Lydia gelernt. Die Duisburgerinnen kommen gerade aus der Sonderausstellung "Experimentelles Schuh-Design", die seit März rund 100 besondere Modelle zeigt. Absätze aus Pistolen, Holland-Clogs in Busenform oder Haifisch-Pumps. Im Museumsshop entdecken die Besucherinnen den Designerschuh "wave" von Marita Huurinainen wieder, eines der wenigen alltagstauglichen Modelle der Schau.

 "Schön, aber wir suchen eher etwas kleineres, so was wie einen Handyanhänger", sagt Sybille Mau. Die Postkarte in ihrer Hand zeigt einen Bananen-Schuh, dessen Schale sich zu Fußöffnung und Absatz entblättert. Memory-Spiel, Magnet-Set oder Geschenkpapier - alles verziert mit den experimentellen Kreationen. Der Touristin sagt das entweder nicht zu oder ist ihr, wie im Fall der Magnete, mit zehn Euro als Mitbringsel zu teuer. "Wir achten darauf, dass für jeden Geldbeutel etwas dabei ist", sagt Kerstin Prescher von der Smow GmbH, die den Laden fürs Grassi Museum betreibt. "Jeder soll ein Andenken oder Geschenk mitnehmen können", so Prescher, sei es die Postkarte oder der Schlüsselanhänger für einen Euro oder Besonderheiten wie Repliken von Kunstobjekten wie jenem Schuh "wave" (für 234 Euro), historische Gläser des 14. bis 17. Jahrhunderts, Silberschmuck aus dem Jugendstil oder die "Ball Clock" von Nelson (für 248 Euro), bis heute ein beliebter Einrichtungsgegenstand: "Ein Design-klassiker", sagt die 47-Jährige. "Gutes Design ist langlebig."

 Seit 2007 gibt es den Shop, übernimmt die gelernte Bauingenieurin, die heute als Inneneinrichterin tätig ist, den Einkauf in Abstimmung mit dem Museum. Bei der Auswahl helfen unter anderem Gespräche mit den Verantwortlichen des Museums oder der alljährliche "Basar der Völker" im Haus, bei dem Künstler aus aller Welt ihre Arbeiten präsentieren.

 "Den Laden in die Hände eines Pächters zu geben, ist die beste Lösung", sagt Katharina Nitsch vom Marketing des Grassi. Immerhin besteht es aus gleich drei Museen: dem für Angewandte Kunst, Völkerkunde und dem für Musikinstrumente. Für Kerstin Prescher ist genau dies das Spannende. "Die unterschiedlichen Museen eröffnen eine Vielzahl von Möglichkeiten und interessante Überschneidungen." In einer Vitrine stehen Marokkanische Schalen und Präkolumbianischer Goldschmuck. Es gibt eine Geige als Brosche, Regenrohre oder CDs, auf denen Werke von Bach auf alten Instrumenten gespielt werden, Masken aus Java, Schals aus Indien oder Kunsthandwerk.

 "Zu jedem Produkt gibt es eine Geschichte", sagt Prescher und denkt beispielsweise an den Filzschmuck aus Kirgisistan, mit dem Frauen ein Projekt in ihrem Heimatdorf unterstützen oder den Keramikschmuck, den alleinerziehende Mütter in Kenia fertigen.

 Der Shop im Grassi zieht nicht nur Museumsbesucher an: "Bei den Leipzigern hat sich inzwischen herumgesprochen, dass wir ein gute Adresse für ausgefallene Geschenke sind", sagt Katrin Carola Heyne, eine der Verkäuferinnen. Abgesehen von den Objekten gibt es auch Museumsführer und Bücher über Leipzig und das Art decó, über Völkerkunde oder zu der aktuellen Sonderausstellung. Kunst oder zumindest ihre Nachbildung kann manchmal sogar aufgegessen werden: In der aktuellen Schau wird mit Materialien wie Glas, Papier oder auch Schokolade experimentiert.

 Den Schoko-Schuh gibt es auch im Shop (für 66 Euro). Allerdings hat ihm die Hitze der Sommermonate schon zu schaffen gemacht, er ist hinter der Folie etwas aus der Form geraten. Eine Nachbestellung ist jedoch möglich, wie Kerstin Prescher versichert.

 Die Sonderausstellung "Experimentelles Schuh-Design" ist noch bis zum 29.September zu sehen. www.grassi-shop.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.08.2013

Katharina Schultz

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