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Kultur Kunst aus Müll für die Leipziger Hauptpost am Augustusplatz
Nachrichten Kultur Kunst aus Müll für die Leipziger Hauptpost am Augustusplatz
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23:59 13.06.2014
In der Alten Hauptpost gibt es zum Lichtfest eine gewaltige Installation. Quelle: Dirk Knofe

Aus alten Schränken, Türteilen, Betten will er den Stumpf eines Mammutbaums zimmern. Der wird zwei Stockwerke hoch bis unter die Decke der früheren Fernsprechhalle reichen, außen weiß und innen mit einem "apokalyptisch anmutenden Pflanzenpanorama" angemalt. In den Entwurfsskizzen wirkt der Baumstumpf so, als ob er durch das Gebäude wächst. Besucher, die das fertige Kunstwerk betreten, werden innen von 50 Baustrahlern in eine hell erleuchtete, mystische Sphäre getaucht. Das ganze Projekt heißt "Das Ur-Licht". Es füllt den Großteil der architektonisch beeindruckenden Fernsprechhalle mit ihrer großen Freitreppe aus.

"Das wird eine gewaltige Materialschlacht", erklärt der 49-jährige Hommes. Er lebt in der Baumwollspinnerei, hat andernorts schon ähnliche Projekte verwirklicht. "Wir brauchen dafür mehrere Tonnen Holzsperrmüll - also alles, was sich zusammenschrauben lässt. Zum Beispiel Spanplatten, Bretter, Skier, Latten oder warum nicht eine Kommode."

Ohne das Mitwirken der Einwohner könne seine Arbeit aber nicht gelingen. Und genau das gehöre mit zum Konzept. Ein Grundgedanke sei die "soziale Plastik", bei der sich im Sinne von Joseph Beuys möglichst viele Menschen schon an der Entstehung beteiligen. Hommes nimmt das ganz wörtlich, sucht für die über einen Monat dauernde Aufbauzeit ebenfalls jede Menge helfende Hände.

"Der Prozess des Schaffens an der Sperrmüllwurzel bringt Menschen zusammen und vereint sie", sagt Kuratorin Esther Niebel, die das Projekt mit ins Leben gerufen hat. "Jeder kann hier kreativ werden und die Plastik mitgestalten. Kunst soll nicht als Privileg, sondern als eine Ausdrucksform reichen Lebens verstanden werden."

Gleich nach dem Schlusspfiff der Fußball-Weltmeisterschaft im Juli beginnt die Sanierung der 1964 eröffneten Hauptpost. Wie berichtet, soll aus dem seit Jahren ungenutzten Gebäudeensemble für über 100 Millionen Euro ein Campus für Wissenschaftler und Studenten entstehen. Auf das Dach kommt eine gläserne "Skybar". Im Erdgeschoss und auf dem neuen Campus im ersten Stock sind für die Öffentlichkeit eine privat betriebene Mensa, zwei Restaurants (Marché, Sausalitos), Bio- und Supermarkt sowie vieles andere geplant.

Laut Jörg Zochert vom Projektentwickler KSW, welcher das Vorhaben unter dem Namen "The Post" vermarktet, sind bis zum Herbst aber nur Arbeiten in den oberen Etagen vorgesehen - wie etwa der Abbruch "statisch nicht störender Teile". "Zum Lichtfest im Oktober wird es an der Fassade wieder Film-Projektionen auf einer riesigen Kinoleinwand geben. Da die Idee dieser Veranstaltung auch ist, Leute in Bewegung zu versetzen, hatten wir uns gemeinsam überlegt, wie wir die Leipziger in das Gebäude hineinbringen können." Schließlich gehe es diesmal um das 25. Jubiläum der Friedlichen Revolution. "Sogar mehrere Staatspräsidenten werden dann auf dem Augustusplatz stehen."

Zochert findet es einen schönen Gedanken, dass die Heldenstadt zu diesem historischen Anlass zwar kein vom Staat finanziertes Denkmal, aber sehr wahrscheinlich ein von etlichen Bürgern gestaltetes Kunstwerk bekommen wird. "Um die Kosten für Schrauben, Winkel, Neonröhren und Unmengen von Farbe zu finanzieren, wird Anfang nächster Woche ein Spendenaufruf über die Internet-Plattform www.visionbakery.com gestartet", erzählt er. Die Besichtigung des Ur-Lichts soll vom 9. bis 30. Oktober möglich sein. Danach würden einige bemalte Teile an die Spender verschenkt. Eventuell erscheine zu dem ganzen Projekt noch eine Ur-Licht-Zeitung.

Zunächst müsse aber sprichwörtlich genügend Holz in die Hütte kommen, betont Hommes. "Deshalb bitte ich die Bürger von Leipzig und Umgebung, ihren Sperrmüll in nächster Zeit nicht zum Wertstoffhof zu schaffen, vielmehr in der Woche vom 5. bis 10. August - jeweils 10 bis 17 Uhr - in der Hauptpost abzuliefern." Falls danach noch Baumaterial fehlt, könne die Frist auch verlängert werden.

Mit dem gewaltigen Baumstumpf, der innen leuchten wird, verbindet der aus Aachen stammende Künstler natürlich noch weitere Gedanken. Ihm geht es auch um die Analogie zum Menschen, der ebenfalls innen leuchtet und nach außen strahlt, wie Hommes sagt. Nicht zuletzt finde er die Verwandlung von Müll zu einer künstlerischen Idee als Denkanstoß faszinierend.

www.facebook.com/dasUrLicht www.twitter.com/UrLichtLeipzig

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2014

Jens Rometsch

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