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Kultur „Lady Macbeth“ – Mörderisch konsequent
Nachrichten Kultur „Lady Macbeth“ – Mörderisch konsequent
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12:00 01.11.2017
Erstarrt auf dem Sofa: Katherine (Florence Pugh) wird übel mitgespielt. Sie akzeptiert ihr Schicksal zunächst, lehnt sich dann aber mit aller Konsequenz dagegen auf. Quelle: Foto: Koch Media
Hannover

Der Film lässt einen frösteln. Eiskalt hat der englische Regisseur William Oldroyd die Geschichte dieser „Lady Macbeth“ in Szene gesetzt. In eingefroren wirkenden Tableaus sitzen die Protagonisten wie erstarrt auf dem Sofa. Zusätzlich verstärkt die fast völlige Abwesenheit des Tons die Eintönigkeit dieses dahinvegetierenden Lebens. Dass die junge Frau schließlich ausbricht und sich wehrt, ist letzten Endes nur konsequent. Dass sie ihre mörderischen Taten dann mit der gleichen Kälte vollbringt, unter der sie zuvor so gelitten hat, ist die Tragik und vielleicht auch die Ironie dieser Geschichte.

Ein Herrscher, kein Ehemann

Schauplatz dieser Tragödie, die frei auf einem Roman des russischen Schriftstellers Nikolai Leskov beruht, ist ein altes englisches Herrenhaus Mitte des 19. Jahrhunderts. Dorthin wird die junge Katherine verheiratet, um mit Alexander (Paul Hilton), dem Sohn des Hauses und des alles bestimmenden Patriarchen, ein Kind zu zeugen. Doch Alexanders Interesse an ihr ist gering. In der Hochzeitsnacht begutachtet er sie erst wie ein Stück Vieh, kehrt ihr aber dann kalt den Rücken zu. Stattdessen verbietet er ihr, das Haus zu verlassen und quält sie mit herrischen Befehlen. Katherine fügt sich wortlos in ihr Schicksal. Erst als ihr Gatte mit seinem Vater für längere Zeit das Anwesen verlässt, beginnt sie, gegen ihr Schicksal zu rebellieren – mit mörderischer Konsequenz.

Florence Pugh zeigt die Tragödie einer gequälten Frau

Beeindruckend gelingt es dem Regisseur mit seiner Bildersprache den sozialen Hintergrund dieser Geschichte zu beleuchten. Faszinierend ist das Spiel der Hauptdarstellerin Florence Pugh, die mit ihrer ausdrucksstarken Mimik die ganze Tragödie dieser Frau zu zeigen vermag - auch die sadistische Lust, mit der sie vorgeht.

Von Ernst Corinth / RND

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