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Leipziger Maler Heinz Kolberg wird 80: Klein-Louvre in Klein-Paris

Leipziger Maler Heinz Kolberg wird 80: Klein-Louvre in Klein-Paris

80 Jahre wird der Leipziger Maler Heinz Kolberg heute alt. Die letzten 22 davon hat er in einer Art Farb- und Formrausch verbracht. Das zumindest ist der Eindruck, den man beim Betreten der Zwei-Zimmer-Wohnung in einem Hochhaus im Leipziger Südosten gewinnt.

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Der Künstler Heinz Kolberg in seiner Wohnung in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Wände im Flur sind dicht mit Gemälden verschiedenster Malstile behangen: Hier ein ungegenständliches mit pastos aufgetragener Ölfarbe, das an informelle Malerei erinnert. Dort ein abstraktes in Blau, das seine gedanklichen Vorgänger in der Klassischen Moderne zu haben scheint. Und in der Mitte, präsent über der kleinen Flur-Anrichte, strahlt in kräftigen Farben ein Bild vom "Montmartre". Sein Urheber war nie dort. "Nö", sagt Heinz Kolberg in gelassenem Ton. "Aber das Motiv spricht sich ja rum, wenn man jahrelang Kulturwissenschaft studiert."

 Kolberg kam 1947 als Umsiedler von Ostpreußen nach Collmen-Böhlitz im Kreis Wurzen. Aufgrund seiner überdurchschnittlichen Körpergröße übersprang er zwei Jahre in der Schule. Sein Lehrer beschloss: "Der kann gut zeichnen, der wird Maler", und schleuste ihn zur Ausbildung allerdings in einen Wurzener Maler-Betrieb. Dank eines guten Zeichenlehrers konnte Kolberg seine Fertigkeiten weiter ausbauen. In der Armeezeit wurde ihm das zeichnerische Talent nützlich: Was dort an gestalterischen Arbeiten, an Plakaten und Zeitungen benötigt wurde, fertigte Kolberg an. Nachdem er jahrelang als Kunsterzieher an Schulen gearbeitet hatte, begann er 1974 sein Studium der Kultur- und Kunstwissenschaft an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Danach arbeitete er in den 80ern als leitender Ausstellungssekretär für mehrere Bilderausstellungen des  Museums der bildenden Künste und wurde zum Leiter für Ausstellungsorganisation für architekturbezogene Kunst im Bezirk Leipzig. Dann kam der Mauerfall. Kolberg engagierte sich beim Theaterprojekt Naundörfchen, ging 1992 in den Vorruhestand und 1996 in Rente. Seitdem malt er fast jeden Tag.

 Auf dem Weg in sein Atelier führt Kolberg vorbei an einem Porträt. Es zeigt eine Frau mit grün-blauem Hut und Sonnenbrille, gemalt mit großzügigen Pinselstrichen. "Das ist ein Kopf", sagt er im Gehen nüchtern und nickt zu seiner Frau Helga herüber, die am Esstisch sitzt. "Frau Kolberg." Der Weg ins Atelier ist kurz. Es ist das Schlafzimmer des Ehepaars. In der Ecke steht ein rollbares Aufbewahrungsregal, darin Pinsel, Malutensilien. Auf dem Schlafzimmerschrank stapeln sich Bilder, Leinwände und Akten. Weitere Arbeiten lehnen und hängen aufgeschichtet an der Wand. Es ist ein kleiner Schatz, der zutage tritt: Weitere "Köpfe", wie Kolberg pragmatisch seine Porträts nennt, sind mal eher naiv in expressiver Weise gemalt, mal mit ordentlichem Strich. Dazwischen dunkle Kreidezeichnungen von Bauwerken an der Ostsee, wo Kolberg gerne arbeitet.

 3000 Bilder hat der Maler bisher gemalt. Sie lagern in einer Kammer, sagt er. Verkauft hat er wenige. Nicht, weil er nicht könnte, sondern weil er nicht wollte. "Es sind meine Kinder", sagt er. Auch Ausstellungen mit Kolbergs Werken sind eher selten. Die letzten waren 2009 im Gutshaus Markkleeberg und 2010 in der Kreisärztekammer Leipzig.

 Ehefrau Helga hat mittlerweile angefangen, das Schaffen ihres Mannes systematisch und thematisch zu erfassen. Tochter Tanja wird das Lebenswerk post mortem verwalten. So weit ist alles geklärt. Eine Frage gibt es aber noch: Wie sieht es mit einer eigenen künstlerischen Handschrift aus? "Die verurteile ich", sagt Kolberg. "Irgendwann kommt sie ohnehin ganz von allein."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.08.2014

Lisa Berins

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