Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Leipzig zeichnet Dirigent Herbert Blomstedt mit Ehrenmedaille aus
Nachrichten Kultur Leipzig zeichnet Dirigent Herbert Blomstedt mit Ehrenmedaille aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:19 13.10.2017
Dirigent Herbert Blomstedt wurde am Freitag im Alten Rathaus Leipzig mit der Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet. Quelle: dpa
Anzeige
Leipzig - 

Für seine Verdienste um das kulturelle Leben ist der Dirigent Herbert Blomstedt (90) am Freitag mit der Ehrenmedaille der Stadt Leipzig ausgezeichnet worden. Als früherer Gewandhauskapellmeister habe Blomstedt immer wieder Neues gewagt und neue Akzente gesetzt, sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) beim Festakt im Alten Rathaus. Blomstedt verfüge über „ein uneingeschränktes Bekenntnis zur Musik“ und dem, was Musik für eine Gemeinschaft leisten könne.

Blomstedt wurde 1927 als Sohn schwedischer Eltern in den USA geboren. Sein Debüt als Dirigent hatte er 1954 mit dem Philharmonischen Orchester Stockholm. Von 1998 bis 2005 leitete er als Nachfolger von Kurt Masur (1927-2015) das Leipziger Gewandhausorchester, das zu den größten Ensembles der Welt zählt. Noch heute tritt der vielfach ausgezeichnete Dirigent mit verschiedenen Orchestern auf.

Dankbar für Komponisten

Die Auszeichnung mit der Leipziger Ehrenmedaille bewege ihn sehr, sagte Blomstedt am Freitag. Doch eigentlich gebühre die Ehre nicht ihm, sondern den Schöpfern der Musik, betonte er weiter. Er sei dankbar für die vielen Komponisten, die Leipzig hervorgebracht habe.

Daran, dass Blomstedts Verbindung zu Sachsen noch weiter als bis zu einer Zeit in Leipzig zurückreicht, erinnerte Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD). Er habe viele Spuren im Freistaat hinterlassen, sagte sie. Blomstedt war von 1975 bis 1985 Chefdirigent der Staatskapelle Dresden. Schon damals habe er „in einer Zeit voller Grenzen“ die Botschaft der Musik über den „Eisernen Vorhang“ getragen, sagte Stange.

Gelassene Heiterkeit und Herzenswärme

Die Kunstministerin hob zudem Blomstedts soziales Engagement hervor und bezeichnete ihn als Menschen mit „gelassener Heiterkeit und großer Herzenswärme“. Als Dirigent agiere er mit Musikern immer auf Augenhöhe und für ganze Generationen sei er Inspiration gewesen.

Es sei die Wahl „Religion oder Musik“ gewesen, vor der Blomstedt als Sohn eines Adventisten-Pastors und einer Pianistin in jungen Jahren gestanden habe, sagte der Pianist András Schiff in seiner Laudatio auf den Preisträger und fügte hinzu, Blomstedt habe sich für beides entschieden: „Ein Konzert ist für Sie Predigt.“ Blomstedt erreiche die Menschen in den Konzertsälen und versuche immer, in den Hintergrund zu treten und die Musik für sich selbst sprechen zu lassen.

Ehrendirigent des Gewandhausorchesters

In seiner Leipziger Zeit hatte Blomstedt einen Generationenwechsel im Gewandhausorchester stemmen müssen und viele neue Konzertformate eingeführt. Heute ist er Ehrendirigent des Ensembles, das anlässlich seines 90. Geburtstages in der vergangenen Woche mehrere Festkonzerte gegeben hatte. Auch am Freitagabend sollte Blomstedt das Große Konzert im Gewandhaus dirigieren.

Die Ehrenmedaille der Stadt Leipzig wird seit 1997 unregelmäßig an Frauen und Männer verliehen, die sich in besonderer Weise um das politische, kulturelle oder gesellschaftliche Leben der Stadt verdient gemacht haben. Zu den früheren Preisträgern gehören der Maler Werner Tübke (2004) und der Opernsänger José Carreras (2009). Zum Festakt im Alten Rathaus waren zahlreiche Weggefährten und internationale Gäste, darunter auch der stellvertretende schwedische Botschafter, angereist.

Von LVZ

Anzeige