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Kunst in Koffern - Galerie am Sachsenplatz muss das Fregehaus verlassen

Kunst in Koffern - Galerie am Sachsenplatz muss das Fregehaus verlassen

Gerade wurde noch groß das 40-Jährige gefeiert - und nun gepackt: Die traditionsreiche Galerie am Sachsenplatz, seit 1986 im barocken Fregehaus in der Katharinenstraße beheimatet, gibt es an diesem Standort nicht mehr. Das Haus war von der Stadt verkauft worden, in den Galerieräumen richtet der neue Eigentümer, der Architekt Gregor Fuchshuber, sein Büro ein.

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Auszug aus der Galerie am Sachsenplatz in Leipzig: Galerist Volker Zschäckel verpack die Bilder.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Volker Zschäckel packt. "Alles hat seine Zeit, so auch diese wunderbare Stätte für die Kunst", sagt der knapp 60-Jährige, seit 1995 Inhaber der Galerie am Sachsenplatz. In den letzten Wochen hat er geräumt. Zunächst die Kunst aus den Schränken (zum Beispiel stattliche Bestände von Grafiken und Papierarbeiten von Gerhard Altenbourg und Werner Tübke), und dann all das, was eben auch zu einer Galerie gehört: Rahmen, Podeste, Computer, Schränke, Stühle, Restposten von Katalogen ... Die Umzugsfirma hatte gestern gut zu tun. "Die Galerie am Sachsenplatz hört mit ihrer sicht- und erlebbaren Präsenz auf, die Marke wird es aber weiter geben, im Internet, mit Mail-Adresse und natürlich via Telefon", sagt Zschäckel. Einen neuen Standort hat er nicht gefunden, alle kühnen Ideen, im Stadtzentrum zu bleiben, erwiesen sich bei viel zu hohen Mietpreisen als nicht realisierbar. So mietet Zschäckel in dem Haus in Möckern, in dem er wohnt, eine weitere Wohnung an und lagert hier seine Galerie ein. Das Geschäft mit den Kunden und für die Künstler hofft er auch ohne festen Standort fortsetzen zu können.

Mit dem Ende der Galerie am Sachsenplatz als Kunstort stirbt ohne Frage ein unikates Stück Leipziger Kultur. Der Anfang datiert aus dem Jahr 1972. Der Mal-Professor Bernhard Heisig hatte in der Zeitschrift "Bildende Kunst" die Frage gestellt: "Wo bleibt der sozialistische Kunsthandel?" Heisig wurde erhört und verschaffte seinem Freund und Kunstsammler Hans-Peter Schulz den Auftrag, auf der VII. Kunstausstellung der DDR einen Verkaufsstand für originale DDR-Kunst einzurichten. Schulz machte in wenigen Monaten riesige Umsätze.

Bald darauf stellte ihm die Stadt Leipzig Räume für eine Galerie zur Verfügung. Schulz sattelte daraufhin um, war nicht mehr Isolierer im Chemiewerk in Schkopau, sondern machte die Kunst in Diensten des Kunsthandels der DDR zu seiner Profession. Die Geschäfte liefen meist blendend, Schulz' Name galt was in der Szene. Als 1990 auch der DDR-Kunsthandel nicht mehr existieren konnte, übernahm der Galerist die Einrichtung in privater Verantwortung. 1995 erlitt Schulz einen Schlaganfall, 1996 starb er. Von nun ab hieß der Chef Volker Zschäckel, der schon viele Jahre für die Galerie tätig war, Auto fuhr, Kisten schleppte, Bilder an die Wände hing.

Das ist in kurzen Zügen die Galerie-Geschichte. Zschäckel erzählt sie in Anbetracht der Kisten und Kartons mit Wehmut. Es schmerzt ihn aber ebenso, dass es zur Stadt Leipzig keinerlei sinnstiftende Kontakte gab, um vielleicht doch nach einem Weg zu suchen, wie die Galerie erhalten werden kann. Man sei ja nur froh gewesen, endlich das historische Fregehaus verkauft zu haben. Der neue Besitzer zahlte über zwei Millionen Euro, im Hinterhaus wird ein Appartement-Hotel entstehen, das Marktamt der Stadt, das auch zuvor im Fregehaus seinen Sitz hatte, ist künftig Mieter, was für Zschäckel "eine merkwürdige Konstellation" darstellt.

Proteste des Galerie-Publikums wie der Künstler, die von der Galerie vertreten werden, halten sich in engsten Grenzen. Nein, so merkt Zschäckel an, es gibt keinen Aufschrei. Manch einer sage zu ihm: "Machen Sie bloß weiter und bitte mitten in der Stadt. Herr Zschäckel, Sie müssen kämpfen." Und wenn dann der Galerist auch schon mal genervt "Dann müssen Sie aber Kunst bei mir kaufen" antwortet, sei so ein Gespräch meist schnell beendet.

Ob es doch noch zu einem räumlichen Neuanfang für diese Galerie kommt, steht derzeit in den Sternen. Zschäckel, bei dem allmählich auch das Pensionsalter in Sicht kommt, muss wirtschaftlich denken. Er wird sein Erspartes mit Sicherheit nicht in ein unternehmerisches Abenteuer stecken. "So lebe ich eben von nun an als Phantom, das seinen Künstlern treu bleibt und sie am Markt halten wird. Und wenn es die Gelegenheit gibt, dann wird die Galerie am Sachsenplatz auch wieder auftreten. So Ende August in einer gemeinsamen Ausstellung mit dem Kunstverein Panitzsch, wenn in dessen Räumen die Jubilare Baldwin Zettl, er wird 70, und Karl-Georg Hirsch, er wurde 75, präsentiert werden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.07.2013

Thomas Mayer

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