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Leipziger Bachfest 2013 endet mit h-moll-Messe in der ausverkauften Thomaskirche

Leipziger Bachfest 2013 endet mit h-moll-Messe in der ausverkauften Thomaskirche

Eigentlich wären sie im letzten Jahr dran gewesen. Aber da die Thomaner im Jahr ihres 800. Geburtstags einen noch volleren Terminkalender hatten als sonst, ließen sie Harry Bicket und The English Concert den Vortritt und beendeten am Sonntagabend in der Thomaskirche sozusagen mit einem Jahr Verspätung das Bachfest mit der traditionellen h-moll-Messe.

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Thomanerchor und Freiburger Barockorchester in der Thomaskirche.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Zum dritten Mal seit 2000, dem Jahr des 250. Todestags Johann Sebastian Bachs, als dem berühmten Knabenchor die Überlastung durchaus anzuhören war, und nach 2006, als Thomaskantor Georg Christoph Biller noch mit allerlei liturgischem Beiwerk das Konzert spirituell aufzuladen versuchte. Davon nimmt er nun Abstand, lässt Bachs Opus summum ganz aus sich selbst heraus wirken. Und den Thomanern hört man zwar im Credo die Strapazen von Festival und Werk an, aber was die Jungs davor und danach präsentieren, muss keinen Vergleich scheuen.

Biller nutzt diese Hochform, um bereits in den vier ersten Takten des Kyrie die Grenzen abzustecken. In majestätischer Kraft meißelt er die ersten beiden Kyrie-Rufe aus dem vollen h-moll-Block, mit dem dritten weichter den Klang lyrisch auf, den Schlusston des vierten hält so lange aus, dass die Spannung gerade eben noch zu ertragen ist. So setzt man einen Doppelpunkt vor eines der größten Werke der abendländischen Musik- und Geistesgeschichte, das der amtierende Thomaskantor diesmal, abgesehen vom seltsam lethargischen Confiteor, ganz aus einem Guss anlegt. Vorwärts drängend ohne Hast. Virtuos ohne Eitelkeit.

Bereits Auswahl und Aufstellung der Solisten zeugen vom ganzheitlichen Ansatz: Die gleichsam naturbelassenen schönen Stimmen von Reglint Bühler, Susanne Krumbiegel, Susanne Langner, Martin Lattke und Markus Flaig sind so kombiniert, dass sie als Solisten-Ensemble im wörtlichen Sinne wirken. Alle fünf stehen für die gleiche Musizierhaltung - mit nur jeweils anderem Tonumfang und subtil anderer Färbung. Das bürgt, gemeinsam mit der Platzierung im Herzen des Klangkörpers und nicht mehr vorn am Geländer, in den Arien und Duetten, dafür, dass die Linien sich in zärtlicher Gleichberechtigung umranken, Klänge sich sensibel mischen. Miteinander wie mit denen der obligaten Instrumentalstimmen, die in diesem Jahr das Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Konzertmeisterin Petra Müllejans beisteuert.

Das Ensemble in Residence des Bachfestes 2014 beweist erneut, dass Biller immer dann am besten ist, wenn er sich auf seine Knaben konzentrieren kann, Orchesterklang nicht herstellen muss, sondern die Herrlichkeiten abrufen kann. Und der Herrlichkeiten sind es viele. Der seidig helle Streicherklang, der sich so sinnlich absetzt vom warmen Zauber der Holzbläser, die Kultiviertheit in Artikulation und Zusammenspiel. Da stört auch nicht weiter, dass das Blech bei den Allerbesten der Zunft noch verlässlicher tönt.

Hauptdarsteller dieses außergewöhnlich wohl geratenen Abschlusskonzertes sind ohnehin die Thomaner, die sich auf weitesten Strecken in Höchstform zeigen und sich nichts von den Verwerfungen rund um ihre vorbereitende Ausbildung in der letzten Woche anhören lassen. Namentlich die Altisten sind für Klänge gut, die das Ideal des Knabenchorgesangs erreichen, die anderen Stimmen reichen nahe heran. Ob die feierliche Schwere, die Biller in den Sätzen im alten Stil wie dem ersten Credo kultiviert oder die strahlende Pracht der Teile im neuen, im konzertanten Stil - dieser Knabenchor kann alles mit Leben füllen und in Schönheit gießen. Tosender, nicht enden wollender Jubel für alle Beteiligten.

Unter www.bachfestleipzig.de gibt es 90 Tage lang den Mitschnitt des Abschlusskonzertes

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.06.2013

Peter Korfmacher

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