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Leipziger fordern Einsparungen im Kulturbereich – Opernkarten sind vielen zu teuer

Leipziger fordern Einsparungen im Kulturbereich – Opernkarten sind vielen zu teuer

Mit mehr als 200 Euro wird jede Eintrittskarte für die Leipziger Oper vom Freistaat Sachsen subventioniert – vielen Bürgern ist der Preis für Kultureinrichtungen dennoch zu teuer.

Leipzig. Mehr als ein Viertel der Leipziger gab in der am Montag veröffentlichten Bürgerumfrage an, die Oper wegen zu hoher Tarife nicht besucht zu haben. Gleichzeitig sehen die Befragten gerade im kulturellen Bereich das höchste Einsparpotenzial in der Stadt.

Fast ein Drittel der Leipziger würde es laut der repräsentativen Umfrage begrüßen, wenn Oper, Gewandhaus und Schauspiel künftig weniger Geld zur Verfügung gestellt bekommen. Nicht gespart werden soll dagegen nach Meinung der Bürger bei Schulen und Kindertagesstätten, beim Straßenbau sowie der Wirtschaftsförderung. Für die Kommunale Bürgerumfrage, waren im Herbst vergangenen Jahres rund 3000 Leipziger zwischen 18 und 85 Jahren nach ihren Einstellungen sowie ihrer Lebenssituation befragt worden.

Kulturbürgermeister Faber überrascht von Umfrage-Ergebnissen

Derzeit macht der rund 100 Millionen Euro umfassende Kulturetat der Stadt etwa neun Prozent des städtischen Haushalts aus. Mehr gibt die Stadt im Jahr 2011 nur noch für ihr eigenes Personal (296 Millionen Euro) und für Sozialkosten wie Hartz IV (225 Millionen Euro) aus. Vom Kulturkuchen bekommen Oper, Gewandhaus und Schauspiel dabei den größten Teil ab. Zusammen mit dem Theater der Jungen Welt erhielten die großen Kultureinrichtungen im vergangenen Jahr rund 79 Millionen Euro an Subventionen.

Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber (parteilos) zeigte sich überrascht von den Umfrageergebnissen. „Was Kultur angeht, haben wir in Leipzig ein gutes Niveau erreicht, das wir erhalten und verbessern wollen. Bislang hatte ich das Gefühl, dass dies auch von einer breiten Bürgermehrheit getragen wird“, erklärte der Beigeordnete gegenüber LVZ-Online. Er verwies auf die Zahl von 23 Prozent der Bürger, die in der Umfrage angaben, dass bei Oper, Gewandhaus und Schauspiel gerade nicht gespart werden soll.

Viele Bürger hatten in der Umfrage auch finanzielle Kürzungen bei den soziokulturellen Einrichtungen gefordert. So sahen hier fast 40 Prozent der Befragten Einsparpotenziale. Fast ebenso viele hielten es für angemessen, wenn Bibliotheken, Museen und Ausstellungen künftig weniger Geld bekämen. Das stößt bei Faber auf Unverständnis. Die große Resonanz auf die Museumsnacht am Wochenende, die in Leipzig mehr als 30.000 Besucher anlockte, habe gezeigt, dass es gerade dafür eine breite Unterstützung gebe. „Da steht die Bürgerumfrage für mich ein bisschen zwischen Baum und Borke“, wundert sich der Kulturbürgermeister.

„Handlungsspielraum“ bei Oper und Gewandhaus

Es sei ganz natürlich, „dass es in bestimmten Positionen immer ein Pro und Contra“ gebe, so Faber. Bei den soziokulturellen Einrichtungen sei die Stadt jedoch gut beraten, keine Sparmaßnahmen vorzunehmen – andernfalls wären Schließungen unvermeidbar. Was Oper und Gewandhaus angeht, spricht der Kulturbürgermeister von „Abwägungsprozessen“, um den Bürgerwillen zu berücksichtigen. „In den nächsten Monaten wird sich zeigen, welchen Handlungsspielraum wir hier haben“, so Faber. So sehe ein CDU-Vorschlag vor, die Strukturen beider Einrichtungen noch in diesem Jahr zu überprüfen.

Wegen des neuen Kulturraumgesetzes, gegen das die Stadt Leipzig klagen will, mussten die großen Leipziger Musentempel bereits in diesem Jahr mit weniger Geld auskommen. Allein der Oper wurden 636.000 Euro gestrichen. Das Schauspiel bekommt 217.000 Euro, das Gewandhaus 246.000 Euro weniger als noch 2010. Die Kultureinrichtungen hatten bereits bei der Diskussion um die Gesetzesänderung damit gedroht, dass bei Kürzungen das künstlerische Angebot drastisch reduziert werden müsste, die Schließung ganzer Sparten drohe. „Für große Teile der Bevölkerung würde der Zugang zu Kultur unmöglich“, hieß es in einer Erklärung Leipziger Kulturschaffender vom November.

Dies scheint jedoch bereits der Fall, denn auch die Kosten für die Eintrittskarten stehen bei der Bürgerumfrage in der Kritik. „Die Untersuchung hat gezeigt, dass der Besuch von Kultureinrichtungen vielen zu teuer ist“, erklärte Ruth Schmidt, Leiterin des Amts für Statistik und Wahlen, bei der Vorstellung des Berichts. So habe jeder Sechste der Befragten angegeben, das Leipziger Ballett und die Musikalische Komödie wegen zu hohen Preisen nicht besucht zu haben. Bei der Oper waren es sogar 26 Prozent.

Robert Nößler

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