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Kultur Leipziger Oscar-Chancen: Holocaust-Drama „In Darkness“ wurde in der Messestadt gedreht
Nachrichten Kultur Leipziger Oscar-Chancen: Holocaust-Drama „In Darkness“ wurde in der Messestadt gedreht
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10:04 25.01.2012
Das historische Drama „In Darkness“ wurde in der Kategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“ für die diesjährige Oscar-Verleihung nominiert. Die Dreharbeiten fanden im Frühjahr 2010 zu großen Teilen in Leipzig statt. Quelle: Regina Katzer
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Leipzig

Die Dreharbeiten fanden im Frühjahr 2010 zu großen Teilen in Leipzig statt. Dafür wurde ein Teil des Ghettos von Lvov (Lemberg) im Osten der Stadt nachgebaut.

Dazu wurde die Eisenbahnstraße zum Eingang des Ghettos, auch der Kohlgartenweg und die alte Sternburg-Brauerei lagen nicht länger in Sachsen. Der Leipziger Location-Scout Sören von der Heyde hatte sie ins ehemals polnische Lvov (heute Ukraine) verlegt. Hier spielt der Film „In Darkness“, ein historisches Drama nach einer wahren Begebenheit in Polen während des zweiten Weltkrieges. Vor der Kamera standen unter anderem Benno Fürmann, Herbert Knaup und Maria Schrader.

"Die Straßenzüge dort sind sehr nah an dem, was sich Regisseurin und Szenenbildner vorgestellt haben", sagte von der Heyde bei den Dreharbeiten. Er wird von Filmteams gebucht, die bestimmte Landschaften, Straßenzüge oder Häuser als Kulisse für ihre Filme benötigen. Dann schöpft er auf seinem Fundus oder macht sich auf die Suche nach geeigneten Orten. Schon beim Lesen des Drehbuches für „Hidden", so der damalige Arbeitstitel des Films, habe er gewusst, wo die Außenaufnahmen gedreht werden könnten. „Man kennt bestimmte Ecken, dann fährt man noch mal vorbei und schaut, wie es aktuell aussieht."´

Leipzig. Ein in der Messestadt gedrehter Spielfilm hat Chancen auf den bedeutendsten Filmpreis der Welt. Das historische Drama „In Darkness“ der polnischen Regisseurin und Drehbuchautorin Agnieszka Holland wurde in der Kategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“ für die diesjährige Oscar-Verleihung nominiert. Die Dreharbeiten fanden im Frühjahr 2010 zu großen Teilen im Leipziger Osten statt.

Die angrenzende Umgebung sei sehr „abgerockt", sagt von der Heyde. Historische Aufnahmen hätten gezeigt, dass das Ende der Eisenbahnstraße dem Eingang zum Lemberger Ghetto sehr ähneln würde. In der alten Brauerei wurde Szenen gedreht, die in der Kanalisation spielen.

Durch den Gulli im Kohlgartenweg in die polnische Unterwel

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Für „In Darkness“ waren nur wenige Außenaufnahmen vorgesehen, denn er spielt zum Großteil in der Kanalisation von Lvov. Hier versteckten sich monatelang jüdische Flüchtlinge vor den Nazis. Der Abstieg in die Unterwelt wurde im Kohlgartenweg gedreht. In einer Halle in der Sommerfelder Straße wurde aus Holz die Kanalisation nachgebaut – samt Gulli, einströmendem Wasser und Dunkelheit. „Hier wurde ein Abwassersystem nachgebaut, dass sogar die Experten der Leipziger Wasserwerke zum Staunen brachte", berichte Julia Kainz von der Presseagentur, die den Film betreute.

Der Ort wirkte schon ohne Ratten extrem ungemütlich: Auf blankem kaltem Gemäuer lag eine alte Matratze, darüber baumelten ein ehemals weißes Unterhemd und ausgetretene Schuhe. Auf dem Boden standen ein Lederkoffer und ein Eimer als Klo-Ersatz. „Das ist unsere Villa“, sagte Benno Fürmann (40). Er spielt einen Juden, der im Jahr 1943 auf der Flucht vor den Nazis wochenlang in der Kanalisation lebt; zusammen mit weiteren Bewohnern eines jüdischen Ghettos.

Fürmann gehört zusammen mit Herbert Knaup (55) und Maria Schrader (46) zu den deutschen Hauptdarstellern. „Es ist ein schwieriger Dreh: Der Großteil des Films spielt in der Kanalisation. Die Schauspieler stehen stundenlang im Wasser“, berichtete Mitproduzent Marc-Daniel Dichant vom „Schmidtz Katze Filmkollektiv“.

„In Darkness“ beruht auf wahrer Begebenhei

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„Wir steigen aber auch noch in eine richtige Kanalisation in Polen“, sagte Knaup. „In Wirklichkeit wird es da unten aber noch schlimmer gewesen sein: der Gestank, die Ratten, die ganzen Krankheiten, Ekzeme, Ausschläge. Man kann sich nicht vorstellen, wie schlimm das Leben da unten ist.“ Knaup spielt einen Industriellen, der samt Ehefrau und zwei Kindern wochenlang im unterirdischen Labyrinth haust. In der Realität hätten sich einst 20 Juden dort versteckt, weiß Dichant. Zwölf von ihnen hätten es irgendwann nicht mehr ausgehalten und seien ans Tageslicht zurückgekehrt. „Von ihnen hat keiner den Krieg überlebt.“

Die auf einer wahren Begebenheit beruhende deutsch-polnisch-kanadische Koproduktion unter der Regie der 1948 in Warschau geborenen Agnieszka Holland („Hitlerjunge Salomon“) wurde in drei Sprachen gedreht: deutsch, polnisch und jiddisch. „Weil ich ein polnischer Jude bin, spreche ich seit eineinhalb Monaten täglich polnisch“, sagte Knaup, der die Fremdsprache des östlichen Nachbarlandes vorher noch nicht konnte. Er meinte: „Der Kampf, den man hier als Schauspieler mit der Sprache hat, überträgt sich aufs Spiel.“

„In Darkness“ kommt am 9. Februar in Leipzig in die Kinos. Etwa zwei Wochen später, am 26. Februar, werden in Hollywood die Oscars verliehen.

Anne-Kathrin Sturm / dpa / rob

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