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Leipziger Robert-Schumann-Gymnasiasten führen Musical in Musikalischer Komödie auf

Leipziger Robert-Schumann-Gymnasiasten führen Musical in Musikalischer Komödie auf

Robert Schumann, der Namensgeber, hängt an der Wand. Unweit davon steht auf der Bühne in der Aula ein Honecker-Bild. Es ist Teil des Musicals "Saitenverkehrt", das Jugendliche vom Robert-Schumann-Gymnasium Mitte Mai dreimal in der Musikalischen Komödie aufführen werden.

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Probe zum Musical "Saitenverkehrt" am Schumann-Gymnasium in Kooperation der Musikalischen Komödie: Ein Musical auf die Freiheit.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Ein Mädchen bewirft das Bild des Genossen Erich Honecker mit Plasteline, "Das darfst Du nicht, das ist unser Staatsratsvorsitzender", sagt ein Junge, der es später bei der Lehrerin verpetzt. "Für Frieden und Sozialismus - seid bereit!", beginnt diese den Musikunterricht. Es wird "Soldaten sind vorbeimarschiert" gesungen, später marschieren die Jugendlichen sogar - das sind Szenen aus dem Musical "Saitenverkehrt", das das Robert-Schumann-Gymnasium nun auf die große Bühne in der Musikalischen Komödie bringt. Erzählt wird die Gesichte von Rene und Katrin, zwei Teenagern, die in den siebziger- und achtziger Jahren im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt aufwachsen. Die beiden, in ihren Ansichten sehr unterschiedlichen jungen Leute verbindet später eine Jugendliebe. Beide werden aber durch die politischen Verhältnisse getrennt, das Mädchen reist mit ihrer Familie nach Westberlin aus.

Das Musical ist ein "Import" aus dem Erzgebirge. Hendrik Seibt, der an der "Freien Schule Erzgebirgsblick" in Gelenau unterrichtet, hat es geschrieben und komponiert. Im Stück verarbeitet Seibt Erlebnisse aus seiner Schul- und Jugendzeit sowie dem Wehrdienst bei der Bereitschaftspolizei Berlin. "Ich war ein pubertierender und aufmüpfiger junger Mensch, der oft laut gedacht hat und bei den politischen Lehrern angeeckt ist", sagt Seibt und erzählt, wie er als Achtzehnjähriger als Soldat zu Einsätzen bei Demos geschickt worden war. Mit viel Angst und auf der falschen Seite, wie er sagt. Das deutet sich auch im Namen des Musicals an, das natürlich ein Happy End hat. "Es ist ein Musical auf die Freiheit", sagt Seibt und redet davon, wie Schüler eine Epoche inszenieren, die sie selbst nie erlebt haben. Die Jugendlichen aus Gelenau haben es 15 Mal aufgeführt.

Mehr als 30 engagierte Schumann-Gymnasiasten der Klassenstufen 9 und 10 sowie Chorkinder verschiedener Jahrgänge übertragen die Geschichte nun auf Leipziger Verhältnisse. Mit tatkräftiger Hilfe von Regisseurin Anna Evans und Choreograph Mirko Mahr von der Muko, mit der die Schule seit Jahren kooperiert. "Ich war zunächst erschrocken, dachte das Musical ist eine Nummer zu groß für uns", gibt Borghild Jungnickel, die stellvertretende Schulleiterin, unumwunden zu. Doch Schüler und Lehrer waren begeistert. Seit September 2012 wird am Gymnasium, das auch eine eigene Bigband hat sowie Angebote im Chorbereich und darstellenden Spiel vorhält, eifrig geprobt. "Das Stück ist ein Sahnehäubchen für uns, da viele zusammenspielen können", so Musiklehrer Andreas Gutzschebauch.

Interessant ist das Experiment auch fürs Haus Dreilinden. "Für mich ist es eine Bereicherung. Als Amerikanerin, die nicht hier gelebt hat, muss ich mich ohnehin in die Zeit versetzen", sagt Regisseurin Anna Evans, die gute Erfahrungen bei der Arbeit mit Nicht-Bühnenprofis sammelt.

Roman Schulz von der Bildungsagentur Leipzig lobt die Initiative. "Wir haben bald den 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution - das Projekt ist Auftakt, sich nicht nur im Unterricht mit diesem Thema zu beschäftigen", sagt er. Premiere hat das Musical am 16. Mai, 19.30 Uhr. An den beiden folgenden Tagen sind zwei weitere Vorstellungen geplant. Eine Bitte haben die jungen Darsteller aber noch. Ihr Fundus mit Halstüchern sowie FDJ-Hemden und -blusen ist recht klein. Wer helfen kann, sollte sich im Robert-Schumann-Gymnasium in der Demmeringstraße 84 melden.

Für die Vorstellungen gibt es an der Opernkasse Karten zu 10, ermäßigt 7 Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.04.2014

Mathias Orbeck

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