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Leipziger Buchmesse an der Belastungsgrenze

Leipziger Buchmesse an der Belastungsgrenze

Die Leipziger Buchmesse vermeldet jedes Jahr einen neuen Besucherrekord - aber endlos kann das nicht so weitergehen. Am Freitagnachmittag und Sonnabend platzte das Messegelände, wie auch schon in den Vorjahren, aus allen Nähten.

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Hochbetrieb herrschte am vergangenen Wochenende auf der Leipziger Buchmesse, wie hier in Halle 1.

Quelle: Tom Schulze

Vor allem für den Sonnabend muss in Zukunft dringend eine Entlastung gefunden werden. Denn das ist der Tag, den der Bücherfreund unbedingt meiden sollte, wenn er kann.

186 000 Besucher strömten an vier Tagen auf die Neue Messe, davon 93 000 Manga-Comic-Fans. Am Sonnabend reichte der Anreise-Rückstau bis auf die A 14 (auch aus Richtung Engelsdorf, wo es keinen Unfall gegeben hatte). Die rund 13 000 Parkplätze sowie die Ersatzparkplätze auf dem Feld waren voll. In Straßenbahnen und S-Bahnen ging es zu wie in der Sardinenbüchse. Zwischen der Glashalle und den Messehallen 1 bis 5 ging es langsam und stockend voran, die Besucher wurden im Einbahnstraßensystem durchgelotst. Glasröhren und Treppen konnten nur in eine Richtung benutzt werden. "Wenn man an den üblichen Wegen abgewiesen und weggeschickt wird, ist das nervig. Die Umwege, die man nehmen muss, kosten Zeit. Die Messemitarbeiter haben das zwar sehr freundlich an die Besucher weitergegeben. Aber man wusste nicht, wo man stattdessen langgehen sollte, stand bald vor der nächsten Sperre und musste wieder weitersuchen", schildert Journalistin Meike Oblau (37) aus Gütersloh, Stammbesucherin seit mehreren Jahren, ihre Erlebnisse.

Stress pur hatte ab Mittag auch die Gastronomie. An 85 Stationen wurden Essen und Getränke verkauft, 350 Mitarbeiter waren am Sonnabend im Einsatz - trotzdem bildeten sich hoffnungslos lange Schlangen. Ebenso an den Toiletten. Und da so ziemlich jeder kostümierte Mangafan sein Smartphone dabei hatte und fleißig Fotos in die Welt postete, war auch das WLAN-Netz überlastet.

Der Kamprad-Verlag aus Altenburg wies seine Gäste extra darauf hin, dass sie mindestens eine halbe Stunde vom Haupteingang bis in die Halle 4 brauchen. "Die Situation am Sonnabend war an der Grenze des Belastbaren", sagt Verlagschef Klaus-Jürgen Kamprad. Entscheidende Engstelle, wenn nicht sogar ein Konzeptionsfehler, sind aus seiner Sicht die Glasröhren mit ihrer begrenzten Durchlassfähigkeit.

Was kann die Messe tun, um Abhilfe zu schaffen? Denkbar ist vieles: Vielleicht die Buchmesse generell verlängern oder einen zusätzlichen Tag für Schulklassen anbieten. Den Ticketverkauf für Sonnabend limitieren oder die Eintrittskarten deutlich teurer machen - beziehungsweise die für andere Tage preiswerter. Die Manga Comic Convention an einen anderen Ort verlegen oder auf einen anderen Termin, obwohl das eigentlich keiner will. Das schillernde Kostüm-Volk hatte erst im Vorjahr seine eigene Halle 1 bekommen und wird gern gesehen. "Der Manga-Comic-Bereich zieht viele junge Leute an, die auch in unsere Halle kommen", freut sich Susanne Jaensch vom Buchverlag für die Frau. "Das ist ein wunderbar buntes Bild", sagt auch Klaus-Jürgen Kamprad.

Bei der Messe beginnt jetzt die Auswertung der vier turbulenten Buchmesse-Tage. "Wir werden alles auswerten und Schlussfolgerungen ziehen", sagt Unternehmenssprecher Steffen Jantz. Vor allem soll überlegt werden, wie der Sonnabend entlastet und die Besucher verstärkt auf die anderen Tage gelenkt werden können. Laut Jantz habe das Feedback der Aussteller bereits bestätigt, dass das Einbahnstraßensystem in diesem Jahr deutlich zur Entspannung beitrug. Entlastung hätten auch die zusätzlichen Toilettenanlagen in den Innenhöfen sowie zusätzliche Drehkreuze an Halle 1 gebracht, so dass das Manga-Publikum seinen separaten Eingang nehmen konnte.

Unklar bleibt, wie viele Besucher überhaupt gleichzeitig auf das Neue Messegelände dürfen. Um die Zahlen wird ein großes Geheimnis gemacht. Laut Steffen Jantz gibt es keine Begrenzung der Gesamtpersonenzahl. Für jede Messe würden die maximalen Besucherzahlen separat festgelegt. Sie seien "veranstaltungsabhängig und vertraulich". An der Grenze der Auslastung sei man noch nicht angekommen, versichern der Unternehmenssprecher und der Technik-Chef Steven Ponndorf. Die für die einzelnen Hallen und die Glashalle festgelegten maximalen Personenbelegungen seien auch am Samstag der Buchmesse bei weitem nicht erreicht worden. Tatsächlich gab es in den Hallen 1, 4 und 5 unbelegte Bereiche, die mit schwarzen Vorhängen abgehängt waren. "Vor jeder Messe sind Bauordnungsamt und Branddirektion zur Abnahme vor Ort", bestätigt der Leitende Branddirektor Karl-Heinz Schneider, dass es aus Sicht des vorbeugenden Brandschutzes keine Beanstandungen gab.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.03.2015

Decker, Kerstin

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