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"Leipziger haben was Elektrifizierendes": Wolf Maahn vor Weihnachtskonzert im Interview

"Leipziger haben was Elektrifizierendes": Wolf Maahn vor Weihnachtskonzert im Interview

In den 80ern spielte er in Westdeutschland in einer Liga mit Grönemeyer und Lindenberg. Wolf Maahn war einer der ersten und seinerzeit auch einer der erfolgreichsten Musiker, die zu groovigem R'n'B angloamerikanischer Prägung deutsch sangen.

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Alle Jahre wieder in Leipzig: Wolf Maahn.

Quelle: Robert Winter

Am Mittwoch gibt der 59-Jährige zum sechsten Mal in Folge in Leipzig ein Weihnachtskonzert. Sein erster Adventsbesuch in der Stadt war 2001.

Ist die Atmosphäre bei so einem Konzert besinnlicher als sonst?

Vielleicht ein bisschen. Vor allem finden es aber wohl alle geil, dem allzu übertriebenen Weihnachtsding da draußen zu entfliehen. Wir haben vielleicht ein paar kleine Weihnachtsideen, aber spielen eigentlich ein reguläres Konzert. Wenn man meine Musik hört, ist ja das ganze Jahr Weihnachten (lacht).

Ist Ihr "Fest der Liebe" denn ein Weihnachtslied oder ein Antiweihnachtslied?

Ich glaube, es ist ein wunderbares Weihnachtslied, auch wenn es nicht davon handelt, wie super alles ist, wie wir über den Schnee hüpfen und uns alle ganz doll lieben. Das Stück hat ein paar kleine Haken, wie das in meinen Texten so ist. Aber die Musik ist ja viel wichtiger. Und sie hat eine medizinische Wirkung.

Wie verbringen Sie selbst Heiligabend?

Wie die meisten zu Hause. Mein Sohn kommt, und wir kochen was. Wir treffen Familie und Freunde. Am zweiten Feiertag wollen wir zu zweit was machen, meine Frau Angelika und ich. Es sind kaum geschäftliche E-Mails zu erwarten, und das ist natürlich wunderbar.

Ihre Leipziger Stammadresse ist der Anker, der aber saniert wird. Ihr Weihnachtskonzert schien auszufallen, jetzt gehen Sie ins Haus Auensee. Erleichtert?

Ja, total. Die Entscheidung fiel sehr spät. Der Umbau vom Anker zieht sich in die Länge. Die Alternative, die wir zuerst ins Auge gefasst hatten, klappte dann auch nicht. Kurzfristig können wir jetzt ins Haus Auensee, noch vor Weihnachten. Das ist auch für mich persönlich wichtig.

Warum?

Jedes Publikum hat eine bestimmte Energie, und das Leipziger Publikum hat was Elektrifizierendes. Das schaukelt sich langsam hoch zwischen uns und den Gästen bis hin zu wunderbaren Momenten purer Freude - was will man mehr?

Zur Zeit Ihres kommerziellen Durchbruchs war Deutschland zweigeteilt. Merken Sie noch bei Konzerten, dass die ostdeutschen Fans den Beginn Ihrer Laufbahn quasi aus der Ferne miterlebten?

In Erfurt, wo wir am Wochenende das 19. Weihnachtskonzert im aufeinanderfolgenden Jahr gegeben haben, hat mir jemand erzählt, wie sie 1985 unsere Rockpalast-Nacht verfolgt haben. Was da abging. Große Gruppen haben sich das in irgendwelchen Plattenbauten angeschaut, teilten eine wunderbare gemeinsame Zeit - und den Reiz, etwas Verbotenes zu tun. Nach wie vor achten Ostdeutsche zudem mehr auf die Texte.

Sie treten auch regelmäßig beim Leipziger Courage-Festival auf, zuletzt dieses Jahr. Warum ist es für Sie wichtig, alle paar Jahrgänge dieses Zeichen zu setzen?

Ich glaube, dass wir im Moment eine besondere Situation haben. Es gibt unfassbar absurde Kriege im Nahen Osten, vor denen sehr viele Menschen fliehen. Einige von ihnen suchen Schutz bei uns. Ich glaube, dass die Bereitschaft zu helfen groß ist, aber gleichzeitig wird auch eine gewisse Hysterie angefackelt. Von der AfD etwa, einer Partei, bei der man sich an den Kopf greifen muss.

Auch von der Pegida-Bewegung?

So weit ich das einschätzen kann, ist da eine Vermischung im Gange, die einfach unsinnig ist. Natürlich kann man gegen religiösen Fanatismus demonstrieren, aber das mit der Flüchtlingsproblematik zu vermischen, ist gefährlicher Irrsinn und wird den Flüchtlingen nicht gerecht.

Sie gehörten 1985 zur "Band für Afrika". Wären Sie jetzt gern wie Udo Lindenberg und Wolfgang Niedecken wieder beim Band-Aid-Projekt dabei?

Ich finde, dass jetzt eine andere Generation dran ist. Sie wollten wohl ein paar Gallionsfiguren der 80er, aber wenn da jetzt wieder alle angetreten wären ...

Was halten Sie von der Kritik daran?

Ich habe kürzlich gelesen, wie unsicher es ist, dass das Geld, das Bob Geldof damals gesammelt hat - als ich auch beteiligt war - bei den richtigen Leuten gelandet ist. Dass da viele unkontrollierte Dinge passiert sind. Aber ob es tatsächlich so war, weiß ich nicht.

Für junge Musiker ist heute - anders als in den 80ern für Sie - die deutsche Sprache naheliegender als die englische. Wie sehen Sie diese Veränderung?

Ich bin eigentlich stolz drauf, weil ich glaube, Teil der Entwicklung zu sein. Obwohl ich extrem englische Hörgewohnheiten hatte, wollte ich damals wissen: Kann diese Sprache grooven? Ich erinnere mich an meine Hemmungen, als ich das erste Album einsang. Davor hatte ich ja ein englischsprachiges Projekt, doch dann war ich infiziert von den Sachen, die plötzlich Neue Deutsche Welle hießen. Allerdings empfand ich die Musik als so rechteckig und wollte diesen Groove-Faktor. Hörgewohnheiten sind wohl das Entscheidende. Heute hören schon kleine Kinder im Radio deutsche R'n'B-Songs. Nur sollte sich der Castingshow-Stil nicht durchsetzen. Das klingt zwar alles irgendwie toll, aber auch so gleich.

Wie klingt denn Ihr nächstes Studioalbum. Und vor allem: Wann erscheint es? "Vereinigte Staaten" ist vier Jahre alt ...

Es gibt erste Recordings, im Spätsommer 2015 soll ein neues Album herauskommen. Ich bin gerade immer bis sehr, sehr spät im Studio. Es ist unglaublich aufregend und wird immer aufregender.

Spielen Sie schon im Haus Auensee Neues?

Das kann ich im Moment nicht absehen, ich glaub's eher nicht. Wir könnten das allenfalls beim Soundcheck proben.

Wolf Maahn, Mittwoch, 20 Uhr, Haus Auensee (Gustav-Esche-Straße 4), Vorverkauf 26 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.12.2014
Interview: Mathias Wöbking

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