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Kultur Kurt Masur ist mit 88 Jahren gestorben – öffentliches Kondolenzbuch
Nachrichten Kultur Kurt Masur ist mit 88 Jahren gestorben – öffentliches Kondolenzbuch
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15:04 20.12.2015
Quelle: dpa
Leipzig

Kurt Masur ist am Samstag in Greenwich, Conneticut (USA) verstorben. Das teilten die New Yorker Philharmoniker, bei denen er von 1991 an wirkte, mit. Seine Sprecherin bestätigte dies am Nachmittag. Der Dirigent und langjährige Kapellmeister des Leipziger Gewandhauses wurde 88 Jahre alt.

Kurt Masur wurde am 18. Juli 1927 in Brieg, Niederschlesien als Sohn eines Elektroningenieurs geboren. Mit zehn Jahren begann er das Klavierspiel, wegen eines Defekts am Finger musste er das Piano jedoch aufgeben und verschrieb sich fortan dem Dirigieren.

Leipzig. Als Dirigent füllt er Konzerthallen in aller Welt und die Menschen jubeln ihm zu. Kurt Masur ist ein Weltbürger, zu Hause in Leipzig genauso wie in New York oder Paris. Dabei möchte er nicht, dass viel Aufhebens von ihm gemacht wird. Am 18. Juli wird der Maestro 85 Jahre alt.

Nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg studierte er an der Leipziger Mendelsohn-Akademie, brach den Unterricht aber nach zwei Jahren ab. Ab 1948 zog es ihn zunächst nach Halle, dann nach Erfurt, bevor er 1953 Kapellmeister an den städtischen Theatern zu Leipzig wurde. Ab 1955 war er bei den Dresdner Philharmonikern engagiert, welche er nach Auslandsaufenthalten ab 1967 für fünf Jahre als Chefdirigent leiten sollte.

1970 begann seine Zeit am Gewandhaus Leipzig. Diesem stand er bis 1997 als Kapellmeister vor. Weitere Stationen in seinem späten Wirken waren das New York Philharmonic Orchestra, das London Philharmonic Orchestra und das Orchestre National de France.

„Keine Gewalt!“

Neben seinem musikalischen Schaffen engagierte sich Masur auch während der Friedlichen Revolution in Leipzig. Er und fünf weitere angesehene Persönlichkeiten der Stadt verfassten am 9. Oktober 1989, dem Tag der ersten Montagsdemonstration, den Aufruf: „Keine Gewalt!“. Dieser wurde über den Stadtfunk und Lautsprecher verbreitet und trug so zum friedlichen Ablauf der Demonstrationen bei.

Mit zunehmendem Alter verringerte Kurt Masur seine öffentlichen Auftritte. 2012 wurde bekannt, dass er unter der Parkinson’schen Krankheit litt. Diese Erkrankung, und die Folgen zweier Stürze in den Jahren 2012 und 2013 zwangen ihn dazu, im Rollstuhl zu dirigieren.

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Masur hinterlässt seine dritte Ehefrau, die Sopranistin Tomoko Sakurai, ihren gemeinsamen Sohn, den Dirigenten Ken-David Masur sowie seine Tochter Carolin Masur, die als opernsängerin in Leipzig auf der Bühne steht. Wie es hieß, werden Trauerfeierlichkeiten und Beerdigung im engsten Familienkreis stattfinden.

Leipzigs Oberbürgermesiter Burkhard Jung (SPD) zeigte sich am Samstagabend vom Tode Masurs betroffen: "Leipzig ist ohne den Weltbürger Kurt Masur kaum vorstellbar. Wir verlieren ein musikalisches Genie, einen faszinierenden Dirigenten von erstem  Weltrang und einen großen Humanisten." Und weiter: "Kurt Masur wird Leipzig fehlen, wir verlieren eine Identifikationsfigur und ich persönlich werde seinen väterlichen Rat schmerzlich vermissen." Ulf Schirmer, der Intendant und Generalmusikdirektor der Leipziger Oper, überbrachte der Familie sein Beileid. Masur war „ein großer Musiker, der mit seinem Schaffen das Leipziger Kulturleben nachhaltig geprägt hat, ist nach einem künstlerisch erfüllten Dasein von dieser Welt gegangen.“

Kondolenzbuch im Leipziger Gewandhaus

Am kommenden Montag soll im Leipziger Gewandhaus ein öffentliches Kondolenzbuch ausgelegt werden. Als erste werden sich dort OBM Jung, Gewandhaus-Ehrendirigent Herbert Blomstedt sowie Mitarbeiter des Konzerthauses eintragen. „Kurt Masur ist eine außerordentliche Musikerpersönlichkeit sowie ein großartiger Humanist gewesen. Er hat unser Gewandhausorchester und das Gewandhaus geprägt wie kein Zweiter. Wir sind ihm alle zu tiefstem Dank verpflichtet“, erklärte Gewandhausdirektor Andreas Schulz.

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