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Kultur Kurt Krömer doppelt gefeiert
Nachrichten Kultur Kurt Krömer doppelt gefeiert
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00:24 21.03.2018
Hat sein Publikum sofort im Griff, obwohl er es runtermacht: Kurt Krömer im Haus Leipzig. Quelle: Foto: Christian Modla
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Samstag

So ein Warm-up kann sich nur einer leisten, der es sich leisten kann. Da betritt Kurt Krömer die Bühne – und noch bevor er anfängt, hält er schon inne: „Ich wusste gar nicht, dass mich meine Tournee durch Altersheime führt“, murmelt er und mustert das Publikum. Fragt: „Können wir anfangen, oder sind noch welche auf ihren Zimmern?“ Macht eine Kunstpause, sinniert: „Nur Falten. Wie im Kabarett. Oder im Elefantengehege.“ Atmet tief: „Gott, seht ihr hässlich aus!“ Der Saal tobt vor Lachen. Und das schon, bevor es richtig los geht.

Am Freitag und Samstag gastierte im jeweils ausverkauften Haus Leipzig Kurt Krömer mit seiner neuen Show. „Stresssituation“ heißt die und eröffnet mit einer veritablen Publikumsbeschimpfung. Als „Anschleimphase“ bezeichnete mal Harry Rowohlt, was ja so ziemlich jeder Entertainer seinem Publikum zum Beginn einer Show zumutet – und was Krömer hier gut gelaunt ins Gegenteil verkehrt. Ja, das muss man sich leisten können. Krömer kann.

„Eigentlich bin ich als Punk geboren. Im Körper eines Sparkassen-Angestellten“, sagt er einmal. Dass dann auch die Klamotten, in die Krömer seinen Körper hüllt, so sparkassig aussehen, dass es sich dabei wiederum nur um Punk handeln kann, ist von tieferer Logik. Also von jener Logik einer Paradoxie, zu der auch gehört, dass Krömer eben Anschleim- zu Anmotzphasen umpolt oder den „fetten Tanzbären“ (Krömer über Krömer) gibt und dabei zugleich eine eigentümliche Form von Sexappeal verbreitet.

Wohl auch, weil er echt was von Modefragen versteht. Wie eine kleine Stilkritik beweist. Mit Blick auf „Hotzenplotz Gauland“ etwa, der ja tatsächlich, ganz wie „Batman, Pinocchio oder Papa Schlumpf“ immer die gleichen Klamotten trägt. Da sei ja schon ein „fließender Übergang von Sakko zu Biotop“ zu verzeichnen und auch daran könne man sehen, „was rauskommt, wenn man bestimmte Leute im Altersheim zu spät sediert“.

Wem das jetzt zu grob oder oberflächlich ist, dem sei gesagt: Dem Krömer sind natürlich auch Inhalte wichtig. „Ziel der AfD? Keine Ahnung. Die Autobahnen hat doch schon der andere gebaut.“ Kann man es erschöpfender darlegen?

Ganz klar gehört Krömer zu jenen Künstlern, die Aversionen auslösen. Wie jeder, der im Stromlinienzeitgeist quer paddelt. Krömer ist darin selten konsequent: „Ich bin nicht mehr beim Fernsehen, weil ich dort künstlerisch unterzuckert war“, bekannte er mal in einem Interview: „Ich hatte das Gefühl, ich geh jetzt eine Beamtenlaufbahn ein. Ich musste alles in die Luft sprengen.“

Künstlerisch unterzuckert nun ist auch „Stresssituation“. Gelegentlich. Und man will ja nicht immer mit den alten Zeiten nerven, aber Krömer-Shows hatten eben schon mehr Wumms, mehr Aberwitz im Witz, mehr Absurdität und Improvisation in der Interaktion mit dem Publikum. Und dennoch kreist auch „Stresssituation“ qualitativ immer noch weit über jenen „Beamtenlaufbahnen“, in denen das Gros deutscher Comedians mit ihren Beamtenhumor auf Nummer sicher geht.

Das Publikum dankt es Krömer mit Begeisterung. „Für den Platz im Saal musstet ihr bezahlen, den im Herzen schenk ich euch“, lässt der noch verlauten. Und hässlich war ja nur die erste Reihe.

Von Steffen Georgi

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