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Leipziger Band Dark Suns entfaltet mächtigen Klangkosmos in Halle D

Konzert zur neuen Platte Leipziger Band Dark Suns entfaltet mächtigen Klangkosmos in Halle D

Dark Suns haben für die Vorstellung ihres fünften Albums am Freitag in Halle D ordentlich aufgefahren. Bis zu zehn Musiker stehen auf der Bühne, ihren mächtigen Sound-Kosmos in alle denkbaren Dimensionen zu entfalten.

Sänger und Seele von Dark Suns: der vielseitige Niko Knappe.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Alte Szenegänger wissen: Konzertbeginn in Indieclubs ist mindestens eine halbe Stunde später, und Vorbands lohnen sich nicht. An diesem Abend im Werk 2 haben sie mit den alten Weisheiten aber richtig Pech gehabt. Der wuchtige Dreier Fon um die charismatische Bassistin und Sängerin Katharina Helmke fängt pünktlich an und lohnt allein das Eintrittsgeld. Gottlob ist die Halle D schon gut gefüllt, und wer wegen des Headliners Dark Suns zu einem Konzert kommt, weiß gute Musik zu schätzen. Fon – eigentlich waren sie mal zu viert? – werden folgerichtig gefeiert.

Dark Suns haben für die Vorstellung ihres fünften Albums ordentlich aufgefahren. Bis zu zehn Musiker stehen auf der Bühne, ihren mächtigen Sound-Kosmos in alle denkbaren Dimensionen zu entfalten. Neben zwei straighten Gitarren rufen zwei Keyboards Streicher-Parts ab, generieren Hammond-Klänge ebenso wie klare Piano-Linien. Das Schlagzeug ist ein Kapitel für sich, und eine Bläser-Sektion sorgt endgültig für die Verwirrung von Hörgewohnheiten.

Kompromisse oder Zugeständnisse an Erwartungshaltungen waren noch nie ihr Ding: Ohne Reminiszenzen an alte Zeiten führen sie das neue Album in voller Länge auf, im Zugabenteil gibt es sogar den unerhört verfrickelten Bonus-Zehnminüter. Es entfaltet sich eine komplexe, fein verästelte, dabei himmelstürmende Klangstruktur. Die wurzelt deutlich in den großen Prog-Helden der 70er, wobei das Ganze aber nie zur Retro-Veranstaltung wird. Vielmehr werden aus einem Breitwand-Panorama kreativ rezipierter Rockgeschichte Brücken zum modernen Post- und Shoegazer-Rock geschlagen. Death-Metal-Anklänge passen ebenso in dieses Konzept wie synkopische Rhythmus­effekte, umwerfende Melodien stehen neben stark angeschrägtem Heavy-Metal-Jazz-Rock.

Mal sanft, mal grell, mal Growl.

Jedes einzelne Stück, so verschachtelt im Detail es auch erscheinen mag, folgt stringent einer Inszenierungsidee, die sich allmählich offenbart und fast immer in einem mitreißenden Finale mündet. Große Kunst, die sich nie als solche geriert – und gerade deshalb genau so ankommt. Kern der Performance ist Sänger und Seele Niko Knappe am Front­mikro. Er hat in den meist leisen Entwicklungsphasen der Songwerke eine samtene Stimme, steigert sich aber ansatzlos zu grellen Kopfgesängen à la lan Gillan oder auch zum tiefsten Growl.

Der Preis für die außergewöhnlichste Leistung des Abends gebührt indes dem (Live-)Schlagwerker „Gaga“ Ehlert. Der zieht dem Ganzen mit rhythmischer Sensibilität, aber vor allen mit einem unerhört energetischen Schlag, der immer genau auf den Punkt kommt, das Gerüst ein. Den vom ersten Song an selbst entfachten Höllendruck hält er bis zum Schluss ohne konditionellen Abfall durch. Da fällt dem schwerst beeindruckten Rezensenten nur der Vergleich zu Ian Paice ein.

Dark Suns halten das Publikum mit dieser Musik, die hohe Ansprüche an den Hörer stellt, weil sie erfühlt werden will und zur Berieselung definitiv nicht taugt, bis zum Schluss bei der Stange. Und sie kriegen und genießen zurecht den begeisterten Jubel der Menge, die genau deswegen gekommen ist: gültiges Album und gültiges Release-Konzert einer Band von definitiv internationalem Format.

Von Lars Schmidt

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