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Kunst oder Sachbeschädigung: Auch in Leipzig sprüht ein Unbekannter illegale Graffiti-Smileys

Kunst oder Sachbeschädigung: Auch in Leipzig sprüht ein Unbekannter illegale Graffiti-Smileys

Allein die Stadtwerke Leipzig, denen die betroffenen Stromkästen gehören, gaben im Jahr 2010 rund 13.000 Euro für die Beseitigung illegaler Graffitis aller Art aus, wie das Unternehmen mitteilt.

Die Stadt Leipzig ließ sich entsprechende Reinigungsmaßnahmen im gleichen Zeitraum noch einmal circa 193.000 Euro kosten. Sachsenweit rangiert der erfasste Schaden nach Angaben des LKA bei 1,29 Millionen Euro. Wobei die Behörde darauf hinweist, dass die Schadenssumme nicht immer erfasst wird, der Betrag daher nur einen „Anhaltspunkt“ liefern kann. Insgesamt sank die Zahl der Fälle zwischen 2005 und 2010 im Freistaat von 7176 auf 6259. Die Direktion Leipzig bildet gemeinsam mit der Chemnitzer eine der Hochburgen. In beiden Gebieten lag die Fallanzahl bei rund 2190. In Dresden waren es hingegen lediglich etwa 1870 Fälle.

Für Gegner ist jeder Fall einer zuviel. „Ich habe diese Gesichter auch schon gesehen, für mich sind die aber nicht das Herausstechenste“, sagt Eckardt Nowak, der Vorsitzende des Aktionsbündnisses Stattbild e.V, das sich gegen illegale Graffitis in Leipzig einsetzt. „Wir haben eine klare Position. Selbst wenn es die täuschend echte Kopie eines Rembrandts sein sollte – es ist ein illegales Graffiti.“ Die Schmierereien seien in jedem Fall „keine Kunst“, sondern schlicht Sachbeschädigung. Dieser Auffassung folgt die gesetzliche Regelung in Deutschland, wonach unerlaubte Graffitis mit einer Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren sanktioniert werden.

Hamburger Petition: Graffitis als „Bereicherung des Stadtbildes“

Dem Hamburger Intensiv-Sprayer OZ nutze es deshalb auch nichts, dass sich in einer Petition rund 600 Organisationen und Einzelpersonen für seinen Freispruch stark gemacht hatten, darunter bekannte Musikkünstler wie Björn Beton von der Hip-Hop-Combo Fettes Brot oder Arne Zank von der Band Tocotronic. In dem Papier heißt es, viele Hamburger Bürger verständen die Graffitis als „Bereicherung des Stadtbildes“, die gesprühten Gesichter seien „Kunst von der Straße“. Die Unterzeichner fordern daher: „Die Kunstfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung muss in Zukunft auch Graffiti einschließen. Städte brauchen mehr Mitbestimmung durch ihre Bewohner.“

Dieser toleranten Auslegung will in Leipzig nicht einmal der örtliche Graffitiverein folgen. „Nach Gesetzeslage sind die Smileys strafbar und wer so etwas trotzdem macht, muss die Konsequenzen tragen“, sagt Sebastian Drechsel, Mitglied des Vorstandes. Der Verein besprüht Flächen ausschließlich nach vorherigem Auftrag. Den Leipziger Smiley-Sprüher kennt Drechsel, der Kontakte in die Szene pflegt, nicht. Er vermutet jedoch mehrere Täter. „Es gibt bei so etwas häufig Nachahmer, es könnten sehr gut mehrere Sprüher sein“. Eventuell seien es Jugendliche oder Heranwachsende, die noch nicht lange dabei sind. Denn: In der Szene selbst seien die Smileys bekannt, würden dort aber abgelehnt als keine „echten“ Graffitis.

AG Graffiti: In Leipzig gibt es 250 bis 300 „Hardcore-Sprüher“

Einen Überblick über die Szene besitzt Thomas Kretzschmar, Leiter der Arbeitsgruppe Graffiti des Kriminalpräventiven Rates in Leipzig. Er sieht in den Smileys kein bedeutendes Phänomen. Allerdings könne es sein, dass einer oder mehrere Täter die Grinsegesichter für sich entdeckt hätten. Es gebe in der Stadt eine sehr agile Szene von etwa 250 bis 300 „Hardcore-Sprühern“, die meist zwischen 14 und 21 Jahren alt seien und „kein Bock“ auf legale Projekte hätten. Dass es sich bei den unerlaubten Smileys um Kunst handelt, weist Kretzschmar zurück. „Ich weiß, dass ich mich damit nicht beliebt mache, aber es gibt da eigentlich immer die gleiche Gemengelage. Diejenigen die illegal sprühen, die schlagen auch, die klauen – reine Künstler findet man darunter nicht“, erzählt Kretzschmar. Anders bei den Projekten, die von der städtischen Arbeitsgruppe, dem Graffitiverein und anderen Organisationen vor allem für Schüler organisiert würden. „Erst vor kurzem hatten wir da wieder eine Aktion und da muss ich sagen: Manche der Zeichnungen und Bilder waren so gut, die würde ich mir auch ins Wohnzimmer hängen“, schwärmt der Polizeioberrat.

Alexander Laboda

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