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Leipziger Muko bezieht neues Funktionsgebäude

Nach gut 20 Jahren Leipziger Muko bezieht neues Funktionsgebäude

Nach über 20 Jahren verwickelter Baugeschichte hat die Musikalische Komödie Leipzig am Dienstag offiziell ihr neues Funktionsgebäude in der Dreilindenstraße 24 übernommen.

Blick in den neuen Ballettsaal
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  „Fenster!“, zischt es durch die Caféteria. Von der anderen Seite antwortet jemand mit „Luft!“. „Duschen!“, mischt sich wer ein. Ergänzend mischen sich die Befunde „Fußbodenheizung!“, „Tageslicht!“, „Bäder!“, „Ein Fahrstuhl“. Immer dichter mischen sich die Stimmen. Spätestens, wenn die musikalischen Umrisse der Schmuggler aus Bizets „Carmen“ erkennbar werden, versteht man: Es ist dies ein Pseudo-Flashmob des Chors der Musikalischen Komödie Leipzig, in dem die Sängerinnen und Sänger all das entdecken, was ihnen bisher verwehrt blieb in ihren muffigen, stickigen, schimmligen Garderoben und Probenräumen in den Katakomben des Theaters. Und die so witzige wie zu Herzen gehende Performance mündet in den pathetischen Satz: „Was du begehrst, wird dir gegeben“.

Manchmal dauert es nur ein wenig länger. Über 20 Jahre im konkreten Fall: 1995 bereits kaufte die Stadt Leipzig das Gründerzeithaus in der Dreilindenstraße 24, um dem Operetten- und Musical-Theater zu menschdenwürdigen Funktionsräumen zu verhelfen. Das Gebäude wurde gesichert, man zog ein neues Dach auf und begann mit einem Umbau, der in Grundzügen dem Projekt entsprach, das nun Wirklichkeit wurde. Doch im Jahr darauf wurden die Arbeiten bereits wieder eingestellt. Immer wieder stand die ganze MuKo auf der Kippe. Wer wollte da in ein solches Projekt investieren ...

Erst 2014 ging es, nachdem die Finanzierung des 2,1-Millionen-Projekts gesichert war, weiter: 300 000 Euro schoss die Stadt zu, 330 000 brachte die Oper aus eigenen Mitteln auf. Der Rest kommt von der EU, aus EFRE-Mitteln. Aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung, den Leipzigs Bauamtsleiter Karsten Gerkens schon mehrfach ins Spiel gebracht hatte, dabei aber immer wieder an der Aufbringung der kommunalen Mittel gescheitert war.

Im Juli 2014 wurde der erste Spatenstich gesetzt, im Februar 2015 konnte Richtfest gefeiert werden. Und seit Dienstag sind, mit wenig Verspätung nur, die neuen Räume nun übergeben: Ebenerdig mit neuer Caféteria, im ersten und zweiten Stock mit den Garderoben für Frauen- und Männerchor, darüber der Ballett- respektive Probensaal. Ganz oben unter dem Dach wartet ein neuen Kostümfundus auf Befüllung. Und damit die schweren Kostüme rauf und runter geschafft werden können, gibt es einen Lastenaufzug, aus Gründen des Brandschutzes überdies ein zweites Treppenhaus. Für beide ist rechts neben dem Wohnhaus ein moderner Anbau entstanden. Über den Hof schließlich führt ein Gang zum MuKo-Gebäude, damit Künstlerinnen und Künstler trockenen Fußes zur Vorstellung gelangen, vorbei an der neuen Caféteria. Kurzum: Auch in der MuKo gibt es seit gestern für die Künstler Arbeitsbedingungen, wie sie in so ziemlich jedem Deutschen Theater längst Standard sind.

Wenn nach so langer Zeit doch noch alles gut wird, dürfen die Emotionen ruhig einmal ein wenig tiefer fliegen. So verkündet Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber bündig in seiner erfreulich knappen Ansprache im Rahmen der erfreulich zwanglosen Feierstunde am gestrigen Nachmittag: „Ich stehe hier als Glücklicher unter glücklichen Menschen“. Nirgends regt sich Widerspruch. Und das allgegenwärtige Lächeln in den Gesichtern der Anwesenden aus Kultur und Politik wird noch breiter, während Faber im Namen der Stadt verkündet, dies sei nur ein Anfang: „Über die nächsten Jahre werden wir das Thema weiterspiele.“ Der Venussaal, der Rang, der ganze Zuschauerraum harren bis dahin weiter der Sicherung und Sanierung. Da ist es gut zu wissen, dass die Stadt laut Faber noch „einiges auf der Kante liegen hat“.

Auch der neue Hausherr, Opernintendant Ulf Schirmer, ist zufrieden. Sein Dank gilt dem „Rat der Stadt, der Stadt überhaupt, letztlich allen Bürgerinnen und Bürgern“. Sie hätten mit ihrer Treue, mit Bekenntnis zu der Qualität, die auf der Bühne der Musikalischen Komödie in den letzten Jahrzehnten trotz der widrigen Umstände immer möglich war, dieses Projekt erst realisierbar gemacht. Dies nimmt der Intendant als Verpflichtung: „Wir werden uns nach Kräften bemühen, künftig noch größere Qualität zu liefern.“ Die Oper Leipzig sei ein Stadttheater und die zu ihr gehörende Musikalische Komödie der „Inbegriff eines herrlichen Vorstadttheaters“.

Dass es dies nun mit professioneller Ausstattung sein kann, dafür trug die Planungsgesellschaft „pbs architekten Gerlach Kring Böhning“ die Verantwortung, und zwar, betont Schirmer „immer angepasst an die Arbeitsbedingungen eines Theaters“. Um die Innenausstattung der Räume kümmerte sich die Oper mit ihren Werkstätten selbst. Und die Möbel durften zwei Azubis zimmern. Für Schirmer ein weiterer Ausweis der umfangreichen Education-Bemühungen seines Hauses um die Förderung des Nachwuchses. Das mag zwar eine recht kühne Sicht der Dinge sein. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Für Schirmer jedenfalls ist die MuKo spätestens jetzt „eine Perle im Collier des Leipziger Kulturlebens, die noch lange schimmern möge“.

Die Zeichen stehen gut. Die Mitglieder der Ensembles zerren die Gäste in ausgelassener Feierlaune durchs neue Domizil. Und am Freitag zeigt sich bei der Premiere der Ballett-Produktion „Carmen“, ob die MuKo diese Stein gewordene Verpflichtung zu noch mehr Qualität ernstnimmt.

Von Peter Korfmacher

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