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10:08 13.12.2016
Glücklich über die Entscheidung des Stadtrats: Lofft-Geschäftsführer Dirk Förster.  Quelle: Foto: Lofft
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Leipzig

 Die Stimmen im Lofft klangen am Donnerstagvormittag nach der langen Feier noch etwas belegt. Am Mittwochabend erhielt das Team um Geschäftsführer Dirk Förster die Nachricht, auf die es jahrelang gewartet hatte: Das Lofft bekommt einen neuen Standort. Denn der Stadtratsratsbeschluss, das Naturkundemuseum aufs Spinnerei-Gelände umziehen zu lassen, bedeutet, dass in der sanierungsreifen Halle 7 auch die Off-Theatermacher sowie das Leipziger Tanztheater (LTT) im wahrsten Wortsinn neuen, größeren Spielraum bekommen.

„Der Standort ist fantastisch“, schwärmt Förster. „Das künstlerische Umfeld und die Bedingungen könnten nicht besser sein, sie sind perfekt für unsere interdisziplinäre und auch internationale Arbeit.“ Schon allein die Nähe zum LTT schaffe spannende Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die Halle 7 bietet unter anderem Platz für den dringend benötigten Proberaum. „Nach einer langen Zeit der Ungewissheit bringt diese Entscheidung für uns einen kräftigen Rückenwind“, freut sich Lofft-Sprecher Sebastian Göschel.

LTT-Geschäftsführer Gundolf Nandico sieht das genauso und ergänzt: „Wir sind erleichtert, unseren Tänzern, Pädagogen und Choreografen endlich das langersehnte, adäquate Arbeitsumfeld schaffen zu können, das unsere kreative Kraft unterstützt und voranbringt“. Man werde „mit voller Energie weiter an der Umsetzung der vor uns liegenden Aufgaben arbeiten“, erklärt Nandico weiter. Das LTT feiert 2017 sein 50-jähriges Bestehen – wahrscheinlich also am neuen Standort. Schon vor 14 Jahren begann die Suche des Vereins nach einem Ort für bessere Trainings- und Arbeitsbedingungen. Aktuell tanzen dort über 400 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Wichtig für ihn und alle Mitstreiter ist nun eine Verbesserung der Nahverkehrsanbindung zum Spinnereigelände. Auch darüber herrschte großer Konsens im Stadtrat.

Sanierung und Umbau der Halle 7 beziffert die Stadt auf 11,75 Millionen Euro, der städtische Eigenanteil liegt bei 3,3 Millionen. Die Neueröffnung des Museums – für das die Kosten zwischen 10 und 15 Millionen liegen sollen, ist für 2020 avisiert. Das Lofft kalkuliert mit dem Einzug Mitte kommenden Jahres, der Spielbetrieb könnte also nach der Sommerpause beginnen.

Über den Zuwachs auf seinem Areal ist auch Bertram Schultze glücklich. „Wir haben sehr lange und sehr intensiv für das Theaterhaus und das Naturkundemuseum in der Halle 7 gearbeitet und freuen uns dementsprechend über die Stadtratsentscheidung“, so der Geschäftsführer der Spinnerei-Verwaltungsgesellschaft. Eine Entscheidung, die er als „eine großartige Ergänzung der vorhandenen künstlerischen Qualität und ein nachhaltiges Bekenntnis der Stadt Leipzig zu dem Kulturkosmos der Spinnerei“ sieht.

Michael Ludwig, als Betreiber des Luru-Kinos auf dem Gelände ansässig, ist begeistert. „Wir alle dürften von diesem Schritt profitieren, es wird neue Kooperationen geben, auch das Kino wird noch mehr ins Blickfeld rücken“, sagt er.

Skadi Jennicke (Die Linke), eine der treibenden Kräfte für die Stadtrat-Entscheidung, „sieht die Chance zur Trendwende“, Kulturbürgermeister Michael Faber entdeckt etwas „Historisches“ in dem Beschluss; nur die AfD und die Wählervereinigung mosern, weil das Museum von seinem traditionellen Standort in den Westen weichen muss.

Damit aber wächst die Spinnerei zu einem Kulturzentrum, „das in dieser Ballung von Kunstformen einzigartig in Deutschland sein dürfte“, schätzt Lofft-Chef Förster. Ateliers, Galerien, Werkstätten, Kino und ein Café haben bereits enorme Magnetwirkung, nun sorgen neben der schon existierenden Residenz des Schauspiel Leipzig das Lofft und das LTT dafür, dass die Spinnerei zu einem überregional wichtigen Standort der darstellenden Kunst wächst. Das Theater der Jungen Welt wird dort Proberäume beziehen.

Für dessen Intendant Jürgen Zielinski bedeutet der baldige Auszug des Lofft aus dem bisherigen Lindenauer Domizil mehr Platz für sein Theater. „Eine erfreuliche richtungsweisende Entscheidung, die sowohl für Lofft als auch das TdJW neue Möglichkeiten eröffnet! Und gleichzeitig ein deutliches Zeichen für kulturelle Vielfalt in der wachsenden Stadt Leipzig“, so Zielinski. „Für das TdJW bedeutet das erfreulicher Weise, die langersehnte Entlastung des Spiel- und Probenbetriebs und eröffnet Räume für partizipative Projekte.“

Für Förster, Göschel & Co. endet eine enervierend lange Standort-Suche, die sich über zehn Jahre zog. Im Gespräch waren Feinkost, zwei Objekte an der Karl-Heine-Straße, Felsenkeller, das Westwerk – und eben die Spinnerei.

Von Mark Daniel

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