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Leipziger Künstler Michael Fischer-Art gestaltete Hochhaus in Neubrandenburg

Leipziger Künstler Michael Fischer-Art gestaltete Hochhaus in Neubrandenburg

Er hat in seinem Atelier schon Friedensnobelpreisträger begrüßt sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Franziskus gemalt. Nun hat der in Leipzig lebende Maler Michael Fischer-Art seine erste großformatige „Kostprobe“ in Norddeutschland gegeben: Das Bild „Phönix - Jenseits der Morgenröte“ ziert seit wenigen Tagen ein 32 Meter hohes Hochhaus in Neubrandenburg.

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Das Bild „Phönix - Jenseits der Morgenröte“ ziert seit wenigen Tagen ein 32 Meter hohes Hochhaus in Neubrandenburg.

Quelle: dpa

Neubrandenburg/Leipzig. „Es ist eine Farbinsel“, erklärt der 44-jährige Künstler. Wer von der Autobahn 20 von Osten nach Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern kommt, für den ist das neue bunte Wahrzeichen nicht zu übersehen. Damit hat Fischer-Art aber auch eine Debatte ausgelöst: Künstler begrüßen solche Projekte, Architekten mahnen an, dass Farbe nicht allein das triste Alltagsgrau solcher Siedlungen verschwinden lassen kann.

In typischem Fischer-Art-Stil hat der Künstler comicartige Figuren an die Südseite des Geschäftshauses gemalt, die auch von den Nutzern des elfgeschossigen Bürohauses künden. Bunte Muster an den anderen Seiten erinnern an Sonnenstrahlen und Wellen. Rund 150 000 Euro haben sich die Eigentümer - ein Immobilienvermieter - das kosten lassen. „Sekretärinnen rennen hin und her, Architekten sitzen an Reißbrettern - dann fliegt eine Rakete hoch, die Bilanzen von Firmen verkörpert, die ebenfalls wegfliegen“, beschreibt der Maler einzelne Motive. Klare Formen und Farben böten sich bei solchen Bauwerken an.

„Ich würde die Betonplatten nicht abreißen“, kritisiert Fischer-Art laufende Abrissprogramme des Bundes im Zuge des Städteumbaus Ost. Wenn die Polkappen weiter schmelzen, kämen viele Leute nach Europa, Wohnungen würden gebraucht. Deutschland brauche geordnete Zuwanderung, und junge Leute könnten hier ausgebildet werden.

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Der Künstler bei der Arbeit.

Quelle: dpa

Fischer-Art ist nicht der Einzige, der Farbe in die Städte bringt. Ganz anders - eher historisierend - haben Künstler in Waren gewirkt. So wurde ein Giebel in alter Form wiederhergestellt, der die alte „Posthalterei“ darstellt. Via Lautsprecher wird die Geschichte des angestrahlten Posthauses erzählt, das heute Pension ist. In der von Tausenden Touristen bevölkerten Bummelmeile hat eine Wohnungsgesellschaft einen grauen DDR-Lückenbau mit dem Bild alter Läden geschmückt. Ein ähnliches Projekt läuft in Berlin-Spandau. „Es braucht schon unterschiedliche Handschriften, es kann nicht einer alles bemalen“, sagt Fischer-Art dazu.

„Es ist außerordentlich wichtig, dass Kunst im öffentlichen Raum stattfindet“, meint die Vorsitzende des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern, Miro Zahra. Der Verband bemühe sich über einen Fachbeirat beim Land, dass heimische Künstler bei solchen „Kunst am Bau“-Aufträgen an landeseigenen Immobilien zum Zuge kämen. Das sei bei kommunalen Gebäuden leider nicht so.

Etwas kritischer sehen die Architekten im Nordosten Fischer-Arts Kreation. „Farbe kann das Stadtbild positiv verändern, aber das allein reicht lange nicht aus“, erklärt Lutz Braun von der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern. Zum Stadtumbau gehörten auch Rückbau, mehr Freiraum, veränderte Straßen und Wohnungsgrundrisse, aber auch soziale Einrichtungen, wie Treffs, Stadtteilmanager und Wohngebietsvereine. Anstreichen ohne die Architektur zu beachten, sei kein Muster für die Gestaltung.

In Neubrandenburg provoziert laut Braun das bunte Bürohochhaus aber Fragen: Was kann ein privater Eigentümer der breiten Öffentlichkeit alles aufzwingen? Wie geht die Stadt mit solchen Dominanten um? Für den Künstler ist das schon klar. „Solche Plattenbaugebiete haben großes Potenzial, wenn man sie farblich aufwertet.“ Neubrandenburg mit seinen riesigen „Riegeln“, wie an der Bundesstraße 96 nach Berlin, hätte dabei gute Chancen. In Siedlungen in Leipzig, Chemnitz und Dresden hat Fischer-Art das schon bewiesen.

Winfried Wagner, dpa

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